Paulas Nachrichten

Paula singt gerne Weihnachtslieder

24.12.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo liebe Kinder,

vor ein paar Tagen habe ich etwas Interessantes in der Zeitung gelesen. Da stand etwas von einer Musikerin, die Paula heißt. Die hat in Nürtingen ein Konzert gegeben. Schade, dass ich das erst nach dem Konzert gelesen habe. Sonst hätte ich mir meine Nameskollegin gerne einmal angehört. In dem Bericht über das Konzert von der Paula standen aber lauter komische Sache drin. Da stand zum Beispiel, dass das natürlich kein Konzert von mir, der Zeitungsente Paula Print, gewesen sei. Mir würde ja kein Mensch, der älter als 15 Jahre ist, zuhören.

Mensch, war ich traurig. Ich bin mit hängendem Kopf und ein paar Tränchen in meinen runden Augen zum Andreas gewatschelt.

„Oje, was ist denn mit dir los?“, hat er gleich gefragt und mich in den Arm genommen. Das macht er immer, wenn er mir zeigen will, dass er mich gernhat. Dann macht er auch gar keine blöden Witze, wenn er merkt, dass ich richtig traurig bin.

„Erzähl mal, Paula“, hat er mich aufgefordert.

Ich habe ihm von meinem Kummer berichtet: „Stell dir vor, in deiner komischen Zeitung hat ein komischer Typ geschrieben, keiner würde mir zuhören, wenn er älter als 15 ist. Ich habe immer gedacht, dass mich alle mögen.“

Jetzt hat der Andreas doch gelacht: „Aber Paula, den komischen Typ kenne ich. Er mag dich auch. Der wollte nur was Lustiges schreiben, er wollte dir damit nicht wehtun. Ganz bestimmt nicht. Du weißt doch, dass die Erwachsenen manchmal einen Spaß mit einer Geschichte machen, die sie gar nicht so meinen.“

Ich habe zwar fast aufgehört zu weinen, aber so richtig glauben konnte ich das nicht. „Du willst mich nur trösten“, habe ich geschluchzt. „Aber das macht nichts, wenn die Erwachsenen mich nicht mögen, dann mögen mich eben nur die Kinder.“

Darauf ist der Andreas etwas härter geworden: „Jetzt hör doch auf Paula. Wenn ich in der Stadt unterwegs bin, höre ich immer nur Paula, Paula, Paula. Ich habe so das Gefühl, dass viele Erwachsenen die Zeitung nur wegen deinen Abenteuern lesen. Das ist für mich auch nicht immer schön, wenn ich mal was anderes Interessantes geschrieben habe – und alle fragen nur nach der Paula.“

Das hat mich dann schon richtig getröstet. Aber der Andreas war jetzt richtig drin im Reden. Das ist oft so: wenn er einmal angefangen hat, hört er gar nicht mehr auf. Er hat gesagt: „Außerdem hat der Schreiber ja nur gemeint, dass dir ja vielleicht keiner beim Singen zuhören will. Schließlich bist du ja keine Sängerin.“

Das habe ich wiederum nicht verstanden. „Ist denn nicht jeder, der singt, ein Sänger?“, wollte ich wissen.

Und der Andreas hat geantwortet: „Eigentlich nicht. Ich finde, ein Sänger ist einer, der besonders gut singen kann. Irgendwie singen kann ja jeder. Aber richtig schön und gut singen nicht. Aber das ist auch gar nicht schlimm, Paula. Jeder kann irgendwas besonders gut. Es muss nicht jeder alles können.“

Das habe ich eingesehen. Und trotzdem habe ich mich aufgeregt: „Aber was soll ich nur machen, wenn ich doch so gerne singe?“

„Das ist kein Problem, Paula, dann musst du halt noch ein bisschen üben.“

Ich habe daran gedacht, dass sein Sohn in seinem Zimmer viele Noten von Weihnachtsliedern hat. Die Lieder mag ich. Das ist immer so schön gemütlich, wenn man die singt. Und man freut sich immer auf Weihnachten. „Stille Nacht“, das ist eines meiner Lieblingslieder. Also bin ich schnell die Treppe hochgewatschelt und habe mir seine Notenblätter geschnappt. Er leiht sie mir bestimmt aus, habe ich mir gedacht. Als mich der Andreas damit gesehen hat, hat er wieder gelacht. „Na, Paula, kannst du denn auch Noten lesen?“

„Noten? Meinst du damit die komischen Punkte und Striche auf den Linien?“, habe ich gefragt. Und er hat das bestätigt. „Genau, die meine ich. Die schreiben die Melodie vor.“ Diesmal war ich aber schlauer – und frecher: „Nein, ich kann deine Noten nicht lesen. Aber das muss ich auch nicht. Ich kenne die Melodien auch so. Ich brauche nur die Texte. Den von ,Stille Nacht‘ zum Beispiel. Das ist mein Lieblingslied.“

Jetzt war der Andreas wieder ganz friedlich. Er hat geflüstert: „Das hab’ ich auch sehr gern. Es kommt nämlich aus den Bergen, die ich so mag. Vor fast 200 Jahren ist das Lied in Österreich an einem Heiligen Abend zum ersten Mal gespielt worden. Den Bergbauern hat das Lied sehr gefallen. Mittlerweile singt man das Lied in der ganzen Welt. In über 200 Sprachen. Die Amerikaner haben sogar gedacht, dass das Lied eine amerikanische Erfindung ist. Ist es aber nicht. Es gehört in unsere Berge! Die Amerikaner haben dann die Kirche, in der das Lied zum ersten Mal gesungen wurde, sogar bei sich ganz original nachgebaut.“

Das hat mir gefallen. Ich habe mir vorgestellt, wie schön das ist, wenn heute Abend in allen möglichen Sprachen in allen möglichen Ländern „Stille Nacht“ gesungen wird. Da ist es dann wirklich so, als würden sich alle mögen und alle würden sich ganz aufrichtig und ehrlich von ganzem Herzen „Frohe Weihnachten“ wünschen! So wie ich euch! Eure Paula

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