Paulas Nachrichten

Paula hat jetzt auch ein Hufeisen

14.01.2012 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

gestern bin ich wieder einmal zum Andreas gewatschelt. Er ist mir schon auf der Treppe entgegengekommen.

„He, Paula, pass’ auf, wo du hinwatschelst! Nicht dass du auf der Treppe stürzt!“, hat er gerufen.

Zuerst hab ich mich erschrocken. Aber dann habe ich lächelnd geantwortet: „Das ist ja süß, dass du dir Sorgen um mich machst. Aber warum sollte ich denn hinfallen?“

„Das ist doch klar, Paula“, hat er gesagt. „Weil heute Freitag, der 13., ist!“

Das habe ich nicht verstanden. Ich habe geschnattert: „Wie? Das Jahr ist doch noch ganz neu! Da kann es doch noch nicht der 13. Freitag sein!“

Der Andreas hat die Augen verdreht. Dann hat er gelacht. Und dann hat er gesagt: „Darum geht es doch nicht, Paula. Heute ist Freitag. Und es ist der 13. Tag des Monats. Also ist Freitag, der 13.!“

„Schön, das ist ja in Ordnung“, habe ich ganz gemütlich gemeint. „Aber warum soll ich deshalb die Treppe runterfallen?“

Wieder hat der Andreas die Augen verdreht. „Hast du das noch nie gehört? Der Freitag, der 13., gilt als Unglückstag. Ich wollte dich nur ein bisschen damit ärgern. Denn eigentlich glaube ich nicht daran. Manch andere Leute glauben daran.“

Das hat mich ja ein bisschen beruhigt. Gut, dass der Andreas nicht daran glaubt. „Aber warum glauben dann all die anderen daran?“, wollte ich dann doch lieber wissen.

„Das ist halt so ein Aberglaube“, hat der Andreas gesagt. „Wie so vieles.“

„Aberglaube? Was ist denn das jetzt wieder? Gibt’s dann auch einen Oderglauben?“, habe ich geschnattert.

„Nein, nein, Paula“, hat der Andreas geantwortet. „Den gibt’s nicht. Aberglaube ist ein altes Wort. Manche glauben ja zum Beispiel an den lieben Gott. Das ist dann Glaube. Manche haben vor allem früher noch vor der Zeit der Ritter etwas anderes geglaubt. Da haben Menschen noch an die alten Götter geglaubt. Oder an Geister und Hexen und so. Das hat man dann Aberglauben genannt. Gemeint war damit also falscher Glauben.“

„Ja, aber heute glaubt doch keiner mehr an Hexen und Geister, oder?“, habe ich gemeint.

„Das stimmt schon. Da brauchst du keine Angst haben, Paula. Aber manche glauben eben an anderen Quatsch. Zum Beispiel, dass der Freitag, der 13. Pech bringt und ein gefährlicher Tag ist.“

„Ach, und warum ausgerechnet Freitag, der 13.?“, wollte ich wissen.

Der Andreas hat mir das erklärt: „Also früher hat man sowieso den Freitag als Unglückstag und die 13 als Unglückszahl gesehen.“

„Was? Aber der Freitag ist doch ein schöner Tag! Dann kommt doch gleich das Wochenende. Die Kinder müssen dann nicht in die Schule und die Erwachsenen müssen nicht in die Arbeit“, habe ich gemeint.

„Tja, das stimmt Paula“, hat der Andreas geantwortet. „Aber die Christen glauben, dass Jesus an einem Freitag am Kreuz gestorben ist. Und die 13 ist eine Unglückszahl, weil die Zwölf in der Bibel eine tolle Zahl ist und die 13 einfach über sie hinausgeht. Jetzt glauben manche Menschen, dass Freitag, der 13., gefährlich ist. Manche steigen dann nicht ins Flugzeug. Und in Flugzeugen gibt es manchmal keine 13. Sitzreihe.“

„Hm“, habe ich mir überlegt, „du fliegst ja viel. Würdest du an einem Freitag, den 13., lieber vom Urlaub daheim bleiben!“

„Nein, nein, Paula, das würde mir nicht passieren“, hat er gleich gesagt.

Das hat mich beruhigt. Schließlich wollte ich ja sicher gehen, dass mir nichts passiert an diesem Freitag. Aber irgendwie hat mir das keine Ruhe gelassen. „Manche anderen Menschen glauben aber daran“, habe ich wieder gesagt.

Der Andreas hat gemerkt, dass ich mich nicht so gut fühle. Er hat lieb gelächelt und mich in den Arm genommen. „Komm’“, hat er gesagt. „Ich habe ein Gegenmittel für Freitag, den 13.“

Dann sind wir zu einem Stall gegangen. Dort haben wir so ein komisch gebogenes Stück Eisen bekommen. Ich hatte das schon einmal gesehen: Pferde bekommen das wie einen Schuh angenagelt. Aber die haben auch ganz dicke Haut – und ich nicht. Ich habe ganz ängstlich geguckt und gesagt: „Ich bin doch kein Pferd! Was soll ich denn damit?“

„Du sollst dir das Hufeisen natürlich nicht an die Entenbeine nageln, Paula“, hat der Andreas gesagt. „Aber es bringt dir Glück. Früher hat man geglaubt: Das Eisen wehrt böse Geister ab. Und viele schöne Post, zum Beispiel Liebensbriefe, ist mit dem Pferd gebracht worden. Deshalb ist das Hufeisen ein Zeichen des Pferds und damit des Glücks.“

Irgendwie klang das genauso komisch wie die Geschichte mit dem Freitag, dem 13. . Aber ich wollte lieber ganz sicher sein und habe mir so ein Hufeisen mitgenommen. Man kann ja nie wissen. Eure Paula

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