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Paulas Nachrichten

Paula gefällt die uralte Scheibe

02.07.2011 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

vor Kurzem bin ich zum Andreas gekommen. Er hat gerade CDs aufgeräumt. Ihr wisst schon: Das sind die silbernen Scheiben mit Musik drauf.

„Hast du dir im Urlaub neue CDs gekauft?“, habe ich ihn gefragt.

„Nee, nee, Paula“, hat er geantwortet. „Das sind alte. Die habe ich im Urlaub dabeigehabt.“

Plötzlich aber hat er gelacht und gemeint: „Warte mal, Paula. Ich habe mir tatsächlich eine neue CD gekauft.“

Mit diesem Worten hat er mir eine Tontafel zugeworfen. Da waren lauter komische Zeichen drauf zu sehen. „Die sieht ja lustig aus. Aber die ist ja viel dicker als die anderen Scheiben. Geht die überhaupt in den CD-Spieler?“

Mit den Worten im Schnabel bin ich mit der CD zum CD-Spieler vom Andreas gewatschelt. Das hat ihn plötzlich ganz nervös gemacht.

„Halt, halt, Paula“, hat er gerufen. „Mach das lieber nicht. Sonst geht der CD-Spieler kaputt.“

Das hatte ich mir schon gedacht. Er hatte mich bloß veräppeln wollen. „Lustig, lustig“, habe ich gesagt. „Jetzt hast du echt Glück gehabt. Dann ist das also wirklich keine CD? Was ist es dann?“

Der Andreas hat eine Weile überlegt. Dann hat er gesagt: „Naja, so richtig kann man das nicht sagen, Paula. Das Ding ist uralt. Man nennt es den ,Diskos von Phaistos‘.“

Ich habe den Andreas laut schnatternd gleich unterbrochen: „Ach, eine Disko. Das ist doch eine Kneipe, in der laut Musik gespielt wird. Dann ist das Ding vielleicht doch eine CD!“

Aber der Andreas hat mir gleich widersprochen: „Quatsch, Paula! ,Diskos‘ ist griechisch. Das heißt einfach Scheibe, glaube ich. Und Phaistos ist der Name einer uralten Stadt auf der griechischen Insel Kreta. Dort haben sie die Scheibe gefunden. Die ist sehr wertvoll. Und dort war ich vor Kurzem im Urlaub.“

„Stimmt“, habe ich ihn gehänselt. „Du bist ja extra rechtzeitig zur Fußballweltmeisterschaft der Frauen wieder heimgekommen.“

Das fand er nicht lustig. „Stimmt gar nicht! Die Ferien waren zu Ende. Deshalb mussten wir heim“, hat er gesagt.

Dann wollte ich wissen: „Und du hast die Scheibe einfach mitgenommen?“

Der Andreas hat gelächelt: „Nein, nein, Paula. Ich habe ein paar Euros dafür gezahlt!“

Das habe ich gar nicht kapiert: „Das Ding ist uralt? Und sehr wertvoll? Und du gibst denen einfach ein paar Euro dafür? Ist das wegen der Euro-Krise? Die Griechen müssen doch so sehr sparen, habe ich in der Zeitung gelesen. Und das nützt du einfach aus? Das finde ich voll unfair. Und fies!“

Ich habe mich richtig warm geschnattert und wollte gar nicht mehr aufhören mit dem Schimpfen.

Der Andreas hat dann aber gesagt: „Aber, aber Paula! Das ist doch nicht das Original! Das ist doch nur nachgemacht. Das Original habe ich mir in einem Museum auf Kreta angeschaut. Das war super. Das Ding ist nämlich über 3500 Jahre alt! So etwas würde ich nie klauen oder so. Die Griechen müssen aber schon sparen. Der Staat hat nämlich viele Schulden. Und wenn sie die nicht zurückzahlen können, bekommen sie Probleme. Deshalb helfen die anderen Länder wie Deutschland. Aber dafür müssen sie fleißig sparen. Ihre tollen alten Sachen aber dürfen sie nicht verkaufen. Das ist ja ihre eigene Geschichte. Das wäre ja, als würden sie sich selbst verkaufen.“

Das hat mich natürlich beruhigt. Ich mag so alte Dinge. Dann habe ich mir die Scheibe mal näher angeschaut. Da waren lauter kleine Bildchen drauf. Da waren Menschen zu erkennen. Und Blumen. Und Tiere auch. Zumindest habe ich ein paar Fische entdeckt. Enten habe ich keine gesehen.

„Ist das ein Comic?“, wollte ich vom Andreas wissen.

„Naja“, hat er geantwortet. „Eigentlich nicht. Vermutlich stehen die Zeichen für Wörter oder Wortteile. Die sind mit Stempeln darauf gedruckt worden. Wie beim Zeitungsdruck früher.“

Das hat mich gewundert. Der Andreas kennt sich sonst mit so altem Zeugs echt gut aus. Und wenn er was nicht weiß, fragt er immer nach. So macht das ein richtiger Reporter eben. Jetzt sagt er nur „vermutlich“. Das habe ich nicht verstanden.

„Hast du denn in dem Museum keinen gefragt, was das bedeutet?“, wollte ich wissen.

Der Andreas hat gelächelt und gemeint: „Doch, doch. Aber kein Wissenschaftler auf der Welt weiß, was die Zeichen bedeuten. Das ist die Schrift von den Minoern. So hieß das Volk. Aber ihre großen Städte sind bei einer geheimnisvollen Katastrophe kaputt gegangen. Und alle geschriebenen Dinge sind dabei verbrannt. Es blieb nur diese Scheibe übrig. Und das ist zu wenig, um die Schrift zu entziffern. Wer die entziffert, wird berühmt!“

„So, und was machst du mit deiner nachgemachten Scheibe?“, habe ich ganz harmlos gefragt.

„Ich hänge sie im Haus auf“, hat der Andreas geantwortet.

Das ist klasse. Dann kann ich sie mir immer anschauen. Vielleicht kann ich das Rätsel ja bald lüften. Dann werde ich eine sehr berühmte Zeitungsente! Eure Paula

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