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Paulas Nachrichten

Paula schiebt gerne mal eine Kugel

18.04.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo liebe Kinder,

vor Kurzem bin ich an meinem geliebten Neckar entlanggewatschelt. Plötzlich habe ich es ganz fürchterlich donnern gehört. Ich habe zum Himmel geschaut – aber es sah nicht nach einem Gewitter aus. Dann hat es wieder gepoltert. Und ich habe lautes Gelächter gehört. Wer lacht denn, wenn es solche Schläge tut?

Nach einer Weile habe ich ein Haus in der Nähe entdeckt, bei dem die Fenster geöffnet waren. Neugierig wie ich bin, habe ich mich angeschlichen und reingeschaut. Da waren ein paar Jungs. Die haben große und schwere Kugeln gehabt. Mit denen haben sie auf längliche, weiße Teile geworfen. Immer, wenn die Kugeln vor ihnen runterfielen, hat es gekracht. Die Jungs haben einen Riesenspaß gehabt.

Der Sohn vom Andreas war auch dabei. Ich habe ihn gerufen. „He, was macht ihr denn da?“ – „Wir kegeln, Paula“, hat er mir erklärt. Und er hat mir gesagt, dass sie mit dem Kegeln den Geburtstag von einem Freund feiern.

Eine komische Party, habe ich mir gedacht. Aber die Jungs haben mich gefragt. ob ich auch mal das Kegeln ausprobieren will. Das habe ich natürlich gleich gemacht. „Pass auf, dass du dir die Kugeln nicht auf deine Füße wirfst“, haben sie gesagt.

Ich musste echt aufpassen, denn die Kugeln waren sehr schwer. Und am Anfang habe ich auch keinen einzigen Kegel getroffen. Aber mit der Zeit wurde es besser. Ich habe mir gedacht: Der Andreas würde sagen, Übung macht den Meister. Deshalb habe ich geschaut, wie es die anderen machen, und mich immer angestrengt.

Wie ich an den Andreas gedacht habe, ging schon die Tür auf und er kam rein. Er wollte seinen Sohn abholen. Als er aber die Kegelbahn gesehen hat, sind seine Augen ganz groß geworden. „He, Jungs, lasst mich auch mal!“, hat er ganz laut gerufen.

Ich habe mir gedacht, dass der Andreas am Anfang bestimmt auch nichts trifft. Aber das war falsch. Der konnte das richtig gut. So ein Ärger, habe ich mir gedacht, jetzt kann der schon wieder was besser als ich!

Er hat mir angesehen, dass mir das nicht so ganz gepasst hat. „Ärgere dich nicht, Paula! Ich kegle schon sehr lange. Und ich mache das sogar in einer richtigen Mannschaft. Wir sind Sportkegler!“

Sportkegler? Das konnte ich mir nicht vorstellen. „Soll das ein Sport sein, einfach solche Kugeln nehmen und auf solche Kegel werfen?“, habe ich gefragt. „Das ist doch eher ein Spiel!“

Der Andreas hat gelacht: „Klar kann man das Kegeln auch wie ein lustiges Spiel verstehen. Aber man kann es auch als richtigen Sport betreiben. Wir müssen bei einem Wettkampf 100- oder 200-mal eine Kugel schieben. Man sagt schieben, weil man die Kugel ja eigentlich nicht so krachend werfen soll. Da kann man viel besser zielen und die Kugel rollt gerade dorthin, wohin man sie haben will. Manchmal mindestens.“

„100- oder 200-mal? Das probiere ich gleich mal aus“, habe ich geschnattert, „Nur zu“, hat der Andreas geschmunzelt. Was soll ich euch sagen, liebe Kinder: Nach 15 oder 20 Schüben hat mir schon richtig mein Entenpopo wehgetan und ich habe beinahe keinen Kegel mehr getroffen, so angestrengt war ich. Ich sagte: „Ich stelle gleich noch ein paar Kegel dazu, damit ich wieder treffe.“

Der Andreas hat gemeint: „Ruh’ dich nur ein bisschen aus, Paula. Man muss alles erst einmal üben.“ Und dann hat er erzählt: „Auf die Idee mit dem zusätzlichen Kegel sind ein paar Menschen schon vor langer Zeit gekommen. Das waren die Amerikaner. Vor beinahe 200 Jahren wurde nämlich das Spiel mit den neun Kegeln, das Kegeln also, dort verboten. Die Menschen haben nämlich oft dabei gewettet und betrogen – und getrunken. Da haben sie einfach einen Kegel dazugestellt. Sie spielten dann ja nicht mehr das verbotene Spiel mit den neun Kegeln, sondern ein anderes Spiel mit zehn Kegeln. Das nannten sie Bowling. Das spricht man so aus: ,Bouhling‘.“

„Ganz schön schlau“, habe ich gesagt. Und aus Spaß habe ich gemeint: „Ich habe gedacht, so schlau wären nur deine alten Griechen oder deine alten Römer!“

Der Andreas hat geantwortet: „Ob die gekegelt haben, weiß ich nicht. Aber die alten Ägypter haben schon gekegelt. Die haben also nicht nur die tollen Pyramiden gebaut, sondern auch tolle Spiele erfunden. Und auch von den alten Germanen, unseren Vorfahren, weiß man, dass sie so etwas Ähnliches wie Kegeln gespielt haben. Die haben mit Steinen auf Knochenkegel geworfen.“

Zum Glück leben wir heute, habe ich mir gedacht. Mit der Kugel macht das viel mehr Spaß als mit Steinen. Eure Paula

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