Paulas Nachrichten

Paula will den Schlüssel rasieren

13.01.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche hat mal die Sonne gescheint. Ein paar Vogelkameraden haben auch schon gezwitschert. Das hat sich beinahe wie Frühling angefühlt. Ich habe deshalb gleich eine große Watschelrunde gemacht. Ich bin beim Andreas vorbei. Der hatte frei. Ich habe zu ihm gesagt: „He, willst du mit mir eine Runde watscheln, äh, spazieren gehen?“

„Klar“, hat der Andreas gemeint. „Komm’, wir schauen uns mal den Neckar an. Mal sehen, ob der wieder in seinem normalen Bett ist!“

Zuerst habe ich einfach „Au ja!“ gemeint. Denn am Neckar bin ich sehr gerne. Aber dann habe ich gemerkt: Irgendwas an seinem Satz war komisch. Ich habe kurz überlegt. Dann habe ich gesagt: „Hä? Der Neckar in seinem Bett? Soll der schlafen oder was?“

„Neiiiiiin“, hat der Andreas ganz genervt gesagt, „ein Fluss schläft doch nicht! Aber er hat trotzdem ein Bett. Das Wasser von einem Fluss fließt ja eigentlich in einer großen Rinne. Die Rinne ist die Grenze des Flusses unten und an den beiden Rändern. Diese Rinne nennt man das Flussbett. Der liegt da halt so drin!“

„Ah“, habe ich gemeint, „ich verstehe! Deshalb soll der Neckar wieder in seinem Bett sein! Dann gibt es kein Hochwasser! Alles klar!“

Wir sind dann am Neckar entlang gelaufen und gewatschelt. Und wir haben uns unterhalten. Ich habe mir das Neckarwasser angeguckt. Das war noch ganz schön schlammig und es ist noch ganz viel Zeug darin rumgeschwommen. Nach einem schönen sauberen Bettchen hat das nun wirklich nicht ausgesehen. Und der Neckar war auch gar nicht ruhig. Der ist immer noch laut plätschernd schnell geflossen.

Deshalb habe ich gesagt: „Hm, irgendwie ist das Wort trotzdem komisch. In einem Bett liegt man doch meistens ganz ruhig und schläft. Und ein Fluss fließt ja. Auch wenn es kein Hochwasser gibt. Also ob das so passt . . .“

„Ach, Paula“, hat der Andreas gesagt, „so ist das halt manchmal mit den Menschenworten. Man stellt sich einfach ein Bild vor. Dann können sich die anderen einfacher vorstellen, was man meint. Ich sage zum Beispiel ,Flussbett‘ – und jeder weiß, was ich meine.“

Dann hat mich der Andreas ganz lang und streng angeguckt und gemeint: „Na ja, fast jeder weiß was ich meine.“

Ich habe nichts gesagt und deshalb hat er gleich weitererklärt: „Auf jeden Fall ist das sehr geschickt. Sonst müsste ich ja mit einem ganz langen Satz erklären was ich meine. Also müsste ich sagen: ,Das ist die Rinne, die den Fluss an den Seiten und unten begrenzt und in der er fließt.‘ Da ist das mit dem Flussbett doch einfacher. Auch wenn er darin nicht pennt wie eine Zeitungsente auf meinem kuscheligen Sofa!“

Ich habe mir das ein bisschen überlegt und einfach nur „Hm“ gesagt. Deshalb hat der Andreas gleich wieder weitergesprochen: „Na gut, ich erkläre dir das noch besser. Aber dann musst du dir ein altes Griechenwort anhören. Das heißt Metapher. Du brauchst das jetzt nicht falsch verstehen. Nicht dass du meinst das klingt wie ,määäh‘ und Affen und es gibt jetzt Schafaffen oder so.“

„Hahaha“, habe ich beleidigt gesagt. „Ich bin doch nicht ganz doof!“

„Also gut“, hat der Andreas gemeint, ich  buchstabiere  dir  das:  M-e-t-a-p-h-e-r. Das heißt so viel wie Übertragung. Man überträgt etwas von einem Ding auf das andere und von einem Wort auf das andere. Also der Fluss liegt irgendwie in seinem Bett wie eine Zeitungsente auf meinem Sofa. Auch wenn er fließt. Ein Beispiel ist auch das Stuhlbein.“

„Ha“, habe ich gelacht, „das ist ja lustig. Ein Stuhlbein! Pass nur auf! Dann läuft dein Stuhl dir weg! Und du setzt dich hin – und autsch: Sitzt du auf dem Boden und hältst dir deinen Popo!“

Der Andreas hat die Augenbraue nach oben gezogen. Ihr wisst ja, liebe Kinder, das macht er immer wenn er etwas nicht so lustig findet. Dann hat er gesagt: „Aber Paula! Auf Beinen kann man doch auch stehen! Und das macht ja ein Stuhl auch. Der steht da halt rum auf seinen Beinen. Deshalb hat er die ja. Sonst fällt er um. Es gibt ja noch ein anderes Beispiel. Warte mal, äh, na klar, den Schlüsselbart! Guck mal, Paula“, hat er gesagt und seinen Schlüsselbund rausgezogen.

Er hat die Schlüssel alle angeguckt und endlich einen gezeigt. „So“, hat er gesagt, „die Zacken sehen doch wie Bärte aus! Ja, und alte Schlüssel hatten nur einen so einen Zacken, und das sah wie ein Bart aus.“

Zuhause hat er mir so einen alten Schlüssel gezeigt. „Stimmt! Der Schlüssel hat echt einen Bart!“

Ich habe aber wieder auf seine neueren Schlüssel gezeigt und gemeint: „Tja, und die neuen Schlüssel haben kürzere Bärte. Und dein Autoschlüssel hat gar keinen Bart mehr. Die hast du schon rasiert. Hol’ mal deinen Rasierer! Dann rasieren wir den alten Schlüssel auch!“

Der Andreas hat wieder komisch geguckt und gemeint: „Hahaha, Paula, da hat aber nicht nur der Rasierer einen Bart. Dein Witz hat auch einen.“

Das habe ich nicht verstanden. Aber der Andreas hat nur gemeint: „Das ist eine andere Geschichte.“

Also gut, Kinder, nächste Woche frage ich ihn nach dem Witzbart! Eure Paula

Paulas Nachrichten

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