Paulas Nachrichten

Paula will mit Glocken vor Bären warnen

19.10.2019 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Paulas Thema heute: Warum läuten eigentlich die Kirchenglocken?

Hallo, liebe Kinder,

vor Kurzem bin ich mal beim Andreas zu Hause vorbeigewatschelt. Der hat gerade an seiner Wand zwei komische kleine Glocken aufgehängt. Ich habe gleich losgeschnattert: „He, was sind denn das für Glocken? Die sind ja mini! Was machst du denn mit denen?“

„Äh“, hat der Andreas gemeint, „ich hänge sie wieder auf. Ich habe sie im Urlaub in Amerika dabeigehabt. Jetzt kommen sie wieder als Andenken an die Wand. Ich habe sie ja früher schon mal dort gekauft.“

Das habe ich überhaupt nicht verstanden. Also habe ich weitergeschnattert: „Du nimmst ein Urlaubsandenken mit in den Urlaub? Das ist aber seltsam.“

„Ja“, hat der Andreas gesagt, „aber ich kann dir das erklären. Das sind Bärenglocken. Deshalb habe ich sie jetzt wieder in die Berge in Amerika mitgenommen.“

„Bärenglocken!“, habe ich geschnattert, „das würde ich nie machen! Du läutest mit denen, und dann kommen die Bären? Hast du denn keine Angst vor denen? Also ich . . .“

Der Andreas hat mich gleich unterbrochen. Er hat geschnattert, äh, gesagt: „Schon gut, Paula! Ich läute die Glocken doch nicht, damit die Bären herkommen. Im Gegenteil. Man hängt sich die Glocken beim Wandern in einsamen Berggegenden an den Rucksack. Dann klingeln die beim Laufen immer so ein bisschen. Dann wissen die Bären: ,Aha, da kommen Menschen.‘ Und dann hauen sie ab. Die mögen nämlich eigentlich nicht in der Nähe von Menschen sein. Und böse werden die Bären so richtig, wenn man sie überrascht. Zum Beispiel, wenn sie mit ihren Kindern unterwegs sind. Die möchten sie beschützen. Und dann können sie sich und ihre Kinder bedroht fühlen – und sie greifen dich an. Also lieber klingeln mit der Glocke. Dann gehen sie rechtzeitig weg.“

Das fand ich jetzt gar nicht so schlecht. Aber dann ist mir etwas anders eingefallen: „Duuuu“, habe ich gesagt, „aber hier läuten ja auch den ganzen Tag Glocken: Die Glocken von unserem Kirchturm! Und die sind richtig laut. Aber, äh, hm, die vertreiben doch keine Bären? Oder gibt es die hier doch und . . .“

Jetzt hat mich der Andreas wieder unterbrochen. Diesmal hat er das aber mit einem richtig lauten Lachen gemacht. Dann hat er gemeint: „Oh, Paula, das ist lustig! Ich stelle mir vor: Durch die Stadt laufen andauernd und überall Bären. Und dann rennen sie davon, wenn die Glocken läuten. Super!“

„Hahaha“, habe ich ihn ganz böse angeschnattert. „Das soll lustig sein?“

„Ja“, hat der Andreas ganz frech gemeint. „Hier gibt es ja gar keine Bären. Und die Glocken läuten hier aus ganz anderen Gründen. Also, der eine Grund ist: Früher hatten die Leute keine Uhren. Da hat ihnen die Kirchenglocke immer die Uhrzeit angesagt. Das war auch in der Zeit der Ritter so. Da wurden nämlich die meisten Kirchen mit ihren Türmen und Glocken gebaut.“

„Ja“, habe ich dazwischen geschnattert. „Aber heute hat doch jeder eine Uhr! Also warum . . .“

Der Andreas hat mich gleich wieder unterbrochen und gemeint: „Schon! Aber für viele ist das einfach eine Tradition. Bevor du dazwischenschnatterst: Tradition ist ein Römerwort. Es kommt vom Wort ,tradere‘. Das heißt so viel wie ,hinübergeben‘. Das bedeutet: Man gibt etwas von früher weiter an uns heute und an die Menschen morgen. Da fühlt man sich wohl und zu Hause.“

„Hm“, habe ich gesagt, „das verstehe ich. Aber warum hängen dann die Glocken in der Kirche?“

„Eine gute Frage, Paula“, hat mich der Andreas gelobt. Und dann hat er weitererklärt: „Natürlich sind auch das Traditionen. Und zwar kirchliche Traditionen. Natürlich läuten die Glocken auch, um die Christen in die Kirche zum Gottesdienst zu rufen. Das war natürlich früher auch sehr wichtig. Denn ohne Uhr wusste man ja nicht, wann der Gottesdienst beginnt. Die Kirchenglocken haben aber den Christen gesagt: ,Jetzt ist es Zeit für dieses und jenes Gebet.‘ Sie warnten aber auch vor Unwettern und so. Oder auch vor Bränden.“

„Ja“, habe ich gemeint, „oder wenn Bären in der Stadt unterwegs waren!“

Der Andreas hat zuerst ganz komisch geguckt. Dann hat er aber lachen müssen. So wie ich auch. Denn ich habe ja nur einen Spaß gemacht. Eure Paula

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