Paulas Nachrichten

Paula muss sich nicht in Schale werfen

18.05.2019, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

letzte Woche bin ich wieder einmal zum Andreas in die Redaktion gewatschelt. Er hat mich begrüßt und gesagt: „Ah, da ist er ja wieder! Ab nächster Woche wieder unser großer Star!“

Das habe ich nicht so ganz verstanden. Ich habe den Andreas ganz groß angeguckt. Er hat gemeint: „Na, jetzt guck’ nicht so groß wie ein Auto. Sonst bleibst du noch im Stau stecken. Du weißt doch: In Nürtingen gibt es gerade nur Baustellen. Da kommst du als Auto gar nicht gut voran.Watscheln ist viel besser.“

Das sollte natürlich wieder einmal ein komischer Witz sein. Das habe ich gleich verstanden. Man kann ja groß gucken wie ein Auto, wenn man etwas nicht versteht. Das kommt, glaube ich, von den großen Autoscheinwerfern. Die sehen aus wie meine große Augen, wenn ich etwas nicht verstehe.

Das mit dem Star hatte ich aber nicht so ganz verstanden. Denn mich kennt in der Stadt eigentlich jeder. Und viele Menschen sprechen mich immer an. So ist das doch mit den Stars. Das sind berühmte Personen. Das Wort „Star“ heißt doch auf Deutsch „Stern“. Sterne kann ja jeder sehen.

Also habe ich geschnattert: „Nächste Woche wieder unser großer Star? Aber eigentlich kennen mich doch immer alle! Dann bin ich doch immer der Star! Und nicht erst nächste Woche!“

Der Andreas musste lachen. Dann hat er mir auf die Schulter geklopft: „Aber sicher doch, Paula. Man sollte nicht zu bescheiden sein. Du bist natürlich immer ein Star. Aber nächste Woche eben ganz besonders. Da fängt wieder unser Projekt ,Zeitungstreff im Kindergarten‘ an. Und da bist du dann bei den ganzen Vorschülern wieder der große Star!“

Da musste ich aber strahlen. Echt wie ein großer Stern habe ich gestrahlt! „Das ist ja toll“, habe ich gesagt, „da freue ich mich auf all die Kinder!“

„Na, siehst du, Paula“, hat der Andreas gemeint, „eigentlich könnten wir den Kindern mal eine Überraschung schenken zum Projekt. Wie wäre es denn mit einem Starschnitt von dir?“

Jetzt habe ich den Andreas noch viel größer angeschaut als vorher. Ich habe geschaut wie ein Lastwagen. „Ein was? Ein Starschnitt? Das ist ja brutal. Wenn ich der Star bin . . . und dann wird der Star zerschnitten . . . Wie eine Weihnachtsgans . . . Oh je . . .“

Der Andreas musste lachen. Dann hat er gemeint: „He, beruhige dich erst einmal. Keiner will dich zerschneiden. Wir könnten ein großes Bild von dir machen. Und dann zerschneiden wir es in ein paar Teile. Ein Teil nach dem anderen drucken wir in der Zeitung ab. Und die Kinder können die Teile dann ausschneiden und dich wieder zusammenkleben!“

„Ach, das ist ja eine tolle Idee! Aber Starschnitt ist trotzdem ein komisches Wort“, habe ich gemeint.

Der Andreas hat geantwortet: „Vor langer Zeit, als ich noch ein Jugendlicher war, da gab es in der Jugendzeitschrift ,Bravo‘ immer Starschnitte. Da wurden berühmte Musiker, Schauspieler oder auch mal Sportler zerschnipselt und wieder zusammengeklebt. Also, äh, nicht die Typen selbst, wie gesagt, nur die Bilder von ihnen. Nicht dass du dann gleich wieder losschnatterst!“

„Ja, ist ja schon gut“, habe ich gemeint, „jetzt habe ich es verstanden. Also, das ist wirklich eine gute Idee. Das machen wir!“

„Habe ich mir gedacht, dass dir das gefällt!“, hat der Andreas gesagt. „Also, ich sage unserem Fotografen Jürgen Bescheid und du wirfst dich schon einmal in Schale, Paula!“

Hm, jetzt habe ich ihn schon wieder angeguckt wie ein Auto. Dann habe ich losgeschnattert: „Hä? In eine Schale soll ich mich werfen? Aber wir Enten werfen uns doch eher aus einer Schale raus. Aus einer Eierschale! Das weißt du doch! Wir sind als Babys in einem Ei. Also als Küken. Und dann pieken wir die Schale auf und kommen raus. Wieso soll ich dann jetzt wieder in eine Schale rein für das Bild? So kennt mich doch keiner!“

Der Andreas musste richtig lachen. Irgendwann konnte er wieder aufhören. Und dann hat er gesagt: „Du bist echt lustig, Paula! Das mit der Schale ist doch nur so eine Redewendung. Das sagt man so. Gemeint ist damit aber: Man zieht sich etwas schönes an. Oder: Man macht sich richtig schön. Für ein Bild zum Beispiel. Das kommt aus einer alten Extra-Sprache. Früher, kurz nach der Zeit der Ritter, gab es viele Bettler und Menschen, die immer unterwegs waren. Manchmal waren da auch Gauner dabei. Und die hatten eine eigene Sprache. So konnte sie nicht jeder verstehen. Da gab es das Wort ,klipha‘. Das hieß so viel wie ,Schale‘. Sie haben aber zu Kleidern so gesagt. Denn Kleider sind ja eine Schale für den Körper. Daher kommt das!“

„Ach so“, habe ich gemeint, „na ja, ich habe ja meine schöne Schale immer an. Das ist ja mein Zeitungsgefieder. Das lasse ich auch an für das Bild!“

Das habe ich dann auch gemacht. Aber meine schöne, blaue Schleife habe ich schon zurechtgerückt! Eure Paula

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