Paulas Nachrichten

Paula startete leise ins neue Jahr

05.01.2013, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

ich wünsche euch ein gutes neues Jahr! Lasst es euch gutgehen! Seid ihr gut gestartet? Bei mir ging es ganz ruhig zu.

Am Silvestertag bin ich zum Andreas gewatschelt. Der war zu Hause. Er hat mich gleich begrüßt und gefragt: „Na, Paula, wie willst du heute Abend feiern? Willst du mit uns kommen?“

Ich habe geantwortet: „Ach so, ihr seid gar nicht zu Hause. Wo geht ihr denn hin?“

„Wir gehen zu Freunden, Paula“, hat der Andreas gesagt.

„Und was macht ihr da?“, wollte ich wissen.

„Ooch, wir essen gut. Wir trinken ein bisschen. Dann spielen wir etwas. Und dann ballern wir ein bisschen in der Gegend herum, mit Feuerwerksraketen und so“, hat mir der Andreas erklärt.

Das fand ich doof. Ich esse zwar gerne. Und ich trinke auch gerne ein leckeres Glas Wasser. Ich mag auch Spiele ganz arg. Aber das mit dem Rumballern finde ich blöd. Das laute Geknalle macht mir Angst. Und das Feuer auch. Ich möchte mir doch nicht mein schönes Zeitungsgefieder abbrennen! Früher hat der Andreas das gut verstanden. Da war sein Sohn noch kleiner. Jetzt ist das anders.

Ich habe gleich losgeschnattert: „Äh, nein, nein, dann komme ich lieber nicht mit. Das Ballern mag ich nicht. Das weißt du doch.“

Der Andreas hat ein bisschen gelacht. „In Ordnung, Paula. Ich habe mir gleich gedacht, dass du da wieder Fersengeld gibst. Dabei passen wir sehr auf. Wir machen das alles ordentlich. Ohne Hektik, ohne Risiko. Dann kann eigentlich nichts passieren. Aber du magst ja das Knallen auch an sich überhaupt nicht. Oder?“

Ich habe ihn angeguckt wie ein Auto und eine Weile überlegt. Und dann habe ich gleich wieder losgeschnattert: „Was für ein Geld? Ich soll Geld geben? Für das Geknalle? Dafür gebe ich doch nicht auch noch Geld! Dir nicht, und irgendeinem anderen Typen auch nicht!“

Jetzt musste der Andreas noch mehr lachen. Er hat gesagt: „Aber Paula! Das mit dem Fersengeld ist ein Sprichwort. ,Fersengeld geben‘ heißt, dass jemand einfach abhaut. Also, wenn du wegen dem Feuerwerk Fersengeld gibst, versteckst du dich irgendwo, wo es nicht so laut ist. Das ist eine Redewendung. Die kommt wahrscheinlich noch aus der Zeit vor den Rittern. Damals mussten die normalen Menschen auch in den Krieg ziehen. Aber natürlich waren nicht alle mutig. Manche hatten auch manchmal Angst. Das ist natürlich und normal. Die sind dann abgehauen. Und wenn jemand wegrennt, was sieht man dann von ihm, Paula?“

Ich habe nur kurz überlegen müssen. Dann ist mir die Antwort eingefallen. „Klar, wenn einer richtig schnell wegrennt, sieht man ihn von hinten. Und dann sieht man von seinen Füßen auch nur die Fersen. Die sind ja hinten und kommen beim Rennen immer richtig gut hoch. Aber was hat das mit Geld zu tun?“

Der Andreas hat mir auch das erklären können: „Ganz einfach. Wer aus dem Kampf weggerannt ist, musste eine Strafe zahlen. Er hat ja seinen Kumpels nicht geholfen. Diese Strafe war dann also das Fersengeld. So war das zumindest bei den Alemannen. Das war ein germanischer Stamm. Der hat vor langer, langer Zeit auch hier in unserer Gegend gelebt.“

„Na gut“, habe ich gemeint. „Aber ich zahle keine Strafe, nur weil ich das Geknalle nicht mag. Gezahlt hätte ich da wirklich nichts deswegen. Aber irgendwo verstecken, hm, das ist keine schlechte Idee. Aber wo?“

Ich habe bei meinen letzten Worten den Andreas ganz groß mit meinen Entenäuglein angeschaut. Er hat mich gleich verstanden und gesagt: „Kein Problem, Paula. Du kannst zu Hause bei uns bleiben. Da kannst du dich in eine ruhige Ecke zurückziehen. Ach, und du kannst dich ein bisschen um unseren Gast kümmern.“

Das fand ich wiederum komisch. Also habe ich gleich mal losgeschnattert: „Um einen Gast kümmern? Soll ich für den etwa kochen und ihn bedienen? Und dann geht der womöglich auch noch rumballern! Und überhaupt: Ihr ladet euch einen Gast ein und geht weg? Das ist ja vielleicht blöd!“

Der Andreas musste lachen: „Der geht bestimmt nicht ballern. Das ist ein kleiner Wellensittich. Ein Vogelkumpel von dir. Der gehört Freunden. Die sind gerade im Urlaub. Deshalb sitzt er bei uns im Käfig.“

Das fand ich toll. Der Vogel war auch süß. Aber er war auch komisch. Der ist noch vor dem Geballere einfach eingeschlafen. Dann bin ich eben auch ins Bett vom Sohn vom Andreas gegangen. Ich habe mir die Decke über den Kopf gezogen und mit dem Kopfhörer schöne Musik gehört. Da habe ich gar nichts vom Geballere mitgekriegt – und dann bin auch ich einfach mal eingeschlafen! Eure Paula

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