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Paula mag den Ritterdichter

22.08.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Paulas Thema heute: Auf der Burg Hohenneuffen wurde nicht dauernd nur gekämpft und gestritten

Hallo, liebe Kinder,

oft überlege ich mir mit dem Andreas ein Thema für meine Nachrichten-Seite für euch. Manchmal haben wir sogar mehrere Ideen. Vor Kurzem war das so. Ich habe geschnattert: „Oh, was nehmen wir denn dann? Das ist ja voll blöd.“

Der Andreas lächelnd gemeint: „Aber, Paula, das ist doch gut. Lieber haben wir viele Ideen als zu wenig. Da haben wir das Heft fest in der Hand.“

Ich habe ihn angeguckt wie ein Auto. Dann habe ich ihn noch genauer angeschaut. Aber ich habe kein Heft entdeckt. Ich habe gemeint: „Äh, ein Heft? In der Hand? Echt? Wo denn? Ich sehe keines. Und was für ein Heft soll das sein? Stehen da unsere Ideen drin?“

Der Andreas hat geantwortet: „Das ist gar nicht so schlecht überlegt. Aber es geht nicht um ein Heft zum Reinschreiben. Es geht um das Heft des Handelns! Das sagt man so. Das heißt: Man ist der Chef und kann machen was man will. Das mit dem Heft ist eine Redensart. Gemeint ist aber nicht das Papierheft. Gemeint ist der Griff von einem Schwert. Der heißt auch so. Wer ein Schwer hatte, war halt früher mächtiger als einer ohne Schwert. So entstand die Redensart.“

„Ach so“, habe ich gemeint, „dann ist die Redensart bestimmt wieder von deinen ollen Römern. Die hatten ja viele Soldaten mit Schwertern.“

„Stimmt und stimmt nicht“, hat der Andreas geantwortet. „Die Römer hatten viele Soldaten. Richtig. Deshalb waren sie sehr mächtig. Die Redensart stammt aber eher aus der Zeit der Ritter in Deutschland.“

„Ach ja“, habe ich gesagt, „die Ritter hier waren ja auch immer sehr grob mit ihren Schwertern. Stimmt.“

„Na ja“, hat der Andreas gesagt, „die Ritter waren ja nicht nur grob. Du musst da nur auf die Geschichte von der Burg Hohenneuffen gucken.“

„Wie?“, habe ich dazwischengeschnattert, „aber das ist doch voll die große Burg. Da haben sich doch die Ritter drin versteckt. Wenn andere Ritter auf sie losgehen wollten. Und die haben ja da richtig hohe Mauern. Damit ja keiner mit seinem Schwer reinkam.“

„Ja, na gut“, hat der Andreas wieder gemeint. „Das ist jetzt auch nicht falsch. Aber da gab es auch einen ganz besonderen Ritter. Der hätte mit deinem Papierheft richtig viel anfangen können.“

„Echt?“, habe ich geschnattert, „hätte der in das Heft seine ganzen Tricks für seine Schwertkämpfe reingeschrieben?“

„Oh, nee, Paula“, hat der Andreas gesagt und ein bisschen genervt die Augenbraue nach oben gezogen. Aber dann hat er ganz lieb gemeint: „Komm mal, ich zeige dir was!“

Wir sind dann von unserem Heimbüro runter ins Wohnzimmer gegangen. Dort hat der Andreas ein riesiges, schweres Buch aus dem Regal geholt. Da waren lauter bunt gemalte Bilder drin. Manche Typen da sahen schon wie Ritter oder Könige aus. Er hat eine Weile im Buch geblättert und etwas gesucht. Dann hat er gelächelt und gemeint: „Ah, da ist er ja! Das ist der Gottfried von Neuffen!“

Ich habe mir die Figur ziemlich genau angeschaut. „Hm“, habe ich gesagt, „der sieht aber seltsam aus für einen Ritter. Der hat ja gar kein Schwert dabei. Und eine Rüstung hat er auch nicht an. Er hat auch keinen Bart. Hm, und die Haare sehen lang aus. Eher wie von einer Frau. Bist du sicher, dass der das ist?“

„Ja, klar, Paula, das ist der Ritter Gottfried. Der war sogar ein Freund des Königs vor fast 800 Jahren. Berühmt geworden ist aber nicht für seine Kampfkunst. Berühmt geworden ist er für seine Dichtkunst. Der hat Gedichte geschrieben. Gedichte über die Natur. Und natürlich über die Liebe. Deshalb sieht der auch sehr lieb aus auf dem Bild. Das Bild ist der Nachdruck aus einem berühmten Buch aus Heidelberg. Darin wurden Gedichte der besten Minnesänger von damals gesammelt. Und man hat immer ein schönes Bild von jedem gemacht.“

„Wie? Sänger? Hat der nicht nur gedichtet? Hat der auch noch gesungen? Äh, und was ist jetzt wieder Minne? Hat der doch nicht über die Natur und die Liebe gedichtet?“, habe ich geschnattert.

„Doch, doch, Paula“, hat der Andreas gemeint. „Minne ist das alte Ritterwort für Liebe. Und Sänger nennt man die, weil die wahrscheinlich ihre Gedichte damals vorgesungen haben.“

„Oh“, habe ich gemeint, „das hört sich ja spannend an. Dann hat der Gottfried von der schönen Burg Hohenneuffen auf die Landschaft geschaut und dann gedichtet? Das kann ich mir gut vorstellen. Und abends dann hat er im Rittersaal seine Werke vorgesungen?“

„Du hast eine tolle Fantasie, Paula. Du musst dann mit mir wieder mal auf die Burg Hohenneuffen watscheln“, hat der Andreas gemeint. Und ich habe gesagt: „Das ist eine gute Idee.“ Eure Paula

Eine Führung auf der Burg Hohenneuffen gibt es für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren am Montag, 24. August, um 16.30 Uhr. Dafür muss man sich aber unbedingt bist spätestens Sonntag, 23. August, 16 Uhr, unter der Telefonnummer (0 71 25) 15 84 90 oder per E-Mail unter info@festungsruine-hohenneuffen.de anmelden.

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