Schwerpunkte

Paulas Nachrichten

Paula sucht das Ei des Kolumbus

12.10.2013 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich zum Andreas gewatschelt. Bei ihm zu Hause hat es richtig gut gerochen. Seine Frau hatte wieder einmal gebacken. Sie hat mir auch gleich ein Stück Kuchen angeboten. Das hat mich sehr gefreut. Dann hat aber der Andreas gesagt: „Du kannst auch lieber einen Salat essen. Ich habe einen ganz frischen gekauft. Willst du etwas davon?“

Tja, und in diesem Moment ist auch noch sein Sohn gekommen. Und der hat gemeint: „Ich habe mir gerade ein Stück Schokolade geholt. Willst du auch eines, liebe Paula?“

Das war zu viel für mich. Ich wusste echt nicht, was ich essen soll. Ich habe angefangen zu überlegen. Und dabei habe ich wohl nicht sehr glücklich ausgesehen. Ich habe geseufzt und geflüstert: „Hm, Kuchen, Salat, Schokolade? Was mache ich denn jetzt nur? Ich mag das ja alles! Das ist zu hart für mich!“

Der Sohn vom Andreas hat gelacht: „Ach, Paula, das ist doch nicht so schwer. Ich weiß, was ich machen würde: Ich würde mir zuerst den Salat reinziehen. Danach würde ich den Kuchen verspeisen. Und ganz zum Schluss würde ich als Nachtisch die Schokolade aufessen!“

Das war natürlich ein ganz guter Vorschlag. Aber der Andreas fand das nicht so gut. Er hat gemault: „Was? Das soll das Ei des Kolumbus sein? Einfach alles aufessen?“

Das habe ich wieder nicht verstanden. „Ein Ei? Der Kolumbus bietet mir auch noch ein Ei an? Das soll ich auch noch essen?“, habe ich gefragt.

Der Andreas musste lachen. „Nein, nein, du Vielfraß, der Kolumbus bietet dir bestimmt kein Ei an. Der lebt doch gar nicht mehr. Der hat vor über 500 Jahren Amerika entdeckt. Dabei wollte er mit dem Schiff nach Indien fahren. Er fuhr aber nicht nach Osten. Er fuhr nach Westen. Weil er damals schon daran geglaubt hat, dass die Erde eine Kugel ist. Also hat er gemeint: Bevor ich Tausende von Kilometern in Richtung Osten über Land nach Indien laufe, fahre ich lieber bequem mit dem Schiff um die Kugel herum in Richtung Westen – und komme auch nach Indien. Naja, und da ist ihm eben Amerika in den Weg geraten.“

„Das ist ja sehr interessant“, habe ich gemeint, „und was ist mit dem Ei? Hat er in Indien besonders leckere Eier holen wollen oder was?“

„Nein, nein, Paula“, hat der Andreas gesagt. „Das mit dem Ei des Kolumbus ist etwas anderes. Warte mal, ich hole eines!“

Der Andreas ist in die Küche gegangen. Ich habe ihm total verdutzt hinterhergeguckt. Wie ein Auto. Er hat dort einen Topf Wasser aufgestellt und zum Kochen gebracht. Dann hat er ein ganz normales Ei aus dem Kühlschrank geholt und hat es fünf Minuten gekocht. Dann hat er es aus dem Wasser geholt und ist wieder gekommen.

„So, Paula, hier ist das Ei des Kolumbus. Du musst es so auf die Spitze stellen, dass es nicht umfällt“, hat er gesagt und dabei ganz ernst geguckt.

„Hm, wie soll das denn gehen? Das fällt doch dauernd um! Aber warte mal . . .“, habe ich geantwortet.

Also habe ich probiert. Und probiert. Und probiert. Und probiert. Aber das blöde Ei ist immer umgefallen.

Der Andreas hat ganz frech gelächelt. Dann hat er das Ei genommen und mit der Spitze auf die Tischplatte geschlagen. Ganz leicht. Aber die Eierschale war eingedrückt und das Ei ist deshalb stehen geblieben. Er hat gesagt: „Siehst du, Paula! Das Ei des Andreas, äh, des Kolumbus natürlich.“

„Pah, so hätte ich das Ei auch hinstellen können! Das ist gar nicht so toll!“, habe ich geschnattert.

Der Andreas hat mir noch einmal in meine Entenäuglein gelächelt und gemeint: „Klar hättest du das auch können. Aber du hast es nicht gemacht. Ich habe es gemacht.“

Das musste ich zugeben. „In Ordnung, das stimmt. Aber was hat das mit Kolumbus zu tun?“, wollte ich wissen.

Und der Andreas hat es mir erklärt: „Der Kolumbus ist irgendwann wieder aus Amerika nach Spanien zurückgekommen. Da war er bei einem reichen Kirchenchef zum Essen eingeladen. Der hat dann getönt: ,Pah, Amerika hätte jeder entdecken können. Das war leicht.‘ Daraufhin hat Kolumbus das mit dem Ei gebracht. Weder der Kirchenchef noch seine anderen Gäste haben das Ei hinstellen können. Ganz wie du, meine liebe Zeitungsente. Sie haben gemeint, dass sie diese Aufgabe nicht lösen können. Wie du! Dann hat der Kolumbus das gemacht, was ich gemacht habe. Und er hat so etwas Ähnliches gesagt wie ich zu dir! Wenn etwas ganz schwer zu schaffen ist, eigentlich unmöglich, und wenn dann einer doch eine ganz einfache Lösung daherbringt, nennt man das seitdem das ,Ei des Kolumbus‘.“

Das fand ich lustig. Und ich habe gesagt: „Weißt du was? Ich werde auf jeden Fall das Kolumbus-Ei zuerst aufessen.“

Das habe ich dann auch gemacht, liebe Kinder. Und es war lecker! Eure Paula

Paulas Nachrichten

Besuch an einem grausamen Ort

Wichtige Reisen: Viele Schulklassen schauen sich ehemalige Konzentrationslager an

Lernen geht nicht nur in der Schule oder zu Hause: Immer wieder besuchen Schulklassen dafür auch andere Orte. Manche davon erinnern an schlimme Ereignisse in der…

Weiterlesen

Weitere Nachrichten von Paula Alle Nachrichten