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Paula sucht die Sterntränen

12.08.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Paulas Thema heute: Was haben die kleinen Himmelskörper mit Laurentius zu tun?

Hallo, liebe Kinder,

am Montag habe ich mich mit dem Andreas wieder in unserem Heimbüro getroffen. Er war ein paar Tage unterwegs. Zur Begrüßung habe ich geschnattert: „He, wie waren denn deine freien Tage?“

„Sehr schön, Paula“, hat er geantwortet, „wir hatten eine tolle Zeit bei unseren Freunden am Bodensee. Das ist doch der große See zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz.“

„Ja, klar“, habe ich gemeint, „gell, den nennt man auch das schwäbische Meer. Da hast du bestimmt dauernd geplantscht, äh, gebadet. Das war sicher das Tollste an deinem Urlaub!“

Der Andreas hat kurz gezögert. Dann hat er gesagt: „Äh, Paula, nun bin ich ja keine Ente. Mir machen auch andere Sachen Spaß. Und am See war so viel los. Ich habe diesmal gar nicht gebadet.“

Ich habe ihn mit meinen großen runden Entenäuglein groß angeguckt und geschnattert: „Was? Nicht gebadet? Was hast du denn dann Tolles gemacht?“

Die Augen vom Andreas haben plötzlich geleuchtet wie Sterne. Er hat gesagt: „Ich habe Sternschnuppen angeguckt!“

„Was?“, habe ich geschnattert, „Sternschuppen? In einem Schuppen sind doch normal Geräte und keine Sterne!“

„Nein, Paula“, hat der Andreas gemeint, „es geht um Sternschnuppen, nicht um Sternschuppen. Das sind Staubteile von einem Kometen. Das ist ein Brocken aus Gestein, Eis und Staub. Der rast durchs Weltall. Dabei hinterlässt er eine Staubspur. Die Spur mit den Teilen vom Kometen Swift-Tuttle kreuzt immer im August die Bahn der Erde.“

„Oh je“, habe ich ängstlich gesagt. „Dann krachen die womöglich auf mein schönes rundes Entenköpflein und ...“

Der Andreas hat mich unterbrochen und gemeint: „Keine Angst, Paula. Die Teilchen sind meistens kleiner als Staubkörnchen.“

„Hä? Wie willst du die dann sehen? Du mit deiner Brille ...“, wollte ich wissen.

„In beinahe hundert Kilometern Höhe treffen die auf die Luft der Erde. Daran reiben sie sich. Sie verglühen und bringen dabei die Luft um sich herum zum leuchten. Deshalb sieht man ganz kurz ihre Spuren. Das soll Glück bringen. Man darf sich dann was wünschen.“

„Schön“, habe ich gemeint, „aber warum fliegen die nur am Bodensee herum? Ich würde sie hier mal gerne sehen.“

„Kein Problem“, hat der Andreas lächelnd gesagt. „Die fliegen nicht nur am Bodensee herum. Man kann sie von überall sehen. Aber dort bei unseren Freunden ist es sehr dunkel. Denn dort hat es weniger Städte. Und die Städte machen viel Licht. Deshalb kann man die dort besser sehen. Ich zeige dir mal ein Bild im Internet!“

Im Computer habe ich viele Bilder gesehen. Auf einem waren viele, viele Sterne und viele, viele Sternschnuppen drauf. Aber der Andreas hat gesagt: „So sieht man das nur mit einer bestimmten Fototechnik. Da muss man ganz lange ganz ruhig den Himmel fotografieren. Normal sieht man nur immer ganz kurz rasend schnelle Leuchtspuren. Die Teilchen sind mit 200 000 Kilometern in der Stunde unterwegs. Das ist viel schneller als eine Rakete. Aber das ist wunderschön. Lass uns heute abend aus dem Fenster gucken!“

Das haben wir gemacht. Und wir hatten Glück. Obwohl es über unserer Stadt hell ist. Wir mussten halt unsere Augen erst eine Weile daran gewöhnen. Dann tauchten auch immer mehr Sterne auf. Und ich habe eine Sternschnuppe beinahe direkt hinter unserer Stadtkirche Laurentius gesehen.

„Das passt gut“, hat der Andreas gemeint. „Diese August-Sternschnuppen heißen zwar Perseiden. Sie scheinen nämlich aus der Richtung des Sternbilds Perseus zu kommen. Aber sie heißen auch Tränen des Laurentius. Nach dem Heiligen ist ja unsere Stadtkirche benannt. Er wurde an einem 10. August vor fast 2000 Jahren von einem bösen Römerkaiser ermordet. Der 10. August ist sein Gedenktag. Und diese Sternschnuppen tauchen immer um diesen Tag herum auf. Deshalb nennt man sie so nach ihm.“

Ich habe gestern auch nach den Sterntränen gesucht. Aber es war zu wolkig. Heute Abend versuche ist es nochmal. Da sollen nämlich die meisten unterwegs sein, sagt der Andreas. Eure Paula

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