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Paula will sich Geld drucken

18.07.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

letzte Woche habe ich euch doch erklärt, wie die Finanzkrise in Amerika entstanden ist. Leider ist sie ja nicht dortgeblieben. Sie ist über das riesengroße Meer nach Europa gekommen. Ich habe übrigens vorsichtshalber in den Geldbeutel vom Andreas geguckt. Da waren nur ein paar Münzen drin. Ich bin richtig erschrocken. Noch mehr bin ich erschrocken, als der Andreas dazukam.

„He, was machst du denn mit meinem Geldbeutel, Paula? Willst du mir heimlich was reintun?“, hat er gerufen.

„Nein, nein, ich wollte nur schauen, ob du noch genug hast. Oder ob die Finanzkrise bei dir schon angekommen ist“, habe ich geantwortet.

Der Andreas hat mich beruhigt. Aber er hat mir natürlich auch erklärt, dass es hier bei uns Firmen gibt, denen es nicht so gut geht wegen der großen Krise. Dann wollte er mir erzählen, warum die Krise nicht nur die Banken trifft. Ich habe ihn gleich unterbrochen. Denn ich habe ja letzte Woche in der Kinderhochschule aufgepasst. „Ich kann dir das auch erklären“, habe ich geschnattert. Und der Andreas meinte: „Na, da bin ich ja mal gespannt. Dann leg’ mal los, Paula!“

Ich habe gesagt: „Also, das mit der Krise ging so weiter: Die amerikanischen Banken hatten ja Geld verliehen. Sie wussten aber nicht mehr, ob sie es zurückbekommen. Viele Menschen haben ja die Zinsen nicht mehr zahlen können. Die Verträge haben sie an andere Banken weiterverkauft. Auch an Banken bei uns. Sie haben immer mehr verschiedene Ausleihverträge zusammengestellt. Die anderen haben dann gar nicht mehr geblickt, wie gefährlich die Geschäfte sind – und dass sie das Geld vielleicht gar nicht mehr zurückkriegen. Viele Experten haben aber gesagt: ,Das ist ein tolles Geschäft. Das müsst ihr machen! Ihr bekommt hohe Zinsen und das Geld ganz bestimmt zurück!‘

Weißt du, Andreas, das finde ich besonders fies. Die haben einfach gelogen! Wie wenn einer ein paar schöne Blätter auf einen fauligen Salat klebt und mir den dann verkauft! Stell’ dir vor, die haben Geld dafür bekommen. Das nennt man Bestechung.“

Der Andreas hat nur den Kopf geschüttelt und mir recht gegeben. „Die gehören alle eingesperrt“, hat er gemeint.

Ich hatte ja auch Angst gehabt um meine ersparten Groschen. Die habe ich auf die Bank gebracht, damit ich mir auch mal einen Salat kaufen kann, wenn es mir nicht so gut geht. Aber der Professor in der Kinderhochschule hat gesagt, dass das Geld auf den Sparkassen und den Volksbanken sicher ist. Die waren nämlich vorsichtiger. Und unsere Regierung hat auch gesagt: „Wir geben euch das Geld, wenn damit etwas passiert.“

Schlimm ist aber für die Firmen und die normalen Leute, dass die Banken ihnen dann kein Geld mehr leihen können, mit dem sie sich was kaufen können. Dann leiden wieder andere Firmen – und wenn die leiden, entlassen sie oft Menschen.

Aber der Professor hat auch erklärt, dass die Krise überwunden werden kann. Der Staat hilft da. Er gibt manchen Firmen, denen es schlecht geht, Geld. Und er hilft auch den Banken, denen es schlecht geht. Die bekommen richtig viel Geld. So ein paar Milliarden. Wobei ich mir gar nicht vorstellen kann, wie viel eine Milliarde ist. Oder der Staat nimmt ihnen zum Beispiel die schlechten Ausleihverträge, die Kredite sagt man, ab. Oder sie geben den Menschen eine Belohnung, wenn sie ein neues Auto kaufen.

Trotzdem gibt es gerade eine Kreditklemme, hat der Professor berichtet. Die entsteht so: Es gibt so eine Oberbank. Das ist die Zentralbank. Bei der leihen sich die Banken das Geld. Weil sie aber gerade Angst haben, dass sie das Geld nicht zurückbekommen, leihen sie es nicht an die Firmen und Menschen aus. Und dann können die Menschen wieder nichts kaufen und viele werden arbeitslos.

Ich habe zum Andreas gesagt: „Eigentlich wäre es ja toll, wenn man einfach so viel Geld drucken könnte, wie jeder braucht.“

Der Andreas hat überlegt. Und er hat mich daran erinnert, was der Professor dazu gesagt hatte: „Du weißt doch, Paula. Wenn immer mehr Geld gedruckt wird, bekommt man ein Problem. Es soll doch in der Welt für jeden Geldschein immer einen Gegenwert geben. Aber es gibt dann immer mehr Geld, während die Häuser und alles andere immer weniger wert werden. Das nennt man Inflation. Das kommt aus dem Lateinischen und heißt so viel wie ,sich aufblasen‘. Es gibt viel Geld ohne Gegenwert – und deshalb wird das Geld immer weniger wert. Deshalb wird alles viel teurer. Aber ohne, dass die Menschen viel mehr verdienen. Dann wird wieder weniger gekauft. Das ist gefährlich. Da muss man aufpassen.“

Na ja, das war ja schon sehr kompliziert. Das habe ich dem Andreas natürlich nicht verraten. Ich habe lieber mal mit meinem Entenköpfchen genickt, dass mein Schnabel nur so auf und ab ging. Und dann habe ich mir überlegt: Vielleicht sollte ich mir einfach mal einen Berg Geld drucken. Damit kann ich zwar nichts kaufen. Sonst wäre das ja Falschgeld und man sperrt mich ein. Aber ich kann mir endlich mal vorstellen, wie viel so eine Milliarde ist. Eine Eins mit neun Nullen. Könnt ihr euch das vorstellen, liebe Kinder? Eure Paula

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