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Paula lässt sich nicht in die Zange nehmen

22.09.2012 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich zum Andreas gekommen. Er ist mit einem Kollegen zusammengestanden. Das war der Jürgen, der Fotograf. „Na, arbeitet ihr nichts, ihr Faulpelze?“, habe ich sie angeschnattert.

„Natürlich arbeiten wir, Paula“, hat der Andreas zurückgeschnattert. „Komm nur her zu uns, dann nehmen wir dich gleich in die Zange.“

Ich habe ihn angeschaut wie ein Auto. Normalerweise ist er nicht so ein Handwerker. Ein Werkzeug nimmt er nur selten in die Hände. Aber das ist wahrscheinlich auch besser für ihn. Für seine Gesundheit. Ich habe gelacht und gemeint: „Lass die Zange lieber weg! Du zwickst dir nur selber in die Finger!“

Der Andreas hat die Augen verdreht. Ich hatte ihn wieder einmal nicht richtig verstanden. „Aber Paula, das ist doch nur so eine Redensart. Du bist alleine und motzt uns an. Wir sind zu zweit. Dann könnten wir zu zweit zurückmotzen. Wir schnappen dich dann sozusagen von zwei Seiten. Das ist, wie wenn du von einer Zange geschnappt wirst.“

„Ach so, naja, das konnte ich ja nicht wissen. Das ist ja schon wieder was Neues“, habe ich geantwortet und mit dem Kopf geschüttelt.

„Quatsch“, hat der Andreas gemeint. „Das ist gar nichts Neues. Das haben die alten Kelten schon so mit Angreifern gemacht.“

Ich habe erst einmal nichts gesagt. Der Andreas mag ja die ganzen alten Typen so. Die alten Römer mit ihrem Latein. Und auch die alten Griechen. Die Kelten sind auch so ein altes Volk. Davon hat er mir schon einmal erzählt. Die haben vor über 2500 Jahren hier in unserer Gegend gewohnt. Und wenn der Andreas mal von den alten Typen erzählt, hört er gar nicht mehr auf.

Aber ich war eben einfach neugierig. Deshalb musste ich ihn trotzdem fragen: „Waren die alten Kelten gute Handwerker? Oder warum hatten die sonst schon Zangen? Sind die mit den Zangen auf ihre Feinde losgegangen?“

Der Andreas hat gelächelt und gemeint: „Also, ich erkläre dir das. Die Kelten waren ganz gute Handwerker. Das stimmt. Deshalb sind sie mit den Zangen auch nicht auf ihre Feinde losgegangen. Dafür haben sie schon Schwerter und Speere genommen. Aber sie haben ihre großen Städte mit einem Zangentor geschützt. Das ging so: Ihre Mauer ging nicht gerade durch. Die knickte ein bisschen nach hinten ein. Dort kam dann das Tor. Und von dort ging sie wieder nach vorne. Bis zur normalen Mauer. Das war ganz praktisch. Die Feinde rannten auf das Tor zu. Und da konnte man sie von zwei Seiten von den Mauern und von der dritten Seite vom Tor her bekämpfen. Die haben die so richtig in die Zange genommen. So ein Zangentor kannst du dir übrigens gerade angucken. Das steht am Heidengraben bei Hülben auf der Alb. Du musst dich nur beeilen. Am Samstag wird es nämlich angezündet.“

Ich habe ihn diesmal nicht nur so groß wie ein Auto angeguckt. Ich habe geguckt wie ein Lastwagen. Dann habe ich aber energisch losgeschnattert: „Wie bitte? Die zünden ein Zangentor von den Kelten an? Ein 2500 Jahre altes Tor? Die spinnen doch total. Wir rufen gleich die Polizei an!“

Der Andreas musste lachen. „Bleib ganz ruhig, liebe Paula. An diesem Wochenende wird auf dem kleinen Flugplatz bei Hülben ein Keltenfest gefeiert. Dafür haben sie so ein Zangentor extra ganz neu aus Holz gebaut. Das wird heute aufgestellt. Du kannst dann gleich mit dem Jürgen hochfahren und dir das anschauen. Er macht ein Bild davon. Das Tor zünden sie am Samstagabend an, wenn es richtig dunkel ist. Das tolle Feuer ist dann der Höhepunkt von dem Keltenfest.“

„Ach so“, habe ich ganz kleinlaut gesagt. Ich hatte mich schon wieder beruhigt. Aber eine Frage hatte ich noch: „Aber warum feiern die das Fest ausgerechnet da oben? Und warum bauen sie da das Tor auf?“ „Das ist ganz einfach“, hat der Andreas erklärt. „Dort oben an der Kante der Schwäbischen Alb stand mal eine riesige keltische Stadt. Da hatten sie auch ein Zangentor. Daran will man jetzt mit dem Fest erinnern.“

„Und wie hieß die Stadt?“, wollte ich wissen. „Hieß die Zangentorhausen?“

Der Andreas musste wieder lachen. Er hat gemeint: „Bestimmt nicht. Vielleicht hieß die Stadt ja Riusiava. Von so einer Stadt hat ein alter Forscher schon vor fast 2000 Jahren geschrieben. Der hieß Ptolemäus und er arbeitete in Ägypten. Er hat alle wichtigen Städte von damals aufgeschrieben. Die Keltenstadt Riusiava war auch dabei. Die könnte hier auf der Alb gewesen sein. Man weiß nämlich auch: Hier haben bis zu 10 000 Menschen gewohnt. Das ist echt groß für damals. Und hier sind auch viele wichtige Straßen zusammengelaufen.“

Das fand ich spannend. Also habe ich mir das Tor mal angeschaut. Eigentlich ist es zu schade zum Anzünden. Aber vielleicht bauen sie dann ja mal wieder ein Zangentor auf. Eure Paula

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