Paulas Nachrichten

Paula will nicht ein Jahr lang früh müde sein

06.04.2019, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

gestern bin ich zum Andreas in die Redaktion gewatschelt. Er war gerade nicht da. Also habe ich mich erst einmal auf seinen Schreibtischstuhl gesetzt. Ich war nämlich ein bisschen müde. Ich habe gegähnt und dabei meinen Schnabel gaaaanz weit aufgerissen: „Uuuuuaaaaahhhhhhhh!“

Dann stand plötzlich der Andreas hinter mir. Er muss sich wohl angeschlichen haben. Er hat gesagt: „Na, hast du heute Nacht Party gemacht?“

Ich habe gleich losgeschnattert: „Party? Nachts? Nee. Ich bin doch eine brave Ente. Nachts schlafe ich. Ich schlafe sogar viel. Aber ich bin trotzdem müde.“

„Ah“, hat der Andreas gemeint, „dann hast du die Frühjahrsmüdigkeit!“

„Hä?“, habe ich weitergeschnattert, „Was soll das denn sein? Jetzt bin ich ein ganzes Jahr lang immer früh müde?“

Der Andreas hat mich ganz groß angeguckt. Er hat gestottert: „Äh, na ja, wart mal, nee, äh . . . ach Mensch, äh, Ente Paula! Du kannst einen aber auch so richtig durcheinanderbringen! Du bist nicht ein Jahr lang immer früh müde. Nein. Man kann im Frühjahr eine Zeit lang müder sein. Auch wenn man gut und genug geschlafen hat.“

„Aha“, habe ich gemeint, „das ist doof. Eigentlich sollte man lieber im Winter mehr müde sein und mehr schlafen. Da ist es draußen kalt und dunkel. Jetzt ist es doch langsamer wieder schöner draußen. Die Sonne geht abends erst später unter und so. Da will ich unterwegs sein. Da will ich doch nicht müde sein! Warum ist das denn so?“

„Na ja, du hast schon etwas Richtiges angesprochen. Im Winter schlafen wäre schlauer. Und es gibt ja auch Tiere, die das so machen. Und . . .“

„Klar“, habe ich dazwischengeschnattert, „Bären und so halten einen Winterschlaf. Aber ich doch nicht! Ich bin doch eine Ente!“

„Jetzt reg dich doch nicht gleich so auf“, hat der Andreas mich beruhigt. „Also so einen richtigen Winterschlaf machen zum Beispiel Igel, Fledermäuse, Siebenschläfer und Murmeltiere. Eine Winterruhe halten Dachs, Eichhörnchen, Waschbär und Braunbär. Manche Tiere fallen sogar in eine richtige Winterstarre. Zum Beispiel manche Fische, Frösche, Eidechsen, Schildkröten und Insekten. Aber Enten gehören nicht zu denen. Zeitungsenten schon mal gar nicht. Genauso wie wir Menschen. Aber auch unser Körper verändert sich im Winter. Das ist so etwas wie ein Mini-Winterschlaf. Im Winter gibt es weniger Licht und es ist kälter. Da senkt der Körper seine Temperatur auch ein bisschen. Der Blutdruck wird ein bisschen hochgesetzt. Da fließt das Blut schneller und kräftiger. Sonst wird es uns zu kalt. Und es gibt mehr von dem Hormon Melatonin im Körper. Hormone sind bestimmte Stoffe in unserem Körper. Die sind so etwas wie Postboten. Sie bringen bestimmten Organen und so Nachrichten sozusagen. Und darin steht dann, was sie tun sollen. Das Melatonin hilft uns beim Schlafen.“

„Ja, schön“, habe ich ganz ungeduldig geschnattert. „Das passiert im Winter mit dem Melodiedings. Aber jetzt ist doch kein Winter mehr.“

„Na, dann pass mal auf, Paula. Also erst einmal: Das Melodiedings heißt Melatonin und macht uns schläfrig. Und dann: im Frühjahr wird das im Körper wieder alles umgestellt. Es wird ja wieder wärmer und es ist heller. Und es ist länger hell. Der Körper wird wieder wärmer. Damit werden auch unsere Blutgefäße weiter. Der Blutdruck fällt. Das macht uns müde. Ja, und der Schlafpostbote Melatonin wird zwar auch gebremst. Und der Wach- und Glücklichmacher Serotonin mehr hergestellt. Aber nur langsam. Stück für Stück. Die Umstellung dauert eine Weile. Und so lange sind wir eben im Frühjahr müder.“

„Ah“, habe ich gemeint, „wie lange dauert das denn?“

„Na ja“, hat der Andreas überlegt, „so meistens von Mitte März bis Mitte April. Aber man sollte trotzdem aktiv sein. Rausgehen. Sport machen. Oder wie du eben kräftig durch die Stadt watscheln.“

„Na ja“, habe ich mir überlegt, „das mache ich ja alles. Meinst du, ich kann trotzdem mal einen kleinen Mittagsschlaf halten oder so? Oder morgens ein bisschen länger liegen bleiben?“

„Na gut“, hat der Andreas gemeint, „aber übertreibe es nicht! Sonst kommst du gar nicht mehr in die Gänge. Du schimpfst doch sonst mit mir. Und du behauptest, ich bin eine Schlafmütze. Aber dann solltest du dich nicht auf dein Entenwecksystem mit Tageslicht und so verlassen – wenn du länger liegen bleiben willst. Da, nimm dir mal den Wecker mit!“

Der Andreas hat mir seinen Schreibtischwecker gegeben. Und ich habe gesagt: „Vielen Dank! Aber schlaf dann ohne Wecker nicht ein am Schreibtisch!“

Der Andreas hat nur „Ha, ha, ha“ gesagt. Ich war wohl zu frech. Da bin ich lieber losgewatschelt. Eure Paula

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