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Paulas Nachrichten

Paula mag Pantoffelhelden

03.12.2016 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

am Mittwoch bin ich zum Andreas nach Hause gekommen. Er hat mir gleich aufgemacht und gerufen: „He, Paula, das ist ja schön, dass du kommst! Bestimmt bringst du mir ein Geschenk! Da freue ich mich aber riesig!“

Ich habe geguckt wie ein Auto. Denn das habe ich natürlich gar nicht verstanden. Ich habe geschnattert: „Was? Geschenk? Du hast doch schon Geburtstag gehabt dieses Jahr! Also warum soll ich dir dann ausgerechnet heute ein Geschenk machen?“

„Na, Paula, das ist doch klar! Schau’ doch mal auf den Kalender!“, hat der Andreas ganz lässig geantwortet.

Ich habe das immer noch nicht verstanden: „Kalender? Wieso das denn? Ist denn heute schon Weihnachten? Nee! Und Nikolaustag ist auch nicht.“

Jetzt hat der Andreas ein bisschen gelächelt und gemeint: „Na, guck’ doch mal! Heute ist der 30. November!“

Ich habe immer noch ausgesehen wie ein Auto. Mit ganz großen runden Entenäuglein. „Ach“, habe ich gemeint, „heute ist der 30. November. Und nachts mit Beleuchtung!“

Das sagt der Andreas immer. Damit will er mich ärgern. Er will mit dem Spruch mit der Beleuchtung zeigen, dass etwas ganz klar ist. Deshalb musste er auch lachen. Er hat gesagt: „Ah, du bist ganz schön frech! Naja, ich verzeihe dir. Und ich sage dir, was heute ist: Am 30. November ist mein Namenstag! Weil der 30. November der Todestag vom Apostel Andreas sein soll.“

„Apo-was?“, habe ich gefragt. „Hat der in einer Apotheke gearbeitet?“

Der Andreas musste noch mehr lachen. Er hat aus Spaß geschimpft: „Apotheke? So ein Quatsch! Nein, er war Apostel. Das ist ein altes griechisches Wort und bedeutet soviel wie ,Gesandter‘. Also der Andreas war einer von Jesus Freunden und Schülern. Die soll er in die Welt gesandt haben. Sie sollten seine Lehre verbreiten. Der Andreas soll einer von ihnen gewesen sein. An den denkt man heute.“

„Schön“, habe ich gemeint, „der ist ja sicher schon lange tot. Warum sollte ich dann dir etwas schenken? Nur weil du so heißt wie er.“

„Naja“, hat der Andreas gemeint, „in manchen Gegenden ist das so ein Brauch wie der Geburtstag. Da bekommt man am Namenstag etwas geschenkt. Das war auch früher immer so in Bayern. Da wohnen nämlich sehr viele katholische Menschen. Da ist das noch eher ein Brauch. Und mein Papa ist in Bayern aufgewachsen. Aber ich bin nicht sauer mit dir, Paula. Mein Papa war wirklich der einzige, der da immer dran gedacht hat. Bei uns ist das eher nicht so. Die Schwaben sind ja auch mehr evangelisch. Ich wollte dich halt auch ein bisschen ärgern!“

„Na, dann ist das ja in Ordnung“, habe ich gemeint. „Vielleicht kann man deinen Namenstag ja auch etwas anders feiern.“

Der Andreas hat gleich mit dem Kopf genickt und gesagt: „Ja, ja, zum Beispiel wie in Polen. Da wird die Andreasnacht auch gefeiert. Und da kommt meine Mama her. Ja, äh, da kann man zum Beispiel seinen linken Pantoffel über seine Schulter in Richtung Türe werfen und . . .“

„Ha“, musste ich lachen und deshalb habe ich den Andreas unterbrochen. „Und dann kommt einer rein und kriegt den auf den Kopf!“

„Nee“, hat der Andreas gesagt, „man wirft ihn – und dann passiert etwas schönes. Aber nur, wenn er mit der Spitze zur Tür liegen bleibt. Mach’ mal!“

„Na gut“, habe ich gemeint. Denn jetzt war ich schon interessiert. Also habe ich mir einen Hausschuh vom Andreas ausgeliehen und den geworfen. Er blieb aber andersrum liegen.

Der Andreas hat sich das angeschaut und gesagt: „Also gut, dann heiratest du halt dieses Jahr doch nicht mehr!“

„Wie? Heiraten? Ich bin doch eine kleine Zeitungsente! Ich muss doch noch nicht heiraten!“

„Ja, klar“, hat der Andreas gesagt. „Ich wollte dich wieder nur ein bisschen ärgern. Das ist halt in Polen so ein Brauch. Die Mädels werfen den Pantoffel in der Andreasnacht. Und wenn die Spitze zur Tür zeigt, heißt das: Die heiraten noch dieses Jahr!“

„Dann bin ich aber froh, dass ich keine polnische Zeitungsente bin“, habe ich gesagt.

Der Andreas hat geantwortet: „Genau! Dann bleibe ich noch eine Weile dein einziger Pantoffelheld!“

Das habe ich wieder nicht verstanden. Also habe ich geschnattert: „Das ist ja wieder komisch. Pantoffelheld! Nennt man so den Bräutigam von den polnischen Mädels?“

„Nein“, hat der Andreas gemeint. „Ein Pantoffelheld ist eigentlich auch gar kein Held. Er ist eigentlich das Gegenteil. Also früher, in der Ritterzeit und davor, stellten die Krieger ihren Fuß auf besiegte Gegner oder auf deren Waffen. Das war ein Zeichen von Stärke. Ja, und später dann waren die Frauen meistens zu Hause und hatten Pantoffeln an. Pantoffelheld soll dann also heißen: Der Mann ist unter dem Pantoffel seiner Frau. Sie ist die Chefin! Er hat nichts zu sagen.“

„Das find ich gut! Dann bist du am besten mein Pantoffelheld!“, habe ich gemeint und gelacht. Eure Paula

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