Paulas Nachrichten

Paula öffnet doch ihre kleine, feine Tasche

01.12.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

gestern war ich in der Stadt. Ich musste ein bisschen einkaufen. Für das Wochenende. Also habe ich meine kleine, feine grüne Tasche gepackt und bin losgewatschelt. Mit dem Einkaufen war ich bald fertig. Also habe ich mir gedacht: „Watschele doch einfach noch beim Andreas in der Redaktion vorbei!“

Gesagt, äh, geschnattert, getan. Der Andreas hat mich gleich begrüßt wie immer. Dann hat er mir aber gar nicht mehr in meine runden Entenäuglein geguckt. Er hat immer so ganz knapp an mir vorbei geguckt. Ich habe mich ein bisschen gedreht. Ich wollte wissen, auf was er guckt. Aber er hat sich mit mir mitgedreht und immer noch ganz knapp an mir vorbei geguckt.

Dann habe ich es verstanden: Er hat auf meine kleine, feine grüne Tasche geguckt. Also habe ich geschnattert: „He, hast du noch nie so eine kleine, feine grüne Tasche gesehen?“

Der Andreas hat geantwortet: „Doch, doch. Äh, aber . . .“

Dann hat er zu lächeln angefangen und kam mir immer näher. Also besser gesagt, er kam meiner kleinen, feinen grünen Tasche immer näher.

„Na, also hör’ mal“, habe ich geschnattert, „was soll denn das? Was willst du denn mit meiner kleinen, feinen, grünen Tasche?“

Der Andreas hat gelacht und gemeint: „Aber das ist doch klar, Paula! Da ist doch dein Geschenk für mich drin!“

Ich habe ihn angeschaut wie das berühmte, große Auto. Wie der Lastwagen. Denn ich habe ihn nicht verstanden. Ich habe geschnattert: „Hä? Geschenk? Was für ein Geschenk? Und warum ein Geschenk? Es ist ja noch gar nicht Weihnachten! Nein, es ist kein Geschenk für dich drin. Da ist wirklich, äh, wirklich nur mein Einkauf drin.“

Der Andreas hat erst einmal ein bisschen traurig und enttäuscht geguckt. Dann hat er gesagt: „Oh! Das ist aber hart! Na ja, du kannst es dir ja noch anders überlegen. Was hast du denn in deiner kleinen, feinen Dingsbumstasche?“

„Äh“, habe ich gemeint, „da habe ich, na ja, ganz einfach, da habe ich meinen Einkauf drin. Alles, was ich so fürs Wochenende brauche. Äh, also beinahe alles. Na ja, also . . . Und warum sollte ich mir das anders überlegen mit dem schenken? Nee, ich brauche die Sachen!“

Der Andreas hat mich ganz groß angeguckt und gemeint: „Warum du dir das anders überlegen sollst? Das ist doch ganz einfach. Heute ist mein Namenstag. Da musst du mir doch etwas schenken!“

„Was?“, habe ich wieder losgeschnattert, „ein Geschenk zum Namenstag? Das habe ich ja noch nie gehört!“

„Echt?“, hat der Andreas geantwortet, „da hast du aber was versäumt! Also, das ist doch komisch. Hm, denn mein Papa hat mir immer was zum Namenstag geschenkt! Wirklich!“

Da musste ich kurz überlegen. Dann habe ich gemeint: „Dein Papa? Ach so. Ja. Das ist lieb. Und die anderen Menschen? Haben die dir auch immer was zum Namenstag geschenkt?“

Jetzt hat der Andreas nicht gleich geantwortet. Er hat ein bisschen rumgestottert. Er sagte: „Na ja, also, äh, gut, äh, also . . . nein, eigentlich nicht, Paula.“

„Und warum hat er dir dann etwas geschenkt, dein Papa? Also, so als Einziger?“, wollte ich wissen.

Der Andreas hat gemeint: „Also gut! Du hast ja recht: Hier bei uns schenkt man eigentlich nichts zum Namenstag. Aber woanders schon. Mein Vater hat als Kind in Bayern gelebt. Da leben sehr viele katholische Christen. Und in solchen Gegenden schenkt man eher was zum Namenstag!“

„Stimmt“, hat der Kollege vom Andreas reingerufen. „Meine Eltern sind aus Polen. Die schenken mir auch immer was zum Namenstag. Denn in Polen ist auch fast jeder katholisch.“

„Ah ja“, habe ich gemeint, „und warum schenken die Katholischen etwas? Damit sie selber was bekommen?“

Der Andreas musste lachen. Er hat gesagt: „Nein, so ist das nicht. Der Namen von einem Heiligen hat früher, noch lange vor der Ritterzeit, gezeigt: ,Guck her, ich bin Christ. Ich glaube nicht an so komische Heidengötter.‘ Später dann hat sich die Kirche getrennt. Seitdem gibt es Katholische und Evangelische. Und die Katholischen haben dann nach der Trennung noch mehr die Namenstage gefeiert. Sie wollten sich von den Evangelischen unterscheiden. Man sollte noch mehr an die heiligen Namensgeber denken. Aber das mit dem Schenken, damit man auch was geschenkt bekommt, können wir auch machen, schlaue Zeitungsente. Den Namenstag Paula gibt es ja auch.“

Ich musste kurz überlegen. Dann habe ich gemeint: „Ich habe eine bessere Idee: Ich teile doch meinen Einkauf mit dir. Dann haben wir beide so etwas wie ein Geschenk.“

Dann habe ich die Tasche aufgemacht – und meine leckeren Lebkuchen doch mit dem Andreas geteilt. Eure Paula

Paulas Nachrichten