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Paula lernt uralte Schnecken kennen

09.04.2011 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo liebe Kinder,

der Frühling kommt mit Riesenschritten! Deshalb habe ich in dieser Woche den Andreas besucht. Seine Frau baut in ihrem kleinen Garten Salate an. Nach denen wollte ich mal schauen.

Ich habe geklingelt. Der Sohn vom Andreas hat mir aufgemacht. „Die sind im Garten“, hat er gesagt. Tatsächlich habe ich den Andreas schon rufen hören.

„Soll ich die Schnecken wieder in den Garten bringen?“, hat er seine Frau gefragt.

Ich war total schockiert. Das kann doch wohl nicht wahr sein, habe ich mir gedacht. Der bringt Schnecken in den Garten? Damit die den ganzen schönen Salat abknabbern? „Na warte!“, habe ich gerufen.

Ich bin an dem Sohn vom Andreas schnell vorbeigewatschelt.

„Halt“, habe ich gerufen. „Lass’ die Schnecken weg!“

Dann bin ich im Garten vom Andreas angekommen. Er hat wirklich geglotzt wie ein Auto. Eher wie ein Lastwagen hat er geguckt.

„Was regst du dich denn so auf, Paula?“, hat er mich ganz entspannt gefragt.

Ich habe ihn angeschnattert: „Das ist eine blöde Frage! Du kannst doch nicht Schnecken in den Garten bringen! Die fallen doch sofort über den schönen jungen Salat her! Der hat da ja keine Chance!“

Jetzt musste der Andreas lachen. „Aber Paula“, hat er gesagt. „Ich würde doch nie echte, lebendige Schnecken in unseren Garten bringen. Die Schnecken hier interessieren sich nicht für unseren Salat. Du kannst mir vertrauen! Die sind nämlich längst tot und versteinert.“

Das hat mich natürlich neugierig gemacht. Tatsächlich hatte der Andreas in seinem kleinen Garten überall schwarze Steinplatten gelegt. Auf denen hat man Schneckenmuster gesehen. Ich habe mir die mal genauer angeschaut.

„Die sehen ja wirklich ungefährlich aus“, habe ich gesagt.

„Klar“, hat der Andreas gemeint. „Eigentlich sind das auch gar keine richtigen Schnecken. Das sind Ammoniten. Die haben vor hunderten Millionen Jahren hier in einem Meer auf der Schwäbischen Alb gelebt.“

„In einem Meer auf der Schwäbischen Alb? Willst du mich veräppeln? Hier gibt es doch kein Meer!“, habe ich mit ihm geschimpft.

Der Andreas hat geantwortet: „Nein, heute gibt es da auch kein Meer mehr. Sonst hätte ich dich schon lange mal zum Sandburgenbauen an den Strand mitgenommen. Die Erde hat aber vor langer, langer Zeit ganz anders ausgesehen als heute. Die Kontinente, das sind die Erdteile, treiben immer noch weiter auseinander. Damals gab es in unserer Gegend einen riesigen Kontinent. Der ist dann auseinander gebrochen. An den Rändern konnte das Wasser des Meeres reinschwappen. So war das auch auf der Alb.“

Ich habe überlegt: „Ach, und da haben dann die Ammodingser gelebt?“

„Richtig, Paula. Ich sage dir noch ein-mal ganz langsam wie die heißen: A-m-m-o-n-i-t-e-n. Der Name kommt diesmal nicht von den alten Römern. Der Name kommt von den alten Ägyptern. Die sind noch älter. Die haben zu einem Gott Ammon gebetet. Der sah wie ein Widder aus. Und die haben doch solche komische verschlungene Hörner. Die Gehäuse von den Urviechern sahen dann aus wie die Hörner von dem Gott. Und so haben sie ihren Namen von einem Wissenschaftler bekommen. Der hat sich sehr für die ausgegrabenen Urschnecken interessiert.“

„Ausgegraben? Wie kann man denn im Meerwasser graben?“, habe ich gefragt.

„Naja, da ist schon sehr lange kein Meer mehr. Vor ungefähr 190 Millionen bis 130 Millionen Jahren ist auf den Grund des Meeres viel Schlamm abgesunken. Unsere Urzeitschnecken waren da als U-Boote unterwegs. Die kleinen Tiere konnten Gas in ihr Gehäuse lassen. Dann wurde sie wie U-Boote nach oben gedrückt. Das Gas ist nämlich leichter als das Wasser. Sie konnten aber auch Wasser reinlassen. Dann sind sie nach unten gesunken.

Irgendwann stirbt jedes Lebewesen. Die toten Ammoniten sind natürlich nach unten in den Schlamm gesunken. Dort gab’s kaum Sauerstoff. Dieser Stoff kommt auch in der Luft vor. Er sorgt dafür, dass tote Tiere verwesen. Der Schlamm füllte die toten Tiere ganz aus. Sie blieben deshalb am Stück. Die Erde hat sich dann weiter verändert. Der Meeresboden wurde nach oben gedrückt. Dann sind jetzt Gesteinsschichten aus dem Schlamm geworden. Heute bildet der Boden von einem flachen Meeresteil unsere Alb. Und da kann man die versteinerten Tiere raushacken. Ich war da schon oft mit meinem Sohn. Man kann die alten Tiere mitnehmen. Die schönsten aber kann man in einem tollen Museum anschauen.“

Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Nur dass sich die Erde weiter verändert, fand ich komisch.

Ich habe den Andreas gefragt: „Meinst du, dass wir irgend wann dann hier wieder baden können? Oder dass dann wieder Schnecken rumschwimmen?“

Der Andreas war ganz ehrlich: „Keine Ahnung, Paula, wie die Erde mal aussehen wird. Aber wir können hier bestimmt nie schwimmen. Das dauert Millionen von Jahren, bis sich etwas richtig ändert.“

Das hat mich beruhigt. Nicht dass dann doch noch Schnecken zu meinem Salat geschwommen kommen! Eure Paula

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