Paulas Nachrichten

Paula schaut sich auch die Bilder von Dalí an

13.12.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo liebe Kinder,

so kurz vor Weihnachten bin ich so richtig gerne in der Stadt. Auch wenn es bitter kalt ist. Da ist immer was los. Klar, wenn Weihnachtsmarkt ist! Ich habe mir angeschaut, wie ein Mann tolle Figuren aus eis geformt hat. Einen Elch hat der gemacht. Und einen Engel. Der Andreas hat gemeint, ich könnte ihm ja auch Modell stehen. Dann hätte es auf dem Weihnachtsmarkt auch eine Eis-Paula gegeben. Das war mir aber zu kalt.

Und an einem anderen Tag war ich am Schillerplatz. Da gibt es gerade süße Ponys, auf denen kann man reiten. Ich habe mich aber nicht so richtig getraut. Obwohl die ganz lieb aussahen. Der Andreas hat abends natürlich gelacht, als ich ihm das erzählt habe. „So wird aus dir nie ein richtiger Cowboy, Paula!“ Das war natürlich Quatsch, denn ich will ja gar nicht Cowboy werden. Ihr wisst doch: Eine kleine neugierige Zeitungsente wie ich würde am liebsten mal ein großer Reporter werden.

Deshalb habe ich am nächsten Tag am Schillerplatz auch ganz neugierig meine Ohren aufgesperrt, als eine Gruppe von Schülern ganz aufgeregt aus der Kreuzkirche rauskam. Die haben sich nämlich über lauter komische Sachen unterhalten.

Der eine hat zu seinem Kumpel gesagt: „So ein Telefon mit einem Hummer als Hörer ist voll cool. Das hätte ich gerne.“

Und ein anderer hat gesagt: „Nee, ich hätte lieber so eine geschmolzene Uhr.“

Ich habe die Welt nicht mehr verstanden. Ein Hummer ist so ein Meerestier mit Scheren, das weiß ich. Ich habe mir vorgestellt, wie der Telefonhummer mir dann beim Telefonieren in die Ohren kneift. Da würde ich lieber aufs Telefonieren verzichten. Und eine geschmolzene Uhr? Wie soll das denn gehen? Außerdem geht die doch dann bestimmt nicht mehr richtig.

Ich bin gleich mal zum Andreas gewatschelt und habe ihm von den Kindern erzählt. „Gell, so was gibt’s doch gar nicht: Telefon mit Hummerhörer und geschmolzene Uhren.“

Aber der Andreas hat ganz ernst geguckt und gesagt: „Doch, doch Paula. So was gibt es. In der Gedankenwelt von Salvador Dalí. Das ist ein Maler. Seine Bilder werden gerade in der Kreuzkirche ausgestellt. Der hat auch Telefone gemacht mit einem Hummer als Hörer. Aber natürlich ist das kein richtiges Tier. Der Dalí hat gerne Kunstwerke geschaffen, die so aussehen, als gebe es eine ganz andere Wirklichkeit, die mit unserer gar nichts zu tun hat. Ich finde, das ist lustig. Wenn er noch leben würde, hätte er vielleicht ein Telefon mit einem Paula-Hörer gemacht!“ Der Andreas hat natürlich über seinen eigenen Witz gelacht. Ich nicht. Ich wollte wissen, was mit den komischen Uhren los ist.

„Na gut, Paula“, hat der Andreas gemeint, „ich kann dir das erklären. Der Dalí kommt aus Spanien. Da ist es meistens wärmer als hier. Einmal saß er mit seiner geliebten Frau Gala auf dem Balkon und hat plötzlich gesehen, wie ein Camembert, das ist so ein weicher Käse, in der Sonne zerlaufen ist. Da kam ihm die Idee mit den schmelzenden Uhren. Er hat sie ,weiche Uhren‘ genannt.“ „Das ist ja lustig“, habe ich gesagt, „aber was soll denn das bedeuten?“

„Na ja“, hat der Andreas geantwortet, „das bedeutet, dass alles vergänglich ist. Das heißt, das es nichts gibt, was ewig so bleibt, wie es gerade ist. Vor allem nichts, was Menschen gemacht haben. Mit den ,weichen Uhren‘ ist er auch in Amerika sehr berühmt geworden. Und wenn ihn doch einmal auf dem Times Square in New York, der berühmtesten Straße in der tollsten Stadt in Amerika, einer nicht erkannt hat, dann hat er eine Glocke rausgeholt und hat damit geläutet, damit alle auf ihn gucken.“

Ich habe überlegt, ob ich das mit der Glocke einmal in der Fußgängerzone in Nürtingen ausprobieren soll. Aber eigentlich kennt mich ja jeder. Oder? Die Bilder von Dalí habe ich mir aber auf jeden Fall angeschaut. Eure Paula

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