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Paula geht ein Lichtlein auf

08.12.2012 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

puh, ist das schön! Der Schnee ist echt toll! Der Andreas ist gestern sogar freiwillig in die Redaktion gelaufen. Deshalb war ich vor ihm da. Er war dann am Ziel ganz weiß. „He, kommst du aus dem Wald? Du siehst ja aus wie der Weihnachtsmann!“, habe ich gelacht.

Er hat sich erst einmal geschüttelt wie ein Hund. Ich bin davon auch ganz nass geworden. Aber mir macht das ja nichts aus. Ich liebe ja den Schnee. Und ich war ja vorher auch schon richtig draußen.

„Was? Der Weihnachtsmann?“, hat er gefragt und durch seine Brille gezwinkert. Die war nämlich ganz undurchsichtig. Ich konnte gar nicht erkennen, ob seine Augen lieb oder böse gucken. „He, putz’ erst einmal deine Brille! Sonst sehe ich dich gar nicht richtig!“, habe ich zu ihm gesagt.

„Ist ja schon gut, Paula! Aber die Brille ist nicht dreckig. Die ist nur beschlagen“, hat er geantwortet.

Ich habe das nicht verstanden. „Was? Du hast deine Brille geschlagen? Und wenn die kaputtgeht? Dann siehst du gar nichts mehr!“

Der Andreas hat den Kopf geschüttelt. „Aber, Paula“, hat er gesagt. „Ich habe doch die Brille nicht geschlagen. Die ist beschlagen!“ Er hat das „be“ von dem „beschlagen“ ganz arg betont. Dann hat er weitergesprochen: „Ich erkläre dir das: Die Brillengläser sind richtig kalt. Wenn ich reinkomme, trifft die warme Luft aus dem Zimmer auf die kalten Brillengläser. Die kalten Brillengläser kühlen die Luft ab. Kalte Luft kann aber nicht so viel Feuchtigkeit aufnehmen wie warme Luft. Deshalb gibt die Luft ganz kleine Tröpfchen ab. Die sieht man dann auf den Brillengläsern. Kapiert? Ist dir jetzt ein Licht aufgegangen?“

Das mit der Brille hatte ich dann ja verstanden. Aber was sollte das mit dem Licht? Ich bin heimlich in die Küche gewatschelt. Da hängt nämlich ein Spiegel. Aber ich habe nicht besonders geleuchtet. Das einzige Licht war das an dem Adventskranz am Eingang der Redaktion. Ich habe eine Kollegin vom Andreas gebeten, noch einmal ein Licht anzuzünden. Die hat das gemacht. Prompt kam der Andreas wieder vorbei. Ich habe gesagt: „Siehst du, jetzt ist mir ein Licht aufgegangen!“

Der Andreas musste lachen. „Aber Paula, das ist doch nur so eine Redensart. Das sagt man, wenn man etwas verstanden hat. Man stellt sich vor: Wenn die Sonne aufgeht und für Licht sorgt, kann man die Dinge erkennen, wie sie wirklich sind.

Das mit dem Adventskranz hat aber eine andere Bedeutung. Deshalb musst du das zweite Licht auch wieder ausmachen. Das darfst du erst am Sonntag anmachen. Dann ist zweiter Advent!“

Ich habe das Licht ausgepustet. Aber das hat mir nicht so richtig gepasst. Der Andreas hat gelächelt und mich in den Arm genommen: „Also, das ist doch ganz einfach, Paula. Das sind Adventskerzen. Das Wort ,Advent‘ kommt von den alten Römern. Da hieß ,Adventus‘ so viel wie ,Ankunft‘. Damit meint man die Ankunft, also die Geburt von Jesus. An den Kerzen können wir somit sehen, wann Weihnachten ist. Wir fangen vier Sonntage vorher an zu zählen!“

„Ich finde aber die Lichter so schön. Können wir dann nicht vier Sonntage vorher anfangen und jeden Tag ein Licht anzünden? Dann wären das viel mehr Lichter!“, habe ich gemeckert.

„Die Idee ist gar nicht so schlecht, liebe Paula. Der allererste Adventskranz hat auch wirklich viele, viele Kerzen gehabt. Den hat nämlich vor beinahe 200 Jahren ein Pfarrer in Hamburg erfunden. Der hat sich in einem Heim um Kinder gekümmert. Die haben ihn immer genervt. Die wollten immer wissen, wann endlich Weihnachten ist. Dann hat er gesagt: ,Wir zünden am ersten Advent die erste Kerze an. Und dann zünden wir jeden Tag eine an. Wenn dann alle Kerzen brennen, ist Weihnachten.‘

Später wollten immer mehr Menschen so einen schönen grünen Kranz mit Kerzen. Aber ein Kranz für 24 Kerzen war schwer zu flechten. Der wäre ganz schön groß geworden. Deshalb macht man einfach einen Kranz mit vier Kerzen und zündet jede Woche an jedem Adventssonntag eine an.“

„Na gut“, habe ich gemeint, „dann warte ich halt bis Sonntag. Dann zünden wir die nächste Kerze an.“

Der Andreas hat mich gelobt und gesagt: „Das ist sehr schlau, Paula. So ein bisschen Geduld ist doch ganz gut. Schließlich ist Vorfreude die schönste Freude.“

Da hat er natürlich recht, liebe Kinder. Aber es ist manchmal gar nicht so einfach, geduldig zu sein. Oder? Eure Paula

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