Paulas Nachrichten

Paula kriecht unter den Rettungsschirm

08.10.2011 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

gestern bin ich zum Andreas gewatschelt. Ich musste mich beeilen. Denn es hat geregnet. Uah! Und es war richtig kalt. Ich habe mich richtig geschüttelt, als ich angekommen war.

Der Andreas hat mich ausgelacht. „Na, Paula, hast du nicht genug Sonne getankt? Eigentlich war es doch lange genug warm.“

„Pah“, habe ich gemeint. „Sonne kann man gar nicht genug tanken. Die sonnigen Tage waren so wunderschön. Und jetzt ist alles vorbei. Blöder Regen! Und bitterkalt ist es auch!“

Der Andreas hat mich schnell in den Arm genommen und mir über den Rücken gestreichelt. Mir wurde es dann richtig warm. „Du hast ja recht, Paula“, hat er gemeint. „Mich nervt das Wetter auch. Obwohl es ja wirklich ungerecht ist. Es war doch jetzt noch lange wunderschön. Und jetzt ist eben Herbst. Das ist doch ganz normal.“

Das habe ich nicht verstanden. Ich habe losgeschnattert: „So normal ist das auch wieder nicht. Sonst würden die Menschen im Radio, im Fernsehen und auch in unserer Zeitung nicht irgendwas von einem Rettungsschirm erzählen. Das ist doch komisch. Ein Schirm kann vor Regen schützen. Oder vor der Sonne. Aber dann muss man doch den nicht gleich Rettungsschirm nennen. Ein Rettungsring – das verstehe ich. Der rettet ja einen, wenn man ins Wasser fällt. Aber jetzt kapiere ich das. Nach den schönen Tagen ist der Regen so kalt, dass man sich echt vor ihm retten muss.“

Ich hatte richtig geschnattert und war jetzt außer Atem. Der Andreas hat mich aber einfach nur angeschaut. Mit ganz großen Augen. Er hat nicht so große, runde Augen wie ich. Aber seine Augen waren in diesem Moment auch ganz schön groß.

Dann hat er ganz zögerlich zu erzählen angefangen: „Äh, Paula, ich glaube, du bringst da was durcheinander. Also, der Rettungsschirm ist für etwas anderes gedacht. Der ist für Länder gedacht, die viele Schulden haben. Damit die nicht pleitegehen, helfen ihnen reichere Länder. Und diese Hilfe nennt man dann Rettungsschirm.“

„Ach so“, habe ich gesagt, „dann ist das wieder so ein blödes Erwachsenenwort. Das ist eigentlich gar nicht so gemeint.“

Der Andreas hat gelächelt: „Das stimmt. Das einfache Wort soll eben eine schwierige Sache ganz einfach beschreiben. Ich erkläre dir das: In Europa wird in vielen Ländern mit dem Euro bezahlt. Länder geben oft mehr Geld aus, als sie haben. Das Geld müssen sie sich von Banken leihen. Dann müssen sie mehr zurückzahlen, als sie geliehen haben. Man sagt dann: Sie müssen Zinsen zahlen. Manche Länder können das. Bei ihnen kommt immer genug Geld rein. Sie können das geliehene Geld und die Zinsen zurückzahlen. Manche Länder können das nicht so gut. Sie wollen aber trotzdem Geld bekommen. Dann verlangt man von ihnen noch mehr Zinsen. Irgendwann glaubt dann jeder: ,Die können ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen.‘ Dann sind sie eigentlich pleite, sagt man. Die anderen Länder helfen ihnen. Die spannen den Rettungsschirm auf. Sie sagen: ,Wenn dieses Land seine Schulden nicht mehr zurückzahlen kann, helfen wir ihm und zahlen seine Schulden zurück.‘“

Ich habe mich jetzt noch einmal so richtig geschüttelt und gemeint: „Puh, da bin ich ja froh. So einen Rettungsschirm brauche ich nicht. Ich kaufe immer nur so viel Salat und Schokolade, wie ich mir leisten kann.“

Der Andreas hat wieder gelacht und gemeint: „Das ist gut so, Paula. Und wenn du mal ein Problem hast, kommst du zu mir. Ich spanne dann den Rettungsschirm für dich auf und leihe dir einen Salat oder das Geld dafür. Aber jetzt gebe ich dir erst einmal einen Rettungsschirm gegen den Regen. Sonst erkältest du dich noch.“

Tja, liebe Kinder, unter diesen Rettungsschirm bin ich gleich sehr gerne geschlüpft. Eure Paula

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