Paulas Nachrichten

Paula macht ihr eigenes Geld

16.12.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche habe ich den Andreas in der Redaktion besucht. Dann wollte ich noch in die Stadt watscheln. Der Andreas hat sich von mir verabschiedet und gesagt: „In die Stadt willst du noch? Wirst du da ein schönes Weihnachtsgeschenk für mich kaufen?“

Ich habe ganz langsam „Na ja“ geantwortet. „Ah“, hat der Andreas gemeint, „das hört sich sehr gut an! Hast du auch deinen großen Geldbeutel dabei?“

Eigentlich habe ich keinen großen Geldbeutel. Deshalb habe ich den Andreas mit meinen großen runden Entenäuglein angeguckt. Ich wollte ihm das mit dem Geldbeutel gerade sagen. Ich konnte aber nur „Äh“ sagen. Dann hat mich der Andreas unterbrochen und gelacht„Ich sehe schon, Paula. Kein Geldbeutel! Na gut, vielleicht hast du dann ja Bitcoins dabei“, hat er gemeint.

Jetzt sind meine großen, runden Entenäuglein noch größer und runder geworden. Denn ich habe das nicht verstanden. Das komische Wort klang gar nicht nach den alten Römern vom Andreas. Höchstens ein bisschen schwäbisch. Nach „koin“. Das ist das schwäbische Wort für „kein“. Deshalb habe ich einfach mal geschnattert: „Koin? Heißt das einfach ,kein Geld‘? Oder, nee, wart mal, ist das einfach schwäbisches Geld?“

Jetzt musste der Andreas lachen. Er hat geantwortet: „Schwäbisches Geld? Kein Geld? Ach so, wegen dem ,koin‘. Ganz schön schlau von dir! Aber nicht richtig. Das ist schon Geld. Aber kein schwäbisches. Eigentlich kannst du damit im Internet bezahlen. Deshalb heißt das auch so. ,Bit‘ ist ein Begriff aus der Computerwelt. Das ist eigentlich das kleinste Ding, in dem der Computer Daten abspeichert. Es ist also wie ein miniminiminikleines Eimerchen. Darin wird eine klitzekleine Information aufgehoben. Ja, und ,coin‘ ist ein englisches Wort. Das heißt auf Deutsch einfach ,Münze‘.“

„Ah“, habe ich gemeint, „dann ist so ein Bitcoin eine Computermünze. Oder eine Internetmünze.“

Der Andreas hat kurz überlegt und dazu die Augenbrauen nach oben gezogen. Dann hat er ganz langsam gesagt: „Äh, na ja, also, na gut, von mir aus. So kann man das schon ungefähr sagen. Ich bin halt auch nicht so ein Computerexperte. Aber das stimmt schon.“

Ich habe weiterüberlegt. Dann habe ich gesagt: „Na ja, so ein Geld habe ich natürlich nicht in meinem kleinen Geldbeutel. Ich kenne das gar nicht. Wo hebt man denn so ein Computerinternetdingsgeld auf? Womöglich im Computer? Soll ich den in die Stadt mitschleppen?“

Der Andreas musste wieder lachen. Dann hat er mich aber in den Arm genommen und gelobt: „Du bist echt eine sehr schlaue Zeitungsente. Bitcoins steckt man wirklich nicht in den Geldbeutel. Die stecken schon in manchem Computer. Und man kann sie im Internet herumschicken. Deshalb kann man da auch mit bezahlen. Also wenn man etwas im Internet kauft.“

„Ah“, wollte ich wissen, „und haben denn die Banken solche Münzen?“

„Nein, die haben keine Bitcoins“, hat mir der Andreas erklärt. „Die Erfinder von denen wollten das so ohne Banken. Dann können die darauf keinen Einfluss nehmen. Man kann die Bitcoins aber im Internet gegen richtiges Geld tauschen.“

„Hm“, habe ich überlegt, „normales Geld war ja früher aus Silber oder Gold . . .“

„Wirklich sehr schlau“, hat mich der Andreas wieder gelobt, „das war so, damit man für das Geld auch wirklich einen Gegenwert hat. Heute bürgen für unser normales Geld die ganz großen Banken von den Staaten. Und hinter dem Geld stecken Werte und Arbeit von Menschen. Beim Bitcoin ist das anders. Für einen Bitcoin müssen Computer ganz schwere Rechenaufgaben lösen. Und dann bekommt man dafür auf seine Festplatte, also das Gehirn des Computer, den Bitcoin gespeichert. Wenn man den dann beim Einkaufen oder so weitergibt, wird das in der Bitcoin-Information gespeichert. Das ist alles ganz geheim verschlüsselt. So garantiert man den Wert von dem Bitcoin. Das ist so, als würdest du auf einen Fünf-Euro-Schein draufschreiben ,Das Geld hat der Paula Print gehört‘, bevor du ihn mir schenkst oder die ein paar Salatköpfe dafür kaufst. So behält der seinen Wert.“

„Puh, das ist aber kompliziert“, habe ich gesagt.

„Ja“, hat der Andreas gesagt, „das muss aber sein. Denn das Geld gibt es ja nur im Internet. Jetzt ist es aber auf jeden Fall sehr viel wert. Denn es darf nicht mehr als 21 Millionen geben. Und wenn viele etwas wollen, wird es teurer. Das ist wie mit den Äpfeln: Wenn wenig geerntet werden und alle Äpfel essen und kaufen wollen, werden die teurer.“

„Hm“, habe ich mir überlegt und lachend gesagt, „vielleicht sollte ich mir auch ein eigenes Geld überlegen. Aber wenn die Bitcoins so viel wert sind . . .“

Dann habe ich mir mal im Internet ein Bild von so einem Bitcoin angeguckt. Die sind zwar nicht echt. Aber einfach ein Zeichen für den Bitcoin. So eines habe ich mir ausgedruckt und ausgeschnitten. Dann habe ich den dem Andreas gegeben und gemeint: „Kaufst du mir damit ein paar Salatköpfe, bitte?“

Der Andreas musste lachen und hat gesagt: „Wenn das so einfach wäre, Paula, wären wir jetzt reich!“ Eure Paula

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