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Paula kennt Vonellemebbes nicht

22.02.2014 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich mal zur Mittagszeit zum Andreas und seiner Familie gekommen. Die saßen gerade beim Mittagessen. Ich durfte mich auch dazusetzen. Der Andreas hat seinen Sohn gefragt, was er möchte.

Und sein Sohn hat etwas Komisches geantwortet. Es hat ungefähr so geklungen: „Vonellemebbes!“

Das habe ich nicht verstanden. Aber ich konnte gar nicht nachfragen. Denn der Andreas hat gleich mich angeschaut und gemeint: „Und du?“

Was sollte ich da sagen? „Vonellemebbes“ kannte ich nicht. Da wollte ich nichts riskieren und habe mich wie immer für Salat entschieden. Dann wollte ich den Andreas aber nicht mehr nach dem komischen Wort fragen. Ich habe mich halt ein bisschen dafür geschämt, dass ich das Wort nicht kenne.

Irgendwie hat mir das keine Ruhe gelassen. Ich wollte es nicht vergessen. Deshalb habe ich immer vor mir hin gemurmelt: „Vonellemebbes, vonellemebbes, vonellemebbes . . .“

Am Nachmittag bin ich dann in die Redaktion gewatschelt. Dort hat der Andreas nämlich so ein schickes gelbes Buch. Da kann man nachschauen, wenn man ein Wort nicht kennt. Dort sind alle Wörter in alphabetischer Reihenfolge drin. Mit „a“ geht’s los. Und dann das „b“. Und immer so weiter. Ich habe also nach „Vonellemebbes“ gesucht. Aber gefunden habe ich nichts.

Ich habe vor mich hingemurmelt: „Das kann doch nicht sein. So ein blödes Wort! Hm, vielleicht haben die auch nur Quatsch geredet! Pah!“

Plötzlich habe ich hinter mir gehört: „He, Paula, was guckst du denn nach? Suchst du das Wort Quatsch?“

Ich bin natürlich total erschrocken. Mein armes Zeitungsentenherzlein hat ganz schnell geschlagen. „Nein, ich suche keinen Quatsch! Ich suche das komische Zeug, das dein Sohn zum Mittagessen wollte!“

Der Andreas hat mich angeguckt wie ein Auto. Er hat überlegt und mich gefragt: „Komisches Zeug? Du meinst Spätzle, Reis, Fleisch, Paprika und Soße?“

„Nee“, habe ich genervt geantwortet, „natürlich nicht. Das kenne ich ja alles. Ich meine dieses, äh, na, äh, dieses ,Vonellemebbes‘! Ich habe es im Lexikon gesucht. Aber ich habe es nicht gefunden! Ich habe auch nach ,ellem‘ und ,ebbes‘ gesucht. Aber das habe ich auch nicht gefunden. Nur ,von‘. Aber das nützt mir ja nichts!“

Der Andreas hat mich ganz groß angeschaut. Dann ist er langsam rot geworden. Und dann hat er losgeprustet und gelacht wie . . . ., wie . . . da fällt mir gar nichts dazu ein!

Dann hat er gesagt: „Vonellemebbes! Ha! Das heißt ,von-ellem-ebbes‘. Das ist schwäbisch. Und auf Hochdeutsch heißt das eigentlich nur ,von allem etwas‘. Er wollte einfach von allem auf dem Tisch mal probieren!“

Jetzt bin ich ein bisschen rot geworden. Na ja. Ich bin ein bisschen arg rot geworden. Denn eigentlich bin ich ja eine schwäbische Zeitungsente. Also müsste ich auch die schwäbische Sprache ganz gut verstehen. Das hat mich geärgert. Und geärgert hat mich auch das komische gelbe Buch mit den ganzen deutschen Wörtern drin.

Ich habe geschnattert: „Von allem etwas? Von ellem ebbes? Und warum steht das dann nicht in dem komischen Wörterbuch? Hä?“

Der Andreas hat gemeint: „Ich erkläre dir das! Das gelbe Wörterbuch ist der Duden. Das ist ein Buch aus dem Duden-Verlag. Der heißt so nach seinem Gründer Konrad Duden. Habe ich dir das nicht schon einmal erklärt?“

Ich habe nur kurz genickt. Und schon hat der Andreas weitererzählt: „Da stehen alle deutschen Wörter drin. Und zwar die Wörter, die alle verstehen sollen. Und im Buch kann man vor allem auch nachschauen, wie man sie schreibt. ,Vonellemebbes‘ kannst du da nicht finden. Und auch nicht ,ellem‘ und ,ebbes‘. Das steht da nicht drin. Denn das sagen ja nur die Schwaben. Und nicht alle Deutschen. Die sagen ,allem‘ und ,etwas‘.“

„Hm“, habe ich überlegt, „aber dann ist das ja blöd. Warum sagen die Schwaben etwas, was nicht alle verstehen?“

Der Andreas hat geantwortet: „Na ja, eigentlich haben die Menschen alle ihre eigene Art zu sprechen. Das nennt man Dialekt. Das kommt vom griechischen Wort ,dialogemai‘ und das bedeutet eigentlich nur ,miteinander reden‘. Der Dialekt ist also die Sprache, in der die Menschen miteinander reden. Mit ihrer Familie, ihren Freunden, ihren Nachbarn . . . Man kann daran erkennen, wo sie herkommen. Und sie zeigen damit, dass sie ihre Heimat gernhaben!“

Das habe ich verstanden. Ich habe gesagt: „Ah so. Na, wenn das so ist, esse ich das nächste Mal auch ,von ellem ebbes‘. Ich mag meine Heimat nämlich auch!“ Und ihr, liebe Kinder? Eure Paula

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