Paulas Nachrichten

Paula verabschiedet sich in die Ferien

01.08.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo liebe Kinder,

als ich gestern durch die Stadt gewatschelt bin, war es am Ochsenbrunnen ganz ruhig. Sogar um die Mittagszeit. Da lärmen sonst immer die Kinder von der Schule nach Hause. Diesmal nicht. „Ob die hitzefrei haben?“, habe ich mir überlegt. Aber dazu war es eigentlich nicht heiß genug. „Ferien?“, schoss es mir durch den Kopf. „Natürlich!“ Aber ich war mir nicht ganz sicher. Also bin ich zum Andreas.

„Aber natürlich haben die Ferien, Paula!“, hat er mir auf meine Frage geantwortet. Und dann hat er ganz seltsam gelächelt: „Weißt du was, Paula? Ich habe auch bald Ferien!“

Das habe ich nicht kapiert. „Ferien? Du? Wieso das denn? Du gehst doch gar nicht in die Schule!“, habe ich ihn angeschnattert.

„Na gut“, hat er gemeint. „Dann habe ich eben keine Ferien, sondern Urlaub.“

Da war wieder dieses komische Wort. Andreas hatte mir das schon einmal erklärt. Urlaub ist, wenn die arbeitenden Menschen mal nicht arbeiten müssen. Und das seltsame Wort kommt aus dem Wortschatz der alten Ritter. Die mussten ihren Chef immer um Erlaubnis fragen, wenn sie mal eine Pause vom andauernden Kämpfen haben wollten. „Urlaub“ klingt deshalb ein bisschen nach Erlaubnis. Ich wusste das schon. Zum Glück konnte sich der Andreas auch daran erinnern, dass er mir das schon einmal erklärt hat.

Irgendwie war ich aber traurig. All die Kinder haben Ferien. Der Andreas hat Urlaub. Und was ist mit mir? „Bekommen denn Zeitungsenten keine Ferien und keinen Urlaub? Das ist voll fies!“

Der Andreas hat mich ganz mitleidsvoll angeschaut. „Arme Paula! Ich kann deinen Kummer total verstehen! Vielleicht solltest du mal deinen Chef fragen!“

„Hm“, habe ich überlegt. „Und wer soll das bitte sein? Deine Chefin? Ist die auch meine Chefin? Schließlich bin ich doch die Zeitungsente, dann müsste die doch auch für mich zuständig sein!“

Der Andreas hat gesagt: „In Ordnung, Paula! Ich spreche mal mit ihr. Warte kurz. Das mache ich gleich mit dem Telefon.“

Ich habe ihn sprechen hören. Aber ich habe nicht verstanden, was er geredet hat. Aber es hat nicht lange gedauert.

Der Andreas kam ganz ernst auf mich zu. „Also gut, Paula, die Nürtinger Zeitung gewährt dir ganz offiziell Urlaub. Das ist zwar das erste Mal. Aber wir glauben, du hast es verdient. Schließlich arbeitest du jetzt schon über zwei Jahre am Stück für uns. Du kannst es dir einfach mal gut gehen lassen. Aber bleibe bitte nicht die ganzen Ferien weg. Du kannst ja ein bisschen früher wieder kommen.“

„Nein, nein, das ist in Ordnung“, habe ich gesagt. Ich war ganz aufgeregt. Ich habe Urlaub! Super! Das heißt, dass ich mir den so richtig verdient habe. Ich wollte gleich mal losrennen. Aber plötzlich habe ich mir überlegt: „Was mache ich denn mit meinem Urlaub, so ganz ohne Zeitung?“

Dann hat mir der Andreas von seinen Plänen erzählt. Wenn er Urlaub hat, macht er eine Reise. Er hat aber nicht gefragt, ob ich mit will. Ob das auch was für mich wäre? Ich habe mir das gut überlegt. Mensch, so eine richtige Reise. . . Paula unterwegs. . .

Ich bin dann mal zur Nürtinger Zeitung gewatschelt. Die haben da so einen Riesenglobus. Ich habe mir ein paar Länder angeschaut, die mich reizen würden. Mal sehen, was ich mache.

So lange kann ich euch halt nicht von meinen Abenteuern erzählen. Aber dafür gibt es bestimmt viel zu erzählen, wenn ich wieder zurück bin. Ihr müsst halt eben so lange die anderen Nachrichten auf der Seite lesen.

Und was macht ihr in den Ferien? Ihr könnt mir ja Postkarten schreiben. An die Adresse: Paula, Redaktion Nürtinger Zeitung, Carl-Benz-Straße 1, 72622 Nürtingen. Macht’s gut! Eure Paula

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