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Pflegeeltern brauchen eine Art Kinder-Führerschein

20.09.2008 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Manchmal werden Kinder zu Hause nicht so versorgt, wie es sein sollte. Dann kommen sie meistens weg vor ihren Eltern. Der Verein Pfiff in Hamburg kümmert sich um sogenannte Pflegekinder und Pflegeeltern. Hier arbeitet auch Ralf Portugall. Er hilft, wenn ein Kind ein neues Zuhause braucht. Den „dpa-Nachrichten für Kinder“ hat er erzählt, worauf es dabei ankommt.

nWie sollen Pflegeeltern sein, die ein Kind bei sich aufnehmen?

Sie müssen keine Super-Eltern sein, die dem Kind alles kaufen oder erlauben. Das wäre nicht gut. Sie dürfen auch mal schimpfen. Es ist aber ganz wichtig, dass Pflegeeltern gerne mit Kindern zusammen sind und Zeit für sie haben. Pflegeeltern müssen nicht reich sein. Sie sollten aber genug Geld haben, um mit dem Kind zum Beispiel auch mal Ausflüge machen zu können. Das Pflegekind sollte ein Kinderzimmer oder zumindest eine Spielecke haben.

nWie finden Sie Pflegeeltern für ein Kind?

Bei Pfiff bewerben sich Leute, die gerne ein Kind bei sich aufnehmen wollen. Sie machen eine Art Führerschein für Pflegekinder bei uns. Das heißt, wir bringen ihnen an mehreren Abenden bei, was sie über Pflegekinder wissen sollten, damit sie ihnen gut helfen können. Welche Probleme können die Kinder haben? Welche Schwierigkeiten kann es mit den Eltern der Kinder geben und ähnliche Probleme.

nWorauf achten Sie, wenn Sie für ein Kind eine neue Familie suchen?

Wenn ein Kind ein neues Zuhause braucht, gucken wir, welche Familie am besten zu dem Kind passt. Das Pflegekind soll zum Beispiel immer das jüngste Kind in der Familie sein. Dann können die älteren Kinder am besten verstehen, dass es von den Eltern die meiste Aufmerksamkeit bekommen muss, jedenfalls für eine bestimmte Zeit. Es ist immer so, dass wir Pflegeeltern für ein Kind suchen. Nie umgekehrt. Es ist nie so, dass Erwachsene sagen, was sie gerne für ein Kind hätten und so eins suchen wir dann für sie.

nFreuen sich die Kinder, wenn sie in eine Pflegefamilie kommen?

Die meisten sind sehr traurig darüber, von ihren Eltern wegzukommen. Sie haben ihre Eltern ja sehr lieb. In der Pflegefamilie ist zuerst alles neu für sie. Wenn sie gerne dort sind, haben viele Pflegekinder ein schlechtes Gewissen. Sie glauben, dass ihre Eltern denken, die Kinder mögen die Pflegeeltern lieber als sie. Viele fühlen sich hin und her gerissen. Wenn alles gut klappt, kann sich ein Pflegekind in der neuen Familie aber sehr wohl fühlen.

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