Paulas Nachrichten

Paula liest auch mal vor

16.11.2019 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Paulas Thema heute: Kann man am Vorlesetag auch Erwachsenen etwas vorlesen?

Hallo, liebe Kinder,

gestern bin ich abends mal beim Andreas zu Hause vorbeigewatschelt. Aber er war noch gar nicht daheim. Seine Frau hat gemeint: „Ach, Paula, setz dich doch einfach auf das Sofa. Er müsste bald kommen.“

Das war dann auch tatsächlich so. Er sah aber ganz schön müde aus. Ich habe ihn begrüßt und gemeint: „Na, hast du viel gearbeitet?“

Er hat nur mit „Ja“ geantwortet.

Ich habe gesagt: „He, hast du heute den Artikel in ,Paulas Nachrichten‘ gelesen? Von der wunderschönen Stadt Venedig? Und dass die jetzt total überschwemmt ist?“

Er hat wieder nur mit einem Wort geantwortet. Diesmal war es das Wort „Nein“.

Das ist für den Andreas sehr ungewöhnlich. Normalerweise schnattert, äh, quatscht er immer gerne und mehr.

Ich habe gemeint: „Was? Echt nicht? Der war aber sehr interessant! Du solltest ihn gleich noch lesen! Soll ich dir die Seite aufschlagen?“

Der Andreas hat eine Augenbraue ein bisschen nach oben gezogen, ein bisschen geächzt und dann gesagt: „Äh, nee. Ich bin gerade echt zu müde zum Lesen. Aber du kannst mir den Artikel ja vorlesen.“

Jetzt habe ich den Andreas ganz komisch angeguckt und gemeint: „Vorlesen? Ich dir? Aber du kannst doch lesen! Du bist doch kein kleines Mini-Kind!“

Jetzt hat er schon wieder seine Augenbraue hochgezogen. „Na ja“, hat er gesagt, „aber man liest ja auch größeren Kindern vor. Ich habe dir ja auch schon vorgelesen. Und heute ist ja auch der Vorlesetag.“

„Der was?“, habe ich geschnattert. „Der Vorlesetag? Soll man da einfach solchen Typen wie dir vorlesen? Nur weil sie müde und faul sind?“

Jetzt ist der Andreas wieder etwas wacher geworden.

Er hat gemeckert, äh, gesagt: „Immer langsam, meine liebe junge Zeitungsente! Man liest natürlich nicht nur faulen und müden Typen vor! Man liest natürlich vor allem Kindern vor. Dafür wird am Vorlesetag geworben!“

„Ach so“, habe ich gemeint, „na gut. Dann lese ich dir den Artikel vor.“

Das habe ich dann auch gemacht, liebe Kinder. Aber irgendwie war das schon komisch. Denn sonst hatte mir eher der Andreas immer etwas vorgelesen. Deshalb habe ich dann zu ihm gesagt: „Duuuuu! Eigentlich könntest du mir jetzt auch noch etwas vorlesen. Das war doch immer so schön!“

Der Andreas hat gelächelt und gemeint: „Na gut, mein liebes kleines Zeitungsentenkind! Ich habe mich ja jetzt ein bisschen ausgeruht. Dann kann ich dir ja auch noch etwas vorlesen. Was würdest du denn gerne hören?“

„Hm“, habe ich überlegt, „irgendwie würde ich am liebsten was aus dem Buch mit meinen Geschichten hören. Aber das ist ja doof, gell? Denn die kenne ich ja schon!“

„Nein, nein“, hat der Andreas gemeint. „Es kommt ja gar nicht so auf die Geschichten an. Hauptsache, man sitzt zusammen. Und man nimmt sich Zeit füreinander! Dann merken die Kinder: Die Eltern oder einfach die Erwachsenen haben Zeit für sie und mögen sie. Das ist das Wichtigste am Vorlesen. Außerdem liest man dann auch später gerne selber.“

„Genau“, habe ich gesagt, „so wie ich. Sonst hätte ich dir ja nicht vorlesen können. Aber jetzt liest du erst einmal meine Geschichten weiter. Das gefällt mir so richtig.“ Eure Paula

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