Paulas Nachrichten

Paula hält die Klappe

25.05.2019, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Darf man heimlich gedrehte Filme einfach veröffentlichen?

Hallo, liebe Kinder,

diese Woche habe ich mich sehr gefreut. Ich war zum Andreas in die Redaktion gewatschelt und er hat gesagt: „Ganz viele Kinder machen bei deinem Puzzleposter mit. Das ist echt toll!“

Tatsächlich schneiden viele Kinder die Teile aus und kleben sie in den großen Umriss von mir. Ich habe dem Andreas geantwortet: „Ja, klar! Ich bin auch froh. Zum Glück habe ich dir das erlaubt!“

Der Andreas hat mich komisch angeguckt und gemeint: „Na hör’ mal, Paula, das ist doch klar für dich! Als Zeitungsente wirst du oft fotografiert. Und Bilder von dir sind doch jeden Tag in der Zeitung. Das musst doch nicht erlauben!“

Das habe ich jetzt nicht so richtig verstanden. Ich habe ein bisschen rumgestottert: „Ja, äh, fotografieren ist doch klar! Auch die Bilder von mir dann in der Zeitung abdrucken ist doch auch in Ordnung. Ich habe doch das mit der Schere gemeint. Dass man mich, äh, das Bild von mir auseinanderschneidet. Das habe ich erlaubt. Und das habe ich gemeint. Aber das war ja sowieso nur Spaß!“

„Ach so“, hat der Andreas gemeint, „denn ich würde auch nie heimlich ein Foto von dir machen und dann auch noch anderen zeigen. Das macht man nicht. Das darf man ja auch nicht.“

Ich musste kurz überlegen. Denn in dieser Woche hatte ich etwas sehr interessantes in der Zeitung gelesen. Deshalb habe ich den Andreas gefragt: „Hm, heimlich fotografieren geht nicht. Klar. Und, äh, ja, äh, wie ist das mit dem Filmen? Darf man das dann etwa machen? Einen heimlich filmen und dann anderen zeigen? Ohne dass man fragt? Ohne dass der auf dem Film das will?“

„Ah“, hat der Andreas gemeint, „du bist ja ehrlich eine ganz schlaue und neugierige Zeitungsente! Meinst du den Film mit den Politikern aus Österreich?“

„Ja“, habe ich gesagt, „die mussten dann ja nach dem Film ihren Job aufgeben. Die wollten bestimmt nicht, dass sich alle den Film anschauen können. Darf man die einfach fotografieren und filmen und das dann zeigen?“

„Na ja“, hat der Andreas geantwortet, „eigentlich darf man Politiker und so schon fotografieren und filmen. Das ist wie bei den berühmten Schauspielern oder den bekannten Musikern. Oder auch bei dir als Zeitungsente. Das sind alles Personen des öffentlichen Lebens! So nennt man das. Die stehen schon wegen ihres Berufs so in der Öffentlichkeit!“

„Ach, und warum regen die sich dann so auf über den Film in Österreich?“, wollte ich wissen.

„Tja, der Film wurde heimlich gedreht. Die haben da gar nichts davon gewusst. Und dann wurde er einfach im Internet gezeigt. Das haben Kollegen von uns gemacht“, hat der Andreas mir erklärt.

„Kollegen von uns?“, habe ich mich gewundert. „Aber du hast doch vorher gesagt: Du würdest mich nicht heimlich filmen oder fotografieren. Warum haben die das dann gemacht?“

Der Andreas musste eine ganze Weile überlegen. Dann hat er mir geantwortet: „Na ja, Paula. Weil das ganz arg wichtig war. Man sagt: Da hat die Öffentlichkeit, also wir alle, ein Recht darauf, das zu wissen. Oder man sagt: Da gibt es ein öffentliches Interesse. Das ist dann wichtiger als der Schutz vor dem heimlichen Filmen oder Fotografieren.“

Jetzt musste ich überlegen. Dann habe ich gesagt: „Ach, und was ist dann so wichtig mit den Politikern in Österreich?“

Der Andreas hat gemeint: „Das ist einfach zu erklären. Der Film ist vor ihrer Wahl entstanden. Die hatten sich mit komischen Typen getroffen. Die dachten: Das sind ganz reiche russische Firmenbesitzer. Sie wollten von denen Geld für ihren Wahlkampf. Zum Beispiel für Werbung für sie im Fernsehen und in den Zeitungen und im Internet. Dafür haben sie ihnen Aufträge vom Land Österreich für ihre Firmen versprochen. Zum Beispiel zum Bau von Straßen. Die Versprechen wollten sie dann als Regierungsmitglieder einlösen. Das darf man aber nicht. Die Politiker dürfen nicht für Geld etwas versprechen. Die müssen das tun, was das beste für das Land ist.“

„Ah“, habe ich gemeint, „dann haben die die sozusagen bei etwas Fiesem oder Bösem gefilmt. Und als alle das gesehen haben, mussten sie zurücktreten. Das ist gut so. Aber das macht mir als öffentliche Ente ja gar nichts aus. Ich mache ja nichts Böses oder Blödes!“

„Na ja“, hat der Andreas gemeint und eine Augenbraue nach oben gezogen. „Das glaube ich auch nicht. Ich würde dir aber trotzdem immer sagen, wenn die Klappe fällt.“

Jetzt habe ich komisch geguckt und gleich losgeschnattert: „Ich soll die Klappe halten? Wieso das denn?“

„Ach, Paula“, hat der Andreas geantwortet, „das sagt man so. Das ist aus der Filmsprache. Die Filmmenschen haben so eine Klappe. Wenn sie mit der klappern, weiß jeder: Jetzt muss man aufpassen und ruhig sein, weil der Film gedreht wird. Ich zeige dir das mal.“

Der Andreas hat dann so eine Klappe geholt. Ich habe mal ganz laut damit geklappert. Und dann haben wir mit dem Handy einen Film von mir gedreht. Aber einen lustigen Film. Eure Paula

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