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Paula kann nicht jede Schrift lesen

06.02.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Paulas Thema heute: Warum schreibt eigentlich jeder anders?

Hallo, liebe Kinder,

mit dem Andreas lebe und arbeite ich ja gerade im Heimbüro. Natürlich helfen wir uns dann oft. Wir Reporter arbeiten ja sowieso oft zusammen. Wir helfen uns einfach gerne. Der Andreas hat diese Woche mal länger telefonieren müssen. Er hat aber auch gerade an einem Bericht gearbeitet. Der musste an diesem Tag fertig werden. Er sollte ja am nächsten Tag in der Zeitung gedruckt werden.

Deshalb hat der Andreas zu mir gesagt: „Äh, Paula, ich muss noch telefonieren. Kannst du mir da was von meinen Zetteln auf dem Schreibtisch raussuchen? Dann muss ich das nachher nicht machen.“

„Na klar“, habe ich gesagt, „was soll ich denn suchen?“

„Guck doch mal nach, wie alt der Mann ist, über den ich da schreibe“, hat er geantwortet.

Ich habe mit meinem runden Entenköpflein genickt und habe mich gleich an die Arbeit gemacht. Aber das war nicht leicht. Denn ich konnte die Schrift vom Andreas so gut wie gar nicht lesen. Dann ist er wieder zu mir gewatschelt, äh, gekommen. Ich bin immer noch mit seinen Zettel dagesessen und habe gesucht. Der Andreas hat lächelnd gemeint: „Gell, das ist gar nicht so einfach? Die eigenen Hieroglyphen sind einfacher zu lesen!“

„Was für Tiere sind einfach zu ... zu was ... zu lesen?“, habe ich geschnattert.

Der Andreas musste lachen. Er hat gesagt: „Tiere? Nee, so schlimm ist meine Schrift dann auch wieder nicht. Ich habe nicht von Tieren gesprochen. Ich habe von H-i-e-r-o-g-l-y-p-h-e-n gesprochen. Das sind Schriftzeichen. So ähnlich wie Buchstaben. Die haben die alten Ägypter vor tausenden von Jahren erfunden. Die Griechen haben sie später so genannt. Denn ,hiero‘ heißt auf Griechisch ,heilig‘. Und ,glyphen‘ heißt Eingeritztes. Für die Ägypter hatte nämlich ein Gott ihnen diese Schriftzeichen gegeben. Deshalb waren das für sie heilige Schriftzeichen. Und sie ritzten sie meisten in Stein in Tempeln oder Gräbern.“

„Toll“, habe ich gemeint, „das ist schon interessant. Aber warum schreibst du mit ägyptischen Steinzeichen? Und warum sollte man das lesen können?“

Der Andreas hat ein bisschen die Augenbrauen nach oben gezogen und geantwortet: „Aber Paula! Das sagt man doch nur so! Man hat die Hieroglyphen sehr lange nicht verstanden. Deshalb sagt man aus Spaß zu Handschriften so – wenn man sie nicht lesen kann. Man kann ja oft die Handschrift von jemand anderem nicht lesen. “

„Ach so“, habe ich geantwortet, „hm ... warum schreiben denn dann nicht alle gleich? Dann könnte jeder die Handschrift von jedem lesen.“

„Keine schlechte Idee, Paula“, hat der Andreas gemeint. „Das geht ja schon auch. Aber dazu muss man sich halt sehr Mühe geben. Man kann ja dann auch mit der Hand die Buchstaben malen. Aber das dauert halt länger. So schreibt jeder mit der Hand halt einfach so los. Jede Handschrift ist einzigartig. Du kannst eine Person daran erkennen. Am Anfang muss man sich noch sehr anstrengen beim Schreiben. Dann sehen sich die Schriften von den jungen Schülern noch ein bisschen ähnlich. Mit der Zeit muss man sich aber nicht mehr so auf das Schreiben konzentrieren und man schreibt einfach drauflos. Die ist dann ganz typisch für uns. So wie unser Lachen oder so. Dabei entwickelt jeder seine eigene Handschrift. Manche Wissenschaftler sagen sogar: Man kann an der Schrift etwas darüber erfahren, wie die Menschen und Zeitungsenten so sind.“

„Ah“, habe ich gemeint, „wenn ich mir jetzt deine Schrift so angucke ...“

„Ah“, hat der Andreas lachend gesagt, „dann meinst du: Ich bin ein bisschen unordentlich wie meine Schrift – oder was?“

„Äh, na ja ...“, habe ich gemeint.

„Ist schon gut, Paula“, hat der Andreas gesagt, „ich bin nicht beleidigt. Aber es stimmt nicht. Die Schrift hängt ja auch noch von anderen Dingen ab. Wenn man es eilig hat, schreibt man halt schneller. Und wenn man grätig ist, schreibt man auch anders, als wenn man gerade richtig gut drauf ist.“

„Klar, und Reporter haben es ja oft eilig. Ich weiß. Aber vielleicht sollten wir dann immer gleich mit dem Computer oder dem Laptop schreiben. Das können wir ja auch schnell. Und dann kann es jeder vom anderen lesen.“

„Na ja“, hat der Andreas gesagt und überlegt. „Man sollte nicht auf die Handschrift verzichten. Wissenschaftler haben das untersucht: Was man mit der Hand schreibt, merkt man sich besser. Das ist beim Lernen in der Schule so. Für uns Reporter ist das auch so: Wenn wir uns etwas mitschreiben, können wir es uns auch gleich besser merken.“

„Ha, dann hättest du dir das Alter von dem Mann auch merken können. Dann hättest du nicht deine Steinzeichen dafür gebraucht!“ Eure Paula

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