Paulas Nachrichten

Paula hätte gerne Silber fürs Quaken

24.11.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

ich habe den Andreas schon von der Türe aus schimpfen hören. So etwas passiert manchmal. Ich bin trotzdem rüber zu ihm an den Schreibtisch. Ich wollte ihn ein bisschen beruhigen. Das war aber gar nicht mehr nötig. Er hat mich angelächelt und gesagt: „Schön dich zu sehen, Paula. Da beruhigt sich mein Blutdruck gleich wieder!“

Das klang für mich sehr gefährlich. Mit Blut und so bin ich eher vorsichtig. Ich habe ganz leise gefragt: „Äh, was habe ich denn mit deinem Blut zu tun?“

„Ja, ja, klar, Paula“, hat der Andreas gesagt, „kein Problem! Aber ich hatte mich eben gerade aufgeregt. Ich hatte einen Text geschrieben. Und plötzlich war er weg. Mein Computer ist abgestürzt.“

Ich habe das nicht so ganz verstanden. Ich bin ans Fenster hinter dem Schreibtisch vom Andreas gewatschelt und habe runtergeguckt. Dann habe ich gesagt: „Na ja, aber da liegt gar kein Computer auf der Straße. Guck mal, der steht doch noch unter deinem Schreibtisch!“

Der Andreas musste lachen. Er hat gesagt: „Oh, Paula, das mit dem Abstürzen sagt man halt so. Der Computer ist einfach kurz kaputt gegangen. Mein Artikel war gelöscht. Da sagt man: ,Der ist abgestürzt.‘ Das kann mal passieren. Aber es hat mich trotzdem sehr geärgert. Dadurch geht dann der Blutdruck hoch.“

„Ja, äh, ach so“, habe ich gemeint, „und was ist das jetzt, dieser Blutdruck? Ist das ein Computerprogramm?“

„Nein, nein. Ich erkläre dir das“, hat der Andreas gesagt. „Das Herz pumpt das Blut durch unseren Körper. Dazu wendet es Kraft auf. Das Blut wird also mit Druck durch unseren Körper gepumpt. Das ist der Blutdruck. Den kann man messen. Warte, ich zeige dir das.“

Der Andreas hat in seine Schublade gegriffen und ein seltsames Gerät rausgeholt. Das war ein Kästchen mit so einer Anzeige. Daran war ein Schlauch. Und an dem Schlauch hing so eine Plastikhülle.

Der Andreas hat sich die Plastikhülle über den Arm gestreift. Dann hat er auf dem Kästchen auf einen Knopf gedrückt. Das Kästchen hat ein Geräusch gemacht. Das Plastikteil am Arm hat sich aufgepumpt. Das sah komisch aus. Ich habe geschnattert: „He, tut das nicht weh?“

Der Andreas hat geantwortet: „Nein, nein, das ist kein Problem!“

Dann hat das Gerät „pffffffftttt“ gemacht. Als würde Luft aus einem Ball rausgehen. Dann hat das Kästchen ein paar Mal „klack“ gemacht. Es schien fertig zu sein. Und es standen da drei große Zahlen darauf.

„So“, hat der Andreas gesagt, „das ist jetzt der Blutdruck.“

Ich habe gefragt: „Ja, äh, da stehen aber drei Zahlen . . .“

„Klar“, hat der Andreas gemeint, „die eine ist der Puls. Also wie oft das Herz schlägt in der Minute. Die anderen beiden Zahlen sind der Blutdruck in Millimeter auf der Quecksilbersäule.“

„Was habe ich geschnattert?“, Quaksilber? Ist das was für Enten? Bekommt man fürs Quaken Silber? Oder wer quakt da?“

Der Andreas musste lachen. Er hat gesagt: „Nicht Quaksilber. Es heißt Quecksilber. Das ist ein flüssiges Metall. Damit hat man früher Fieber gemessen. Und den Druck von Flüssigkeiten und Gasen. Ein bestimmter Druck kann das Quecksilber in einer Säule einen Millimeter hochdrücken. Das heißt das.“

„Ja“, habe ich gefragt, „und wie hoch könnte dann dein Blutdruck das Quecksilber drücken? 130 oder 91 Millimeter? Kann sich das Gerät nicht entscheiden oder ist es so kaputt wie dein Computer vorher?“

Der Andreas musste wieder lachen. Dann hat er gesagt: „Nein, nein. Der Blutdruck wird immer in zwei Werten angegeben. Denn das Herz ist ja eine Pumpe. Deshalb zieht es sich zusammen und geht wieder auseinander. So kann es das Blut in den ganzen Körper pumpen. Die größere Zahl ist der Blutdruck, wenn es sich ganz arg zusammenzieht . . .“

Ich habe den Andreas unterbrochen und dazwischengeschnattert: „Ah ja, ich weiß: Und die kleinere Zahl ist der Blutdruck, wenn sich das Herz entspannt und wieder auseinander geht.“

„Du bist ja echt eine schlaue Ente“, hat der Andreas gesagt. „Deshalb mag ich dich ja auch so sehr. Und deshalb hat sich mein Blutdruck ja auch trotz des Computerärgers wieder beruhigt. Weil du gekommen bist.“

Das hat mich sehr gefreut. Ich hatte aber noch eine Frage: „So, und warum misst man dann denn den Blutdruck überhaupt? Damit man sieht, ob sich einer ärgert?“

„Eigentlich nicht“, hat der Andreas geantwortet, „man kann damit kontrollieren, ob man krank ist. Der Blutdruck sollte nicht dauernd zu hoch sein. Das kann gefährlich sein. Er geht aber auch geschwind und vorübergehend nach oben. Wenn man sich schnell bewegt. Oder eben wenn man sich aufregt. Das ist auch ganz gut so. Dann kann der Körper mehr leisten. Bei deinen Vogelkumpels ist er zum Beispiel beim Fliegen sehr hoch. Für die Urzeitmenschen war das auch wichtig: Die konnten dann besser vor fiesen Tieren abhauen.“

Das fand ich interessant. Ich werde meinen auch mal messen. Wenn mich der Andreas mal wieder ärgert. Eure Paula

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