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Paula würde gerne mit den                  Bäumen sprechen

29.08.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

                                                                          Paulas Thema heute: Warum ist es so                                                                           angenehm, im Wald zu sein?

Hallo, liebe Kinder,

vor Kurzem bin ich zum Andreas gewatschelt. Ich habe bei ihm geklingelt. Aber es hat nicht gleich jemand aufgemacht. In dem Moment kam ein Nachbar vom Andreas. „Hallo, Paula“, hat er zu mir gesagt. Und ich habe „Hallo, wie geht’s?“ geantwortet.

In dem Moment hat der Andreas die Tür aufgemacht. Ich bin reingewatschelt und habe auch zum Andreas „Hallo“ gesagt. Der Andreas hat geantwortet: „Grüß dich, Paula, na, hast du dich gerade mit unserem Baum unterhalten?“

Ich habe ihn angeschaut wie ein Auto. Ich habe ihn gar nicht verstanden. Ich habe den kleinen Baum vor der Haustür vom Andreas angeguckt. Der stand da und sagte natürlich gar nichts. Also habe ich geschnattert: „Hä? Mit dem Baum gesprochen? Wie soll das denn gehen?“

„Äh, ich dachte nur. Denn ich habe dich halt vom Fenster aus sprechen sehen“, hat der Andreas gemeint.

„Ach so“, habe ich geantwortet, „dann hast du mich gesehen. Aber deinen Nachbarn hast du nicht gesehen. Aber den Baum. Und da hast du gedacht . . .“

Ich habe gelacht. Aber der Andreas hat mich gleich unterbrochen: „Na ja, hätte ja sein können!“

Das habe ich natürlich wieder nicht so richtig verstanden. Ich habe aber erst einmal nichts mehr gesagt. Denn ich hatte einen Plan. An diesem Tag wollte ich eine Runde mit dem Freund und Kollegen vom Andreas drehen. Das ist der Fotograf. Der macht oft auch Bilder von der Landschaft. Da sind auch Bäume drauf. Und zwar richtig große Bäume. Nicht so kleine Bäume wie der vor dem Haus vom Andreas.

Der Fotograf hat mich dann abgeholt. Wir sind losgefahren. Und zwischen Wolfschlugen und Grötzingen habe ich einen schönen, großen Baum gesehen. Ich habe geschnattert: „He, können wir da mal stehen bleiben? Ich muss mir mal meine orangenen Entenbeine verwatscheln, äh, vertreten.“

„Klar“, hat er gemeint und ist stehen geblieben. Ich bin dann gleich mal zu dem großen Baum gewatschelt. Dabei habe ich immer den Fotografen beobachtet. Er sollte nicht sehen, dass ich zu dem Baum was sage. Aber er hat gar nicht geguckt. Er wollte etwas anderes fotografieren. Ich saß dann eine Weile vor dem riesigen Baum. Aber der hat nichts gesagt. Ich habe mal ganz leise „Hallo, Baum“ geflüstert. Und dann habe ich das noch ein bisschen lauter gesagt. Aber ich habe keine Antwort gehört. Nur seine Blätter haben im Wind ein bisschen gerauscht. Ich habe mich trotzdem ganz gut gefühlt. Also bin ich zum Auto und zum Fotografen zurückgewatschelt und er hat mich wieder zum Andreas in unserer Heimbüro gebracht.

Ich wollte eigentlich nichts sagen. Aber dann war ich doch zu neugierig. Also habe ich dann zum Andreas gemeint: „Duuu, ich glaube nicht, dass nur kleine Bäume nicht sprechen können. Ich habe es mit einem Riesenbaum probiert. Aber der hat auch nichts gesagt. War aber nicht so schlimm. Ich habe mich bei dem Baum richtig gut gefühlt.“

Jetzt hat mich der Andreas angeguckt wie ein Auto. Dann hat er ein wenig gelacht und gemeint: „Ach so, nein, klar, Paula. Das war ein bisschen Spaß. Die sprechen natürlich nicht. Aber sie können sich schon untereinander verständigen.“

„Äh“, habe ich ganz überrascht gefragt, „und erzählen die sich dann Witze, oder was?“

„So ein Quatsch“, hat der Andreas ein bisschen mit mir geschimpft. „Da geht es um viel wichtigere Dinge. Manche Käfer fressen sich ja in die Bäume rein. Das macht die Bäume kaputt. Die Bäume merken das an der Spucke von den Käfern. Deshalb wehren die sich dann mit Harz. Das ist so eine klebrige Masse. Da bleiben die Käfer drin stecken. Die Bäume geben dann aber auch gleich einen Duftstoff ab. Den riechen ihre Baumkumpels im Wald. Und dann stellen die schon mal Harz zur Verteidigung her.“

Ich habe gelächelt und gemeint: „Das ist ganz schön schlau von den Bäumen. Die finde ich richtig gut!“

„Klar“, hat der Andreas gesagt, „die Bäume muss man ja auch einfach mögen!“

Deshalb wollte ich dem Andreas dann auch von meinem Gefühl unter dem Baum erzählen. Das konnte ich mich dann trauen. Ich dachte mir: „Der lacht dich dann auch nicht aus, Paula!“

Ich habe gesagt: „Duuu, ich habe mich ja unter dem Baum auch richtig gut gefühlt. Ich habe irgendwie gedacht: ,Paula, der Baum macht was mit dir. Auch wenn er nicht sprechen kann.‘“

„Klar“, hat der Andreas gesagt, „deshalb soll man ja auch oft in den Wald gehen. Man nennt das auch Waldbaden. Oder man umarmt einen Baum.“

Jetzt habe ich den Andreas wieder komisch angeguckt. „Willst du mich wieder veräppeln?“, habe ich gefragt.

„Nein, nein“, hat der Andreas schnell geschnattert, äh, gesagt, „überhaupt nicht. Das ist richtig angenehm und gesund. Die Bäume schicken sich nämlich viele bestimmte Stoffe in winzig kleinen Teilchen zu. Die atmet man ein. Und die sind richtig gesund. Man fühlt sich dann besser und stärker.“

„Hm“, habe ich mir überlegt, „den Baum umarmen . . . Aber der eine war doch riesig groß . . . Soll ich kleine Zeitungsente das erst einmal mit dem kleinen Baum vor der Tür versuchen?“

„Hm“, hat der Andreas gemeint, „das könntest du tun. Aber man muss den Baum nicht unbedingt ganz umarmen. Man kann ihn einfach berühren und fühlen. Das tut gut. Und eben die Stoffe im Wald aufnehmen.“

„Na gut“, habe ich gemeint, „und in den Arm nehme ich erst einmal dich.“

Das hat ihn gefreut. Eure Paula

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