Paulas Nachrichten

Paula will nicht zum Quacksalber

26.01.2013, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

ich mag ja den Winter. Das wisst ihr doch. Aber manchmal sind Schnee und Eis auch gefährlich. Das habe ich diese Woche zu spüren bekommen. Ich wollte gerade zum Andreas. Mitten auf der Straße lag kein Schnee mehr. Da bin ich einfach entlang gewatschelt. Der Andreas hat mich vom Fenster aus schon kommen sehen. Er hat gerufen: „Hallo, Paula!“

Das war ja nett von ihm. Aber ich habe nicht mehr richtig auf meine Watschelbeine geachtet. Flutsch! Krach! Peng! Ich bin einfach ausgerutscht und auf meinem Bürzelchen, meinem Entenschwänzchen also, gelandet. Das hat kurz richtig wehgetan! Ich hatte Tränen in den Augen.

Der Andreas war sofort vom Fenster weg. Er ist gleich zu mir gerannt gekommen. Zum Glück ist er nicht auch noch hingefallen. „Mensch, Paula, dich hat es ja ganz schön hingepfeffert!“, hat er gesagt. Und er hat mir gleich wieder auf die Entenbeine geholfen.

„Genau! Hingepfeffert! Dabei sollst du doch Salz streuen und nicht Pfeffer! Dann hätte es kein Eis gegeben. Und dann wäre ich auch nicht hingefallen!“, habe ich geschnattert.

Der Andreas hat mich erst einmal in den Arm genommen und gestreichelt. Dann hat er gesagt: „Aber, Paula! Das habe ich dir doch schon einmal erklärt: Das Streusalz hat mit dem Salz für unser Essen nichts zu tun. Und ,hinpfeffern‘ sagt man eben so, wenn jemand hinfällt. Übrigens ist Salz auf der Straße hier in Nürtingen sowieso verboten.“

Das habe ich nun gar nicht verstanden. „Wie bitte? Verboten? Und was wird jetzt aus meinem Bürzele? Das tut voll weh! Wer hat das denn verboten? Der Oberdings oder wer?“

„Na, nun reg’ dich mal nicht so auf, liebe Paula“, hat der Andreas gesagt, „mit Oberdings meinst du bestimmt den Oberbürgermeister. Der ist zwar der Chef der Stadt. Er ist aber trotzdem nicht an allem Schuld. Wenn es richtig fiesen Eisregen gibt, darf man auch Salz streuen. Aber sonst muss man Sand, Asche oder Splitt nehmen. Splitt sind so kleine Steinchen. Schau’ mal, hier ganz nah bei unserem Haus! Da hättest du auf Splitt problemlos watscheln können.“

„Das ist ja schön und gut“, habe ich weiter geschimpft und meinen Hintern gerieben. „Aber warum verbietet man denn das Salz?“

„Das ist ganz einfach, Paula“, hat der Andreas gesagt, „ich erkläre dir das: Das Salz wird zum Beispiel von den Bäumen und Sträuchern hier am Straßenrand aufgenommen. Und das schadet ihnen. Außerdem geht das Salz über das Wasser in der Erde in den Neckar. Dort ist es schädlich für die Fische. Und bestimmt auch für die Enten. Außerdem kann das Salz den Hunden und den Katzen ganz schön an den Füßen brennen. Und den Zeitungsenten vielleicht auch.“

Das hat mich dann überzeugt. Aber mein Hintern hat mir immer noch wehgetan. Der Andreas hat mir das angesehen. Deshalb hat er gesagt: „Aber jetzt kommt erst einmal mit rein, Paula! Der Quacksalber wird sich um deinen Hintern kümmern.“

Ich habe ihn angeschaut wie ein Auto. Irgendwie klang das Wort komisch und interessant zugleich. „Quacksalber?“, habe ich gefragt. „Ist das ein Doktor, der nur quakende Tiere behandelt? Das wäre ja genau richtig für mich!“

Der Andreas hat gelächelt und mit dem Kopf geschüttelt. Er hat geantwortet: „Nein, so ist das leider nicht. Ein Quacksalber kennt sich mit Medizin nicht so gut aus. Er tut nur so.“

Das fand ich schlimm. „So einer soll sich um mein Bürzele kümmern? Und den hast du auch noch bei dir zu Hause?“, habe ich geschnattert.

Der Andreas hat gelacht. „Nein, nein. Das war nur ein Spaß. Mit ,Quacksalber‘ habe ich mich selbst gemeint. Du bist ja nicht so schwer verletzt. Ich mache dir ein bisschen Salbe auf dein Bürzele und einen Verband drumrum. Dann geht das wieder. Das kriege ich schon auch hin.“

„Schön“, habe ich gesagt. „Aber was hat mit dem quakenden Salbenfritzen zu tun?“.

Der Andreas hat mir gleich geantwortet: „Das Wort Quacksalber ist schon ganz schön alt. Früher gab’s noch nicht so richtige Ärzte. Zumindest hier bei uns nicht. Da haben sich viele verschiedene Typen um die Krankheiten gekümmert. Die hat man Quacksalber genannt. Wo das Wort herkommt, weiß man nicht so genau. Aber eine Erklärung gefällt mir besonders gut. Das Wort soll aus dem Niederländischen kommen. Das ist die Sprache der Menschen in einem Nachbarland von uns. Die haben mit Quacksalber einfach Menschen gemeint, die Salben verkauft haben. Die haben das meistens auf den Marktplätzen von Städten gemacht. Da mussten sie ihre Salben ganz laut anpreisen. Und sie mussten damit angeben, wie toll die sind. Das niederländische Wort ,quakken‘ meint zwar auch ,wie eine Ente schnattern‘. Aber es heißt eben auch ,angeben‘ und ,anpreisen‘. Du brauchst auch keine Angst haben, Paula. Ich nehme schon die richtige Salbe.“

„Na, das haben die Quacksalber bestimmt auch gesagt. Aber ich glaube dir. Du bekommst ja von mir kein Geld für die Salbe. Da wirst du bestimmt ehrlich bleiben“, habe ich gemeint.

Und der Andreas hat geantwortet: „Richtig, Paula! Du bist eben eine sehr schlaue Ente!“ Eure Paula

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