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Paula ist doch kein Zeitungsfisch

20.06.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Paulas Thema heute: Was genau sind Vegetarier?

Hallo, liebe Kinder,

vor ein paar Tagen hat der Andreas zu mir gesagt: „Na, Paula, hast du Hunger?“

„Äh, naja“, habe ich gemeint. Weiter bin ich nicht gekommen. Denn der Andreas hat gleich gemeint: „Ja, ja, ich weiß, Paula. Das ist eine seltsame Frage. Denn du hast ja immer Hunger.“

„Nee, nee“, habe ich losgeschnattert, „nicht immer! Aber ...“

Wieder hat mich der Andreas unterbrochen: „Du brauchst dich auch nicht aufregen. Ich wollte dich halt ein bisschen ärgern. Aber schau mal: Der Leon und die Lotta Schmid aus Frickenhausen haben dir richtig leckere Tiere geschickt. Die kannst du gleich aufessen!“

„Was?“, habe ich noch lauter geschnattert. „Tiere? Du weißt doch genau: Ich esse keine anderen Tiere! Ich kneife dir gleich mit meinem schönen orangenen Schnabel in den Hintern!“

„Na, na, Paula“, hat der Andreas lachend gesagt, „nur keine Gewalt! Schau dir doch erst einmal diese leckeren Mäuse, den saftigen Tausendfüßler und, tja, äh, diese deftige Ente an!“

Jetzt war ich noch mehr entsetzt. Ich war so entsetzt, dass ich nicht mal mehr schnattern konnte. Meine runden Entenäuglein wurden noch größer als sonst. Und mit denen habe ich ihn dann angestarrt wie ein Riesenlastwagen.

Da musste der Andreas lachen. Und er hat gesagt: „Na, Paula, guck halt mal! Die Ente ist dir zwar ähnlich. Aber sie ist keine Zeitungsente. Sie ist eine Kartoffelente. Und der Tausendfüßler und die Mäuse sind aus Karotten! Und Gemüse magst du ja! Ich weiß doch, dass du eigentlich Vegetarierin bist!“

Jetzt war ich aber wirklich sehr, sehr erleichtert. „Äh, ja, genau“, habe ich gestottert, „Gemüse ist gut. Dann sind das ja keine richtigen Tiere. Deshalb kann ich die essen. Genau. Denn ich bin Wegedingsbumms, denn wegen den Tieren esse ich die nicht.“

Jetzt hat mich der Andreas sooo groß angeguckt. Dann hat er gelacht und gemeint: „Wege-was? Ach so! Nee, mit ,wegen den Tieren‘ hat das nichts zu tun! Das schreibt man V-e-g-e-t-a-r-i-e-r. Das Wort haben die Deutschen von den Engländern übernommen. Die haben das Wort auch erst so zusammengesetzt. Das kommt vom Wort ,vegetable‘ – das spricht man ,wedschitäbbel‘. Das heißt einfach Gemüse. Und das kommt wieder von einem Römerwort.“

„Ah ja, dann essen die Vegetarier auf jeden Fall nur Gemüse und keine Tiere, gell?“, habe ich gemeint.

„Na ja“, hat der Andreas geantwortet. „So einfach ist das nicht. Manche essen zwar kein Fleisch. Aber sie essen Fisch.“

„Hm“, habe ich überlegt, „aber Fische sind doch auch Tiere. Dann haben die doch auch Fleisch, oder?“

„Ja, das ist gar nicht so falsch. Viele verzichten auf Fleisch und essen Fisch wegen der Gesundheit. Denn Fischfett ist oft gesünder als Fleischfett. Die müsste man Pescetarier nennen. Bevor du fragst: Das kommt vom italienischen Wort ,pesce‘ für ,Fisch‘“, hat der Andreas gesagt.

„Ja“, habe ich gemeint, „das wäre dann ehrlicher! Aber wie kommen Vegetarier überhaupt auf die Idee, dass Fisch kein Fleisch ist?“

Der Andreas hat geantwortet: „Das kommt wahrscheinlich vom Glauben. Manche Christen zum Beispiel fasten zu vorgeschriebenen Zeiten. Das war schon zur Ritterzeit so. Da darf man dann kein Fleisch essen. Die Mönche sind doch so etwas wie Pfarrer, die in einem Kloster zusammenleben. Die wollten dann damals trotzdem etwas Deftiges essen. Da haben sie gesagt: ,Fische sind kein Fleisch. Die essen wir.‘ Und weißt du was? Manche Mönche haben sogar gesagt: ,Biber und Enten sind auch Fische, weil sie wie Fische im Wasser leben.‘“

Der Andreas musste lachen. Ich nicht. Ich habe nur geschnattert: „Die spinnen wohl! Ich bin doch kein Zeitungsfisch! Denen würde ich auch mit dem Schnabel in den Hintern kneifen!“ Eure Paula

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