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Paula isst anders als ihre Kumpels

18.07.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Paulas Thema heute: Warum man keine Enten füttern soll

Hallo, liebe Kinder,

eine gute Zeitungsente schreibt nicht nur für die Zeitung. Eine gute Zeitungsente liest auch immer die Zeitung. So weiß ich, was hier bei uns los ist. Denn ich arbeite ja nicht alleine für die Zeitung. Der Andreas hat viele Redakteurskollegen. Und dann gibt es ja auch noch Reporter. Die schreiben einfach und fotografieren. Die Redakteure basteln ja dann aus allem die Zeitung zusammen.

Deshalb schaue ich also jeden Morgen zuerst in die Zeitung. Manchmal übersehe ich etwas. Oder ich lese nicht die ganze Zeitung. Dann frage ich manchmal etwas den Andreas. Obwohl ich das schon in der Zeitung hätte lesen können. Der Andreas lacht dann und sagt: „Ha, Paula, NZ-Leser wissen einfach mehr!“

Dann schaue ich ihn immer noch mit meinen runden Entenäuglein an. Denn ich verstehe das ja noch nicht. Und dann erklärt mir der Andreas meistens: „Schau’ mal, Paula, das stand hier schon in der Zeitung.“

In dieser Woche war es ähnlich. Ich bin morgens ganz früh zum Andreas gewatschelt. Der saß gerade beim Frühstück. Er hat Zeitung gelesen und ein leckeres Toastbrot mit Marmelade gegessen. Ich habe anscheinend nur sein Toastbrot angeguckt. Meine Augen sind immer größer und runder geworden. Und ich habe wohl auch mit dem Schnabel ganz leise ein bisschen geschmatzt.

Der Andreas hat mich ganz streng angeguckt und gemeint: „Na, liebe Frau Zeitungsente, Pfoten weg von meinem Marmeladenbrot! Sonst wirst du mir noch faul und krank!“

Jetzt habe ich ihn noch größer angeguckt. Dann habe ich ihn aber angeschnattert: „Wie bitte? Wie soll ich denn vom Marmeladenbrot krank und faul werden? Das kann nicht sein! Ich habe dir schon oft ein Marmeladenbrot geklaut, äh, weggegessen, äh, ich meine, ich habe schon oft ein Toastbrot mit Marmelade gegessen!“

„Naja“, hat er immer noch streng gesagt. Aber ich habe gemerkt: Er ist eigentlich gar nicht so streng. So redet er oft wenn er mich ärgern will.

Dann hat er seinen berühmten Spruch gesagt: „NZ-Leser wissen mehr!“ Und er hat mir die Zeitung rübergeschoben.

Da war wirklich ein Artikel mit der Überschrift „Brot macht die Ente faul und krank“ drin. Und dabei war ein Bild von einem Kind mit Enten bei uns in Nürtingen am Neckar.

Jetzt habe ich natürlich sofort losgeschnattert: „Ja, ja, das ist ja auch klar! Das sind doch auch keine Zeitungsenten! Die normalen Enten am Neckar haben natürlich ein Problem mit Brot. Das gehört nämlich nicht zu ihrer normalen Nahrung. Das quillt in ihnen manchmal sogar auf. Dann können sie sterben. Und das Salz und so im Brot ist für sie auch gar nicht gesund. Das soll man ihnen nicht geben. Die wissen das ja nicht und fressen das dann einfach. Das ist anders bei mir. Ich bin ja eine schlaue Zeitungsente. Ich weiß, was für mich gut ist. Und ich bin ja anders gebaut und ernähre mich ganz anders als die Enten draußen.“

„Na klar“, hat der Andreas gesagt. „Ich weiß. Ich wollte dich ja auch nur ein bisschen ärgern. Dazu kommt: Die Enten müssen nach dem Brotessen öfter ihr großes Geschäft erledigen. Und dann ist der Neckar voller Kot. Das ist dann auch schlecht für die eigentliche Nahrung der Enten.“

„Genau“, habe ich gemeint, „denn die Enten essen ja eigentlich Pflanzen und Insekten. Und sie essen auch normalerweise kleine Krebse, Schnecken oder Würmer im Wasser. Deshalb sieht man ja oft von meinen Kumpels nur den Popo mit dem Schwänzchen. Dann gründeln die. Das heißt: Die suchen unterm Wasser am Grund des Neckars nach Nahrung. Klar, und wenn die oft Brot kriegen, werden die faul. Dann machen die das nicht mehr. Das ist nicht gut.“

„Richtig, du schlaue Zeitungsente“, hat der Andreas gemeint, „das alles soll nicht passieren. Deshalb soll auch das Entenfüttern in Nürtingen bald verboten werden. Aber am besten ist es natürlich, man füttert die Enten auch jetzt ohne Schild ,Enten füttern verboten‘ nicht mehr.“

„Stimmt“, habe ich gemeint, „man kann die Enten ja auch so besuchen und beobachten. Das ist auch sehr schön.“

„Na gut“, hat der Andreas lächelnd gesagt, „aber ich stelle mir dann ein Schild hier auf dem Frühstückstisch auf. Da steht dann drauf: ,Zeitungsenten füttern verboten‘. Nicht dass du zu faul zum arbeiten wirst. Und dann gibt es keine Nachrichten für die Kinder.“

Über den Witz musste ich sogar lachen. Ich habe gesagt: „Keine Bange, dafür bin ich nie zu faul.“ Eure Paula

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