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Paula ist das Gefieder und die Hautfarbe ganz egal

03.06.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Paulas Thema heute: Was ist denn nur in Amerika los?

Hallo, liebe Kinder,

gestern bin ich seit Langem wieder einmal in unser Büro in Andreas’ Haus gewatschelt. Wir hatten ja ein paar Tage frei. Aber jetzt geht es weiter in unserer Zeitungsenten-Heimredaktion. Dazu muss ich immer die Treppen nach oben watscheln. Auf dem Weg gucke ich oft ganz nach oben unters Dach. Da hängt nämlich eine wunderschöne bunte Fahne. Da sind auch viele Sterne darauf.

Dieselbe Fahne habe ich in den letzten Tagen oft gesehen. Im Internet, im Fernsehen, in der Zeitung. Aber meistens waren das keine schöne Bilder. Da waren viele wütende Menschen drauf. Oft war auch auf den Fahnen etwas draufgeschrieben. Manchmal brannten sie auch.

Ich bin in unser Büro und habe den Andreas angeschnattert: „He, die Menschen da im Fernsehen haben auch so eine Fahne wie du hier!“

Der Andreas hat mich angeguckt wie ein Auto. Denn er hat mich nicht verstanden. Dann hat er aber doch geschnattert. äh, geantwortet: „Ach so, du meinst die große Fahne im Flur . . . aber das weißt du doch, Paula: Das ist die Flagge von den Vereinigten Staaten von Amerika. Da gehe ich doch so gerne in den Urlaub hin.“

„Klar“, habe ich gesagt, denn ich habe mich wieder daran erinnert. Aber da hatte ich gleich wieder eine Frage: „Ah, dann ist das in Amerika mit den vielen wütenden Menschen mit der Fahne. Bist du dann mit deiner schönen Urlaubsfahne aus Amerika hier auch so sauer wie die? Hm, weil du jetzt wegen Corona nicht in den Urlaub kannst vielleicht?“

Der Andreas hat lieb gelächelt und gemeint: „Nein, Paula, mit Urlaub hat das leider nichts zu tun. Das ist etwas viel, viel Ernsteres. Und deshalb bin auch ich tatsächlich ein bisschen sauer und traurig. Ich mag das Land Amerika sehr. Deshalb habe ich ja auch die Flagge hier in meinem Haus hängen. Aber da passieren gerade sehr böse Dinge.“

„Ach“, habe ich losgeschnattert, „hat der komische Präsident wieder was Komisches gemacht?“

„Na ja“, hat der Andreas gemeint, „zum Teil. Aber es ist noch schlimmer. In einer amerikanischen Stadt hat ein Polizist einen schwarzen Bürger getötet. Dabei war der absolut wehrlos. Das passiert in Amerika immer wieder. Dort gibt es nämlich viele Rassisten. Die glauben zum Beispiel, dass Menschen mit einer anderen Hautfarbe weniger wert sind als sie selbst. Deshalb war der weiße Polizist so brutal zu dem Mann.“

„Was?“, habe ich geschnattert, „wie kommen die denn auf so einen Quatsch? Ich mag doch auch alle Enten und nicht nur die mit Zeitungsgefieder. Und ich mag auch alle anderen Tiere. Und euch Menschen auch. Egal, was für ein Gefieder, äh, was für eine Haut ihr habt!“

„Das ist auch richtig so, Paula“, hat der Andreas gemeint. Und dann hat er mir das mit Amerika weitererklärt: „Bis vor knapp 50 Jahren noch hatten die Schwarzen in Amerika nicht die gleichen Rechte wie die Weißen. Sie durften nicht dieselben Schulen besuchen oder dieselben Busse benutzen zum Beispiel. Sie durften auch die Politiker nicht wählen. Erst dann, vor knapp 50 Jahren, haben sie sich die gleichen Rechte erkämpft. Dafür gab es ein Gesetz. Trotzdem sagen viele rassistische Amerikaner heute noch: ,Die Schwarzen sind weniger wert.‘“

„Wie kommen die da nur drauf?“, habe ich noch mal geschnattert.

Der Andreas hat geantwortet: „Das war bis vor 200 Jahren noch viel schlimmer. Da haben sich die europäischen Siedler aus Amerika Menschen als Sklaven in Afrika geholt. Sie haben die Menschen dort entführt und nach Amerika gebracht. Dort haben sie sie sehr schlecht behandelt und misshandelt und zur Arbeit auf ihren Baumwollplantagen zum Beispiel gezwungen.

Dann haben einige von den Vereinigten Staaten von Amerika Krieg gegen andere Staaten von den Vereinigten Staaten von Amerika geführt. Sie wollten die Sklaverei abschaffen. Sie haben den Krieg gewonnen und das dann gemacht. Aber die ehemaligen Sklaven haben trotzdem nicht die gleichen Rechte bekommen. Das habe ich dir ja schon erklärt.“

Der Andreas hat dann weitererzählt: „Auch heute noch haben es die Schwarzen trotz der 50 Jahre alten Gesetze nicht leicht. Sie sind oft sehr arm. Sie können deshalb ihre Kinder nicht gut ausbilden lassen. Und die Polizei zum Beispiel behandelt sie schnell wie Verbrecher – nur weil sie schwarz sind.“

„Ah, jetzt verstehe ich“, habe ich gemeint, „deshalb sind viele so wütend!“

„Ja“, hat mir der Andreas recht gegeben, „sie wollen, dass diese Ungerechtigkeit aufhört. Die bösen Polizisten müssen bestraft werden und dann darf so etwas nie mehr passieren. Viele von den Wütenden machen aber auch nicht alles richtig. Sie machen viele Sachen und Läden kaputt. Sie denken, dass sonst keiner auf sie hört. Tja, und da kommt der komische Präsident wieder ins Spiel . . .“

„Wie? Sagt der Trampel, äh, der Trump, nicht, dass alle friedlich und gerecht sein sollen?“, habe ich ganz wütend geschnattert.

„Nein“, hat der Andreas traurig gesagt. „Leider nicht. Er sagt nur: ,Die Wütenden müssen bestraft und bekämpft werden.‘ Er will dafür sogar schwer bewaffnete Soldaten einsetzen. Er sagt nichts gegen die Rassisten. Damit hetzt er die Menschen noch viel mehr gegeneinander auf.“

„Oh je“, habe ich überlegt, „dann muss ich immer an die Bösen denken, wenn ich deine Urlaubsfahne sehe.“

„Weißt du, Paula“, hat der Andreas gemeint, „in Amerika gibt es aber auch viele gute und gerechte Menschen. Die glauben wie du, dass alle gleich und frei sind. Lass uns die Fahne angucken und lieber an die denken und ihnen die Daumen drücken!“

Das mache ich auch! Eure Paula

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