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Paulas Nachrichten

Paula sucht ihren kleinen Entenfreund

18.05.2013 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

vor über einer Woche bin zum Andreas nach Hause gekommen. Der saß auf dem Sofa. Ich wollte mich zu ihm setzen. Aber da saß schon eine Ente! Eine kleine, gelbe Quietscheente. Die war zwar süß. Aber trotzdem hat mir das nicht so richtig gepasst. „Was macht denn diese Ente da auf meinem Platz?“, wollte ich wissen.

Der Andreas hat gelächelt und geantwortet: „Aber Paula! Du wirst doch nicht eifersüchtig sein! Das brauchst du doch gar nicht. Du bist und bleibst meine absolute Lieblingsente! Die kleine Ente hier können wir doch beide lieb haben, oder?“

„Na gut“, habe ich gemeint, „dann ist das schon in Ordnung! Dann ist die jetzt eben unser Freund.“

Dann hat der Andreas aber los müssen. In die Redaktion. Er hatte einen Termin. Ich habe ihn begleitet. Das Entchen ist alleine sitzengeblieben.

Ein paar Tage später habe ich den Andreas wieder besucht. Es war Samstag. Ich bin ganz ehrlich: Ich wollte mal wieder nach dem Entchen schauen.

Auf dem Sofa ist es aber nicht gesessen. „He“, habe ich dem Andreas gesagt, „wo hast du denn unseren kleinen Freund? Hast du den in die Badewanne gesetzt?“

Der Andreas hat mit dem Kopf geschüttelt. „Nein, nein, Paula“, hat er gesagt. „Viel besser! Die Ente ist jetzt gleich im Neckar unterwegs!“

Das habe ich gar nicht verstanden. „Die kleine Ente? Im Neckar? Findest du das gut?“, habe ich geschnattert. Ich konnte mich gar nicht beruhigen. „Da muss ich gleich nach ihr schauen! Die arme Kleine! Ich werde sie retten!“

Der Andreas wollte etwas sagen: „Äh, Paula, ich glaube du verstehst da was nicht. Warte, ich erkläre dir das . . .“ Aber ich habe ihm gar nicht mehr zugehört. Ich bin losgewatschelt. So schnell ich konnte. Runter zum Neckar. Unter der großen Brücke habe ich das Entchen nicht gesehen. So ein Ärger! Aber dann habe ich einen großen gelben Streifen auf dem Neckar gesehen. Und da standen auch ganz viele Menschen. Da bin ich natürlich hingewatschelt. Ganz schnell. Obwohl ich schon richtig schnaufen musste. Ich kam immer näher. Und dann habe ich es gesehen . . .  Ich habe gedacht: Mensch, Paula, du kannst deinen schönen, runden Entenäuglein nicht mehr trauen! Das war gar kein gelber Streifen. Das waren Hunderte von kleinen, gelben Enten! Wie sollte ich da nur unsere kleine Ente wieder finden?

„He, Paula“, hat es plötzlich hinter mir gekeucht. Da war der Andreas. Er war mir hinterhergewatschelt, Entschuldigung, er war hinter mir hergelaufen. „Ich wollte dir das doch erklären. Aber du hast mir ja nicht zugehört. Unsere kleine Ente ist eine Rennente!“, hat er gesagt.

Das habe ich nicht verstanden. Ich habe geschimpft: „Eine was? Eine Rennente? Die sieht aber gar nicht so aus, als ob sie rennen könnte. Die sah aus wie eine ganz normale Quietscheente. Und die gehören in die Badewanne und nicht in den Neckar! Aber welche ist das nur? Warte, ich werde sie schon finden und aus dem Wasser holen.“

Jetzt ist der Andreas ein bisschen nervös geworden. Er hat gerufen: „Nein, nein, Paula! Das wirst du schön bleiben lassen. Das ist wirklich keine normale Quietscheente. Das ist tatsächlich ein Rennente. Die rennt natürlich nicht in der Gegend rum. Aber sie nimmt an einem Entenrennen teil. So wie die 5000 anderen Enten hier auch. Unsere Ente hat eine Nummer. Und wenn sie das Ziel unter den schnellsten erreicht, dann gewinnen wir etwas.“

So langsam habe ich das verstanden. Ich habe gemeint: „Na schön, dann hole ich die nicht aus dem Wasser. Aber meinst du wirklich, die kann gewinnen? Die hat doch ganz normal ausgesehen.“

Der Andreas hat mir erklärt: „Ja, so ausgesehen hat sie schon. Aber sie ist wirklich keine normale Quietscheente. Sie hat einen ein bisschen flacheren Boden. Und ein leichtes Metallgewicht hat sie auch im Boden. Damit sie nicht so leicht umkippt. Aber das heißt natürlich nichts für dieses Rennen. Die anderen Rennenten haben das auch. Die sind alle gleich. Da kommt’s jetzt eben auf das Glück an.“

Wir haben dann unserer Ente ganz fest die Daumen gedrückt. Ich habe auch immer wieder mal gerufen: „Auf geht’s, kleine Quietscheente! Aber nur die, mit der ich beim Andreas auf dem Sofa gesessen bin!“

Die Leute haben mich komisch angeguckt. Allerdings haben meine Anfeuerungen nichts genützt. Die Nummer unserer Ente wurde nicht vorgelesen. Wir haben nichts gewonnen. Die war zu langsam.

Der Andreas hat mir das angesehen. Ich sah wohl richtig traurig aus. Deshalb hat er zu mir gesagt: „Du darfst nicht traurig sein, Paula! Das kann passieren. Wer bei einem Wettbewerb oder einem Spiel mitmacht, kann auch verlieren. Das ist nicht schlimm. Hauptsache, unsere Ente hat sich angestrengt. Und das hat sie ganz bestimmt. Die anderen 5000 hier wollten eben auch gewinnen. Und stelle dir vor: In England haben sogar einmal 250 000 Enten bei einem Rennen mitgemacht. Das sind mehr als sechsmal so viel wie Menschen in Nürtingen wohnen. Da können nicht alle gewinnen. Wenn man sich anstrengt und trotzdem verliert, ist das okay. Und unsere Ente bleibt jetzt bei ihren Kumpels.“

Das habe ich verstanden. Und es hat mich beruhigt. Eure Paula

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