Paulas Nachrichten

Paula kann ihre Freunde gut riechen

15.06.2019, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Paulas Thema heute: Warum gibt man sich zur Begrüßung die Hand?

Hallo, liebe Kinder,

gestern bin ich ganz früh in die Redaktion gekommen. Die Kollegen vom Andreas sind nach und nach eingetrudelt. Sie haben sich alle die Hand gegeben. Das machen die immer so. Jeden Morgen. Kennt ihr das, liebe Kinder? Man beobachtet etwas ganz Normales. Man beobachtet man es mal so richtig lange. Und dann überlegt man sich plötzlich: „Warum ist das eigentlich so?“

Deshalb habe ich gleich mal den Andreas angeschnattert: „He, was macht ihr da eigentlich immer? Warum gebt ihr euch die Hand?“

Der Andreas hat mich angeguckt wie ein Auto. Dann hat er gemeint: „Hä? Wir begrüßen uns halt jeden Morgen mit einem Handschlag. Wir sind eben nette und höfliche Menschen. Und wir sind ein Team. Außerdem weiß dann immer jeder, wer von den Kollegen da ist.“

„Ah“, habe ich gemeint, „das ist ja schon klar. Aber warum geben sich die Menschen ausgerechnet die Hand zur Begrüßung? Das muss doch einen Grund haben!“

„Ach, so meinst du das!“, hat der Andreas gemeint. „Das ist natürlich eine gute Frage.“

Er hat mir aber auf diese gute Frage nicht gleich eine gute Antwort gegeben. Er hat mir erst einmal gar keine Antwort gegeben. Denn er hat wohl ein bisschen nachdenken müssen.

Dann hat er doch noch irgendwann geantwortet: „Also, darüber haben sich schon viele schlaue Menschen Gedanken gemacht, Paula. Viele sagen: Das kommt noch von früher. Zum Beispiel aus der Zeit der Ritter. Da zeigte der Händedruck: ,Ich komme in Frieden und will dir nichts Böses tun.‘ Denn man hat ja beim Händedruck keine Waffe in der Hand. Kein Schwert, kein Messer, keine Keule oder sonst was. Man zeigt also mit dem Handgeben seine friedlichen Absichten. Und man zeigt: ,Ich finde dich in Ordnung. Deshalb gebe ich dir meine Hand ohne Waffe und Angst und so.‘“

„Ah“, habe ich gemeint, „das klingt gut. Tja, für was so Ritter alles gut waren.“

„Ja, ja“, hat der Andreas jetzt ganz begeistert erklärt, „von denen kommt auch der militärische Gruß. Soldaten legen ja heute zum Gruß die rechte Hand ausgestreckt in einem besonderen Winkel an die Schläfe. Das kommt auch von den Rittern!“

„Hä?“, habe ich mich gewundert und lachend gesagt, „was sollte das bei den Rittern bedeuten? ,Ich habe kein Schwert unter meinem Helm versteckt‘ oder was?“

„Das müsste dann ein zusammenklappbares Schwert gewesen sein“, hat der Andreas gesagt und auch gelacht.

Dann hat er weitergesprochen: „Nein, nein, nur Spaß. Die Ritter hatten ja einen Helm auf. Zum Helm hat ein Visier gehört. Das hat ihr Gesicht geschützt. Das konnte man hochklappen. Natürlich nur, wenn man nicht gekämpft hat. Sie haben das mit ihrer Hand also nach oben geschoben und damit gezeigt: ,Mit dir kämpfe ich nicht. Ich bin in friedlicher Absicht unterwegs.‘ Daraus wurde der Soldatengruß.“

Jetzt habe ich länger etwas überlegen müssen. Dann habe ich gesagt: „Schön, so machen das die Menschen. Und wie machen das eigentlich die Tiere?“

„Na ja“, hat der Andreas geantwortet, „manche beschnuppern sich ja einfach. Wie die Hunde. Die riechen einfach supergerne. Denn die Nase ist ihr bestes Sinnesorgan. Deshalb lässt man die ja auch bei Erdbeben oder Lawinen Verschüttetete suchen. Die versuchen, die zu erschnüffeln. Beim Beschnuppern können die am Duft des anderen einiges feststellen. Ob er Angst hat oder nicht oder so zum Beispiel.

Und weißt du was, Paula? Ganz schlaue Wissenschaftler haben herausgefunden: Der Händedruck beim Menschen hat auch etwas mit dem Riechen zu tun. Jeder hat ja ganz eigene Duftstoffe auf der Haut. Und die werden beim Händedruck übertragen. Man kann die dann an der eigenen Hand nach dem Händeschütteln auch erschnuppern. Die Wissenschaftler haben das so bewiesen: Sie haben Menschen nach dem Händeschütteln beobachtet. Dabei haben sie gesehen: Die haben unbewusst öfter ihre Hand an die Nase geführt als die Menschen, die niemandem die Hand gegeben hatten. Das ist also schon wichtig. Man sagt ja auch, wenn sich zwei mögen: ,Die können sich gut riechen.‘ Das ist also nicht nur ein Überbleibsel aus der Ritterzeit. Das könnte sogar noch ein Überbleibsel aus viel älteren Zeiten sein. Als die Menschen noch wie ihre affigen Verwandten als Tiere unterwegs waren.“

Ich habe gelächelt und zum Andreas gemeint: „Na gut, dann grüße ich weiter wie die Menschen. Dann habe ich das als Zeitungsente halt gelernt. Und dann kann ich auch sagen: Wir können uns ganz gut riechen!“ Eure Paula

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