Paulas Nachrichten

Paula würde auch gerne wählen gehen

23.05.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo liebe Kinder,

am Mittwoch war ich in der Fußgängerzone unterwegs. Da habe ich ein paar Kinder mit sehr großen Zetteln gesehen. Die standen vor Stellwänden und haben sich ganz aufgeregt unterhalten. Ich wollte mal schauen, was das los ist. Und wisst ihr, wen ich da getroffen habe? Richtig! Den Andreas!

„Was ist denn hier los?“, wollte ich wissen. „Hier ist Kinderwahl, Paula!“, hat der Andreas geantwortet.

„Kinderwahl? Können da die Kinder ihr Lieblingseis oder ihr Lieblingsspiel aussuchen?“, habe ich gefragt.

„Nein, Paula! Pass auf, ich erkläre dir das: In ein paar Wochen sind Kommunalwahlen. Das Wort ,Kommune‘ kommt von den alten Römern. Wir meinen heute mit dem Wort eine Gemeinde, eine Stadt oder einen Ort. Und bei der Kommunalwahl wird der Gemeinderat gewählt. Das ist so was wie das Parlament einer Stadt. Die beschließen zum Beispiel, welche Straßen neu gebaut werden. Oder welche Kindergärten und Schulen. Die Bürger wählen die Gemeinderäte.“

„Ach, und jetzt dürfen die Kinder mitwählen? Das ist ja toll. Dann wählen die bestimmt die, die für sie ganz viele Spielplätze bauen!“, habe ich mich gefreut.

„Naja, das wäre nicht schlecht. Aber man darf erst mit 18 Jahren wählen“, hat der Andreas gesagt. „Die Kinder dürfen aber so tun, als könnten sie wählen. Sie bekommen richtige Wahlzettel. Und sie haben die Kabine da. Da kann keiner sehen, wen sie wählen. Das ist wie bei den Erwachsenen. Da darf man auch geheim wählen. Damit keiner den anderen zwingen kann, irgendjemanden zu wählen.“

Ich war ein bisschen enttäuscht: „Ach so, dann spielen die also nur die Wahl.“

„Nein, so ist es denn auch wieder nicht“, hat der Andreas geantwortet. „Die Kinderkulturwerkstatt hat die Kinder gebeten, Fragen aufzuschreiben. Die wurden dann den 300 Nürtinger Kandidaten geschickt. Die Kandidaten sind die, die gewählt werden wollen. Die Kinder haben zum Beispiel gefragt, was ein Gemeinderat eigentlich macht. Sie haben aber auch Fragen zu den Spielplätzen gestellt. Und sie haben zum Beispiel gefragt, ob mehr Radwege gebaut werden. Eine Frage eines Kindes fand ich richtig klasse: Das wollte wissen, wie der Gemeinderat den armen Bettlern in der Stadt hilft.“

„Das ist ja wirklich interessant. Aber haben die auch Antworten bekommen? Oder haben die Erwachsenen keine Zeit gehabt?“, wollte ich wissen.

Der Andreas hat geantwortet: „Das war ganz unterschiedlich. Es haben 60 Kandidaten geantwortet. Die Kinder sehen: Aha, die nehmen mich ernst. Wenn ich eine Frage habe, kümmert sich jemand darum. Wetten, dass die Kinder eher die wählen, die ihnen geantwortet haben? Und eines Tages dürfen die Kinder ja richtig wählen.“

Das stimmt natürlich. Trotzdem hat es mich ein bisschen traurig gemacht. Ich habe zum Andreas gesagt: „Als Zeitungsente darf ich bestimmt nie wählen. Egal, wie alt ich werde.“

Der Andreas hat geantwortet: „Aber dafür darfst du bestimmt bei der Kinderkommunalwahl mitmachen.“

Das hat auch tatsächlich geklappt, liebe Kinder. Es war richtig aufregend. Und ich weiß jetzt: Wer wählen darf, sollte das auch unbedingt tun! Eure Paula

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