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Paula hätte am Tag der Arbeit natürlich gearbeitet

04.05.2013 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

das war echt komisch am Mittwoch. Ich wollte mal beim Andreas vorbeischauen. Er ist mir schon entgegengekommen. Er hatte einen Rucksack auf dem Rücken und Wanderschuhe an. Er war sehr gut gelaunt. Seine Familie und Freunde waren auch dabei. Das hat mich sehr gewundert. Deshalb habe ich gleich mal losgeschnattert: „He, wie siehst du denn aus? Und wo willst du denn hin? Gehst du so in die Redaktion?“

„Nein, nein, keine Bange, Paula“, hat er geantwortet. „Ich gehe heute nicht in die Redaktion. Heute ist Tag der Arbeit.“

Ich habe ihn mit meinen großen Entenäuglein angeschaut, als wäre er ein Weltwunder. Er hat gemeint: „He, Paula, was guckst du mich denn an als wäre ich ein rosafarbener Elefant mit grünem Rüssel?“

„Ja, wer soll das denn verstehen?“, habe ich weitergeschnattert. „Ausgerechnet am Tag der Arbeit willst du nicht arbeiten? Ausgerechnet heute wanderst du?“

Der Andreas musste lachen. Aber er hat schnell wieder aufgehört und gemeint: „Also gut, Paula, am besten schnappst du dir auch einen Rucksack, ladest einen Salat und eine Flasche Wasser ein, schnappst dir einen Wanderstock, und dann watschelst du mit uns ein Stück des Weges. So weit du willst. Und dabei erkläre ich dir das.“

Damit war ich einverstanden. Obwohl ich mir schon komisch vorgekommen bin. Ich habe gesagt: „In Ordnung, auch wenn das doch seltsam ist, wenn eine Zeitungsente ausgerechnet an einem Arbeitstag nichts arbeitet.“

Ich habe dann tatsächlich meine Ausrüstung bekommen. Wir sind losgelaufen, und der Andreas hat auch gleich begonnen zu erzählen: „Also, das ist so Paula: Heute ist der 1. Mai. Das ist ein Feiertag für alle Arbeiter der Welt. Du musst dir das so vorstellen: Vor beinahe 130 Jahren waren die Arbeiter in der ganzen Welt noch sehr arm. Sie mussten lange und hart arbeiten. Und sie haben wenig Geld dafür bekommen. Sie mussten machen, was die Fabrikbesitzer wollen. Dann gab’s in Amerika in der großen Stadt Chicago einen großen Streik. Bei einem Streik hören die Arbeiter auf zu arbeiten. Die Arbeiter wollten vor allem eines: Sie wollten nur acht Stunden am Tag arbeiten müssen und nicht mehr zwölf. Daraufhin wollten sie die Fabrikbesitzer gar nicht mehr arbeiten lassen. Sie wollten sich andere Arbeiter suchen. Die sollten dann wieder so lange für ganz wenig Geld arbeiten. Die alten Arbeiter hätten dann nicht mehr ihre Familien ernähren können. Die Arbeiter haben dann demonstriert.“

Ich habe den Andreas groß angeguckt. Ich mag ja solche Fremdwörter gar nicht. Der Andreas hat das gemerkt und gemeint: „Das Wort ,demonstrieren‘ kommt wieder von den alten Römern. Es heißt eigentlich einfach nur ,zeigen‘. Tja, und bei einer Demonstration zeigt man einfach seine Meinung oder seine Forderungen. Man kann das mit Plakaten oder mit lauten Sprechchören tun. Die Arbeiter in Amerika haben das damals gemacht. Dabei haben sie großen Ärger mit der Polizei bekommen. Es gab eine riesige Schlägerei. Dabei wurden viele, viele Menschen verletzt und einige sogar getötet. Deshalb hat man später gesagt: Am 1. Mai gedenken wir an die Arbeiter, die sehr mutig für ihre Rechte gekämpft haben.“

Das war ja eine traurige Geschichte. Ich habe zum Andreas gesagt: „Das ist gut, dass es heute so etwas nicht mehr gibt.“

„Da hast du recht“, hat der Andreas gesagt, „zumindest gibt es das in so modernen Ländern wie Deutschland und auch in Amerika nicht mehr. Man erinnert einfach daran, dass viele normale, arme Menschen einmal für ihre Rechte kämpfen mussten.“

Das war mir dann klar. Aber eines hatte ich nicht verstanden. Ich habe den Andreas gefragt: „Ach, und die armen Menschen, die armen Arbeiter, mussten damals immer laufen. Deshalb gehen wir heute wandern?“

Der Andreas musste lachen. Aber dann hat er gesagt: „Das ist eine interessante Überlegung! Aber das stimmt nicht. Der 1. Mai ist einfach ein Feiertag ohne Arbeit, der mitten im Frühling liegt. Da freuen sich die Menschen. Denn sie können jetzt wieder in der schönen Natur sein. So ein Feiertag war natürlich auch für die armen Arbeiter damals ganz toll. Dann hatten die auch einmal Zeit, im Frühling draußen spazieren zu gehen. Deshalb sind die Wanderungen zu einer Tradition geworden. Manche nehmen sogar einen kleinen Leiterwagen mit. Darin haben sie dann was zu essen und was zu trinken.“

Das hat sich gut angehört. Wir haben aber keinen Leiterwagen dabei gehabt. „Hm, sind wir denn keine richtigen Maiarbeitswanderer, so ganz ohne Leiterwagen?“, wollte ich vom Andreas wissen.

Der Andreas musste noch einmal lachen. Und er hat gemeint: „Keine Angst, Paula. Das zählt auch ohne Leiterwagen. Du hast ja jetzt auch einen richtig dicken Maien dabei.“

„Was? Ich habe einen ganzen Monat dabei?“, habe ich ganz verdutzt gefragt.

Und wieder hat der Andreas gelacht und gemeint: „Nein, nein, du hast keinen Monat dabei. Aber einen schönen Zweig nennt man auch Maien. Und du hast ja einen richtig schönen Ast dabei als Stock.“

Das hat mir gefallen. Ich habe mir vorgenommen, den Stock mir gleich für das nächste Jahr zu behalten. Eure Paula

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