Paulas Nachrichten

Paula freut sich über den Föhn-Vogel

20.04.2019 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich zum Andreas nach Hause gewatschelt. Der hat sich gerade ein Fotobuch angeguckt. Die Bilder sahen nach Urlaubsbildern aus. Meistens freut er sich dabei und lächelt. Diesmal hat er aber traurig ausgesehen.

Ich habe geschnattert: „He, hast du keine schöne Erinnerungen an den Urlaub? Oder warum siehst du so traurig aus?“

„Doch, doch“, hat der Andreas gesagt, „das war ein schöner Urlaub damals in Paris. Aber schau mal, das ist die berühmte Kirche Notre-Dame. In der hat es jetzt doch gebrannt. Deshalb bin ich traurig. Da ist so viel von der schönen Kirche zerstört worden!“

„Ja, das habe ich gehört. Zeig mir mal die Bilder von der Nodam-Kirche!“, habe ich gemeint.

Der Andreas musste jetzt doch ein bisschen lächeln. Dann hat er gesagt: „Die heißt nicht Nodam! Die heißt Notre-Dame. Das ist Französisch. Das heißt auf Deutsch einfach ,Unsere Frau‘. Gemeint ist damit die Maria. Das ist die Mutter von Jesus. Ihr zu Ehren haben die in der Ritterzeit die Kirche gebaut.“

„Hm, in der Ritterzeit …“, habe ich überlegt, „das ist ja sehr alt. Und jetzt ist so viel kaputtgegangen.“

„Ja“, hat der Andreas gemeint, „deshalb sind nicht nur Christen traurig. Viele, viele Menschen sind traurig. Denn die Kirche gehört einfach zu Paris und zu Frankreich. Das ist so etwas wie ein Wahrzeichen. Man denkt an ganz Paris und Frankreich, wenn man an Notre-Dame denkt. Und umgekehrt. So wie mit unserer Laurentiuskirche hier in Nürtingen. Wenn man die sieht, weiß man: ,Ah, das ist Nürtingen.‘ Die ist ja sogar auf unserem Zeitungstitel immer zu sehen. Weißt du, Paula: Die Laurentiuskirche hat vor 19 Jahren auch gebrannt. Und da waren auch alle Nürtinger sehr traurig und besorgt. Man konnte sie reparieren … Aber jetzt können wir mit den Parisern und den Franzosen mitfühlen.“

„Ja“, habe ich überlegt, „deshalb! Denn wir sind ja eigentlich gar keine Franzosen oder Pariser …“

„Klar“, hat der Andreas mir erklärt, „aber die Franzosen sind unsere Freunde. Und außerdem sind wir alle Europäer. Die Notre-Dame steht auch für Europa. So wie das Brandenburger Tor in Berlin. Oder die tolle alte Towerbrücke in London. Oder das supertolle große Riesenrad in Wien. Die stehen auch nicht nur für ihre Länder. Die sind auch ein Zeichen für ganz Europa. Das zeigt: ,Wir konnten schon früher ganz tolle Sachen bauen.‘ Diese Bauwerke stehen für unsere Kraft und unsere Geschichte. Deshalb sind die uns wichtig.“

Ich habe weiterüberlegt. Dann habe ich gesagt. „Ah ja, jetzt verstehe ich das: Deshalb sind auch Menschen traurig, die nicht in die Kirche zum Gottesdienst oder zum Beten gehen, gell?“

„Ja“, hat der Andreas gesagt. Und er hat mir ein paar Bilder mehr gezeigt von der Notre-Dame-Kirche. Die hatte auch wunderschöne bunte Fenster.

Dann hat er plötzlich ganz freudig ausgesehen. Er hat gelächelt und ganz aufgeregt auf einen kleinen spitzen Turm gezeigt und gemeint: „Guck mal, Paula. Das ist der kleine Turm. Der ist leider eingestürzt. Und …“

Ich habe ihn unterbrochen und sauer losgeschnattert: „Eingestürzt? Und da freust du dich? Ich glaube, du spinnst!“

„Nein, nein“, hat der Andreas gemeint. „Hör mir doch erst mal zu! Hier auf der Spitze, ganz oben, man kann es auf dem Bild nicht richtig erkennen: Da sitzt ein Hahn. Und der ist jetzt der Phoenix aus der Asche.“

Jetzt habe ich den Andreas angeguckt wie ein Auto. Ich habe gemeint: „Ein Föhn-nix? Ist das der französische Name für Gockel? Nee, ich weiß: Der sitzt da oben immer im Wind. Und deshalb braucht er keinen Föhn! Gell?“

Der Andreas hat ganz arg die Augen verdreht. Dann hat er gemeckert, beinahe wie eine Ziege: „Oh, nee, Paula. So ein Quatsch! Phoenix schreibt man mit P-h-o-e-n-i-x. Das ist nicht Französisch. Und es hat auch nichts mit einem Föhn zu tun. Es gab bei den alten Ägyptern ein Märchen vom Phoenix. Der Phoenix war da ein Zaubervogel. Der verbrannte am Ende seines Lebens im Feuer. Aber aus der Asche ist er dann wieder als neuer Vogel auferstanden. Immer wieder. Deshalb ist das mit dem ,Phoenix aus der Asche‘ ein Sprichwort. Das bedeutet: Man glaubt, dass etwas verloren oder zerstört ist. Aber dann taucht es plötzlich wieder auf.

Und in Paris haben sie gedacht: der Gockel hier von der Kirchturmspitze ist im Feuer zerstört worden. Aber ein Mann hat ihn in der Asche von der Kirche gefunden und gerettet. Das ist doch ein tolles Zeichen! Der Vogel zeigt ihnen: Es ist nicht alles kaputt. Wir können unser Wahrzeichen und unsere Kirche wieder aufbauen!“

„Das ist ja dann ein richtig guter Gockel, der Föhn-Vogel! Auch wenn er keine Ente ist!“, habe ich gesagt und gelacht. Eure Paula

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