Paulas Nachrichten

Paula nervt der, die, das Echo

21.04.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich wieder einmal zum Andreas in die Redaktion gewatschelt. Der hat gerade mit Kollegen gesprochen. Die haben richtig geschnattert. Naja, wenn sie Enten wären, hätten sie geschnattert. Aber es hat sich so ähnlich angehört. Sie haben diskutiert. Die sprechen dann ganz schnell und aufgeregt miteinander. Sie waren dann aber fertig und der Andreas hat gesagt: „Na, Paula, und was würdest du machen? Würdest du auch deinen Echo zurückgeben?“

„Meinen Echo?“, habe ich zurückgeschnattert. „Das ist aber ein komisches Deutsch. Das ist doch nicht der Echo. Das ist doch das Echo.“ Ich habe dabei die Wörter ,der‘ und ,das‘ ganz deutlich ausgesprochen. Denn um die ging es mir ja. Dann habe ich weiter geschnattert „Und überhaupt: Wie soll ich das Echo zurückgeben? Das muss ich doch gar nicht zurückgeben. Das kommt doch immer von ganz alleine zurück!“

Zuerst hat mich der Andreas ganz komisch angeguckt. Seine Augen sahen größer aus als sonst. Natürlich waren sie nicht so groß wie meine Entenäuglein. Denn ich habe ja ganz besonders große und schöne Augen. Dann hat er aber lachen müssen.

Und er hat mich in den Arm genommen und gesagt: „Du bist echt lustig, meine liebe Paula! Und recht hast du natürlich auch. Natürlich heißt es ,das Echo‘. Zumindest wenn man den Widerhall meint.“

„Widerhall?“, habe ich gefragt. „Wenn du das mit ,Haaaallo‘ und ,Aaaallo‘ meinst ... dann ja!“

„Ja“, hat der Andreas gemeint, „das meine ich! Das ist der Widerhall. Den Schall von den Tönen und Geräuschen kann man sich als Wellen vorstellen. Die treffen manchmal zum Beispiel auf eine Wand. Und dann werden von dieser Wand die Schallwellen wieder zurückgeschickt. Nicht ganz allerdings. Man hört dann nicht mehr alles. Meistens hört man nur einen Teil von dem ersten Wort oder Satz zum Beispiel. Und das nennt man dann das Echo. Das Wort kommt von den alten Griechen. Echo heißt da einfach ,Schall‘ oder ,Widerhall‘. Das haben sie wegen einem alten griechischen Märchen, einer Sage, so genannt. Darin spielt die Echo die Hauptrolle.“

Ich habe natürlich sofort losgeschnattert: „Die Echo? Ich habe gedacht ,das Echo‘. Und vorher hast du gesagt ,der Echo‘!“

„Ja, ja“, hat der Andreas gemeint, „ich erkläre dir das. Die Echo war eine Nymphe. Das ist ein Mädchen. Aber eigentlich ist das ein Naturgeist oder eine kleine Göttin in diesen alten Märchen. Für den griechischen Obergott Zeus musste die Echo seiner Frau immer Geschichten erzählen. Dann konnte er sich heimlich mit anderen Frauen treffen. Seine Ehefrau hat das natürlich gemerkt. Und das hat sie genervt. Sie war auch eine starke Göttin. Deshalb hat sie die Echo bestraft. Die konnte dann nicht mehr sprechen. Sie konnte nur die letzten Worte wiederholen, die sie gehört hat. Deshalb hat man das Echo nach ihr benannt.“

„Schön“, habe ich gemeint, „die Echo, das Echo. Alles gut. Und was ist jetzt mit ,der Echo‘?“

„Also, pass’ auf, Paula“, hat der Andreas mir erklärt. „Das ist ein Preis für Musiker in Deutschland. Der Echo-Preis ist also so etwas wie das Echo auf ihre gute Musik. Sie schicken ihre Musik und bekommen den Echo-Preis zurück. Den bekommen jedes Jahr sehr erfolgreiche Musiker. Sie müssen dafür viel von ihrer Musik verkaufen. Guck’ mal, so sieht der aus.“

Er hat mir ein Bild von dem Preis gezeigt. Ich habe gesagt: „Dann ist das ja aber eine tolle Belohnung! Warum geben die den dann zurück? Haben die das mit der, die, das Echo auch nicht gleich verstanden? Hat die das auch genervt?“

Der Andreas musste lachen: „Das ist eine interessante Geschichte. Also: In diesem Jahr haben die zwei Musiker Farid Bang und Kollegah den Echo-Preis bekommen. Aber ihre Lieder haben manchmal ganz blöde und gemeine Texte. Da geht es um das: Von den deutschen Nazis wurden ja vor und während des Zweiten Weltkriegs viele, viele jüdische Menschen ermordet. Und in ihren Liedern benützen sie Wörter zu diesen schrecklichen Verbrechen ohne Respekt vor den jüdischen Toten und Überlebenden. Deshalb geben jetzt viele andere Musiker ihren Echo-Preis zurück. Die sagen nämlich: ,Wenn die diesen Preis kriegen, will ich meinen nicht.“

„Das finde ich gut“, habe ich darauf geantwortet. „Dann würde ich natürlich auch meinen Echo zurückgeben.“

„Naja“, hat der Andreas gemeint, „du hast ja zum Glück gar keinen! Du bist ja auch keine Musikerin!“

„Klar“, habe ich geantwortet, „aber ich kann auch singen! Wart’ mal, ich lass’ mir mal ein Lied einfallen, also . . .“

Der Andreas hat dann plötzlich gesagt: „Oh, verzeih’, Paula, aber ich muss jetzt ganz dringend weg.“

Könnt ihr das verstehen, liebe Kinder? Ich nicht. Eure Paula

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