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Paulas Nachrichten

Paula hört lieber ihre innere Stimme

31.03.2012 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

diese Woche bin ich zum Andreas gekommen. Da geht es ja manchmal schon lustig zu. Aber diesmal war es besonders komisch. Ich habe geklingelt. Und ich wurde gleich reingelassen. Dann hat mich aber keiner an der Tür unten begrüßt. Dafür habe ich gleich schon ein paar Stimmen gehört. Der Andreas hat gesagt: „Guten Tag, sie sprechen mit dem Anrufbeantworter von . . .“ Sein Sohn hat ihn gleich unterbrochen: „So ein Quatsch, Papa, das hatten wir doch schon! Du wolltest doch was Neues sagen!“

Dann hat die Frau vom Andreas gesprochen: „Also gut, dann mache ich das mal. Ihr seid jetzt mal ruhig!“

Weiter ist sie nicht gekommen. Denn ich war dann die Treppe nach oben gewatschelt. Also haben sie mich jetzt doch begrüßt. „Hi Paula“, hat der Andreas gesagt. „Dann machen wir jetzt eine Aufnahmepause. Gehen wir ein bisschen auf die Terrasse, in die Sonne.“

Das hat mich schwer gewundert. „Aufnahme? Was wollt ihr denn aufnehmen? Macht ihr jetzt zusammen Musik? Oder wollt ihr einen Film aufnehmen? Wie wäre es denn mit ,Andreas und die schlaue Ente‘? Aber dafür müsstet ihr mich mitspielen lassen. Das würde ich aber sowieso gerne . . .“

Mein letzter Satz muss wohl ein bisschen traurig geklungen haben. Der Andreas hat nämlich gar keinen blöden Witz gemacht. Er hat gemeint: „Aber Paula, wir würden doch nie einen Film ohne dich drehen. Wir besprechen doch nur unseren Anrufbeantworter. Der Spruch darauf war schon alt.“

Das habe ich verstanden. Manchmal rufe ich den Andreas an. Und dann ist er nicht da. Dann hört man einen Spruch von ihm und seiner Familie. Der klingt so ähnlich wie: „Wir sind gerade nicht da. Hinterlassen Sie uns doch bitte eine Nachricht!“

Ich habe aber immer noch ein bisschen traurig geguckt. Denn ich habe keinen solchen Anrufbeantworter. Und ich durfte auch noch nie auf solch einen Automaten sprechen. Der Andreas hat das wieder gemerkt und gesagt: „He, Paula, du könntest uns eigentlich helfen. Spreche doch du was drauf!“

„Ehrlich?“, habe ich gefragt. „Das ist ja toll.“

Der Andreas hat auf einen Knopf gedrückt und ich habe losgelabert. „Hallo, äh, ich bin’s, ja, äh, ich bin’s, und ich, äh, tja, ich bin die Paula.“

Alle mussten lachen. Aber das war witzig. Ich habe ja selber gemerkt: Das ist gar nicht so einfach. Man wird schon nervös, wenn man auf so ein Gerät sprechen soll.

Der Andreas hat mir das Stück einfach mal vorgespielt. Das hat sich ganz komisch angehört. Ich habe geschnattert: „Hä? Und wer hat das jetzt gesprochen? Das war doch nicht ich!“

Der Andreas musste lachen. „Doch, das warst du! Ich erkläre dir das, Paula“, hat er gemeint. „Der Schall ist das, was wir hören. Der breitet sich wie Wellen im Meer aus. Er tut das eben in der Luft. Aber wenn du selber sprichst, ist das anders. Dann breitet er sich nicht nur in der Luft aus. Dann geht er auch durch deine Knochen, deine Muskeln und dein Fleisch. Die übertragen dann die Schallwellen auch zu deinen Ohren. Und die Wellen verändern sich dabei. So hört man seine eigene Stimme normalerweise als Mischung. Die Wellen gehen durch die Luft und durch dich. Mit den Geräten ist das anders. Die nehmen deine Stimme auf. Aber nur die Wellen, die durch die Luft gehen. Und du hörst sie nachher ohne die Wellen, die durch dich selber gehen.“

„Ach, dann hörst du mich auch so, wie ich die Stimme vom Gerät höre?“, habe ich gefragt.

„Das ist eine gute Frage. Paula. Und die Antwort lautet ,ja‘. So höre ich dich auch“, hat der Andreas geantwortet.

Das hat mir jetzt nicht so gefallen. Ich habe gemeint: „Du, Andreas, mir gefällt aber die innere Stimme viel besser.“

Der Andreas hat gemeint: „Das kann ich verstehen. Man sollte sowieso viel öfter auf seine innere Stimme hören.“

Dann hat er gelächelt. Und ich habe ihn natürlich komisch angeguckt – wie ein Auto. Deshalb hat er gleich weitererklärt: „Die innere Stimme, tja, das ist eben so ein fester Ausdruck. Damit meint man: Man hört am besten auf seine Gefühle. Man vertraut sich selbst am besten. Vor allem, wenn man eine wichtige Entscheidung zu treffen hat. Aber das hat natürlich mit den Schallwellen nichts zu tun. Das war nur Spaß. Weißt du, Paula, das Telefon klingt sowieso komisch. Das hat aber technische Gründe.“

Das hat mir schon wieder besser gefallen. „Gibt es dann auch bessere Geräte? Klingt man dann besser?“, wollte ich gleich wissen.

Der Andreas hat mit dem Kopf genickt und gesagt: „Klar, Paula, es gibt viel bessere Geräte. Da hört sich die Stimme wirklich richtig original an. Aber . . .“

Er hat kurz aufgehört und ich habe das schon verstanden. Darum habe ich gesagt: „Aber es klingt halt eben auch anders, oder?“

„Richtig, Paula“, hat er gemeint. „Aber es klingt besser. Vor allem, wenn man darauf vorbereitet ist.“

Dann hat er ein richtiges Mikrofon geholt. Und mit dem hat er mich aufgenommen. Ich habe dann besonders auf meine Stimme gehört. Na ja, liebe Kinder, ich glaube, ein Schauspieler oder Sänger werde ich nicht mehr . . . Eure Paula

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