Paulas Nachrichten

Paula will kein Krokodilritter sein

09.02.2019, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich zum Andreas gewatschelt. Eigentlich mache ich das ja fast jeden Tag. Ich muss ja gucken, was los ist. Diesmal bin ich aber später angekommen. Ich habe nämlich noch meine Entenkumpels am Neckar besucht.

Der Andreas hat mich begrüßt und gemeint: „Na, heute bist du aber ganz schön spät dran, liebe Ente! Was hast du denn wieder für Abenteuer erlebt?“

„Abenteuer?“, habe ich geschnattert, „Ich? Hier in Nürtingen? Ich bin halt hierher gewatschelt. Und dann habe ich ein bisschen mit meinen Entenkumpels geplanscht. Aber der Neckar war mir eigentlich zu kalt. Ja, und dann habe ich noch mit ein paar Lesern gesprochen. Das gehört doch zu meinem Job dazu. Ich muss doch immer wissen, was los ist. Ja, und dann habe ich . . .“

„Na, siehst du, Paula?“, hat der Andreas lächelnd gesagt, „das sind doch deine Abenteuer! Du redest mit den Menschen. Mit den Enten. Und dann ist es dir im Neckar zu kalt. Wenn das mal keine Abenteuer sind!“

Ja, und dabei hat der Andreas immer mehr gelacht.

„He“, habe ich geschnattert, „du brauchst dich gar nicht über mich lustig zu machen! Das ist halt meine Aufgabe! Das ist aber kein Abenteuer. Das habe ich ja schon geschnattert, äh, gesagt. Da brauchst du nicht zu lachen! So ist es mir auch lieber! Denn Abenteuer sind gefährlich. Stell dir mal vor, bei meinen Entenkumpels im Neckar wären Krokodile unterwegs. Oder die Menschen in der Stadt wären Entenjäger. Oh je, das wären schlimme Abenteuer!“

Jetzt hat der Andreas eine Weile weitergelacht. Dann hat er aber aufgehört. „Da hast du recht, Paula! Das wären harte Abenteuer für eine kleine, sanfte, liebe Zeitungsente! Und du hast natürlich auch mit dem Wort Abenteuer recht. Aber man kann das Wort ja ein bisschen abwandeln . . .“

„Aber klar doch“, habe ich dem Andreas dazwischengeschnattert, „du nimmst ja oft Wörter und benützt sie einfach mal ganz anders. Und dann behauptest du: ,Das sagt man halt so, Paula.‘“

„Ja“, hat der Andreas mir recht gegeben, „das stimmt schon! Das ist ja einfach lieb gemeint. Man bezeichnet kleine Alltagserlebnisse als Abenteuer. Damit werden sie doch viel wertvoller.“

„All-taaaags-erlebnisse?“, habe ich gefragt, „aber Abenteuer kommt doch eher vom Abend und nicht vom Tag.“

Der Andreas hat die Augenbrauen ein bisschen hochgezogen und gemeint: „Nee, nee. Das kommt nicht von Abend.“

„Ah“, habe ich gleich weitergeschnattert, „dann kommt das von ,teuer‘. Na ja, so etwas kann schon teuer werden. Wenn so ein Krokodil meinen Bürzel wegbeißt . . .“

„Oh, Paula“, hat der Andreas gemeint, „das wird schon nicht passieren. Und mit ,teuer‘ hat das Wort auch nichts zu tun. Ich erkläre dir das. Also, das Wort kommt von . . .“

„Ha“, habe ich wieder dazwischengeschnattert, „das Wort kommt natürlich von den alten Römern!“

„Ja“, hat der Andreas gemeint, „so falsch ist das gar nicht. Aber es ist auch nicht ganz richtig. Am besten schnatterst du jetzt mal nicht immer so wild durch die Gegend. Hör mir einfach mal zu. Ich erkläre dir das. Also: Unser Wort Abenteuer kommt vom alten deutschen Ritterwort ,Aventiure‘. Und das kommt wiederum vom Römerwort ,adventura‘. Das heißt so viel wie ,das, was geschehen wird‘. In der Ritterzeit haben dann verschiedene Dichter Bücher über Ritter geschrieben. In den Büchern mussten die immer gefährliche Sachen erledigen und Proben bestehen. Das waren die ,Aventiuren‘. Ja, und daraus ist dann unser Wort Abenteuer entstanden.“

„Ah“, habe ich gemeint, „und was mussten die dann Gefährliches machen? Die sind doch bestimmt nicht einfach durch die Stadt gelaufen oder so?“

„Nein“, hat der Andreas gesagt und ganz lieb gelächelt, „das sind sie nicht. Sie sind in voller Rüstung durch die Gegend geritten. Durch dunkle, geheimnisvolle Wälder. Zu stolzen und mächtigen Burgen. Und dabei haben sie unterwegs allerhand komische Typen getroffen. Die mussten sie dann besiegen. Gefährliche Riesen, böse Ritter, riesige Drachen . . .“

„Drachen?“, habe ich jetzt doch wieder dazwischengeschnattert, „dann liege ich mit meinen Krokodilen gar nicht so falsch!“

Der Andreas musste lachen. Und ich auch. Und dann habe ich gemeint: „Weißt du was? Solche Ritterdrachenbücher lese ich mal. Das ist weniger gefährlich als selbst mit Krokodilen zu kämpfen.“

Auch dabei hat mir der Andreas natürlich recht gegeben. Eure Paula

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