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Paula flattert auch ohne Motor

31.07.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Paulas Thema heute: Warum machen die Menschen aus dem Fliegen so eine große Schau?

Hallo, liebe Kinder,

ich ertappe den Andreas gerade in der Mittagspause immer wieder bei einer ganz bestimmten Sache: Er sitzt dann da mit einer Tasse Kaffee und einem Fotoalbum. Oft sind da Bilder von Amerika drin. Das ist eines seiner Lieblingländer. Und wegen Corona kann er ja schon seit einer Weile nicht mehr hin.

Ich schaue dann manchmal die Alben mit ihm an. Diesmal waren die Bilder seltsam. Auf einem Bild waren ganz viele große Flugzeuge in einer großen Halle zu sehen. Ich habe geschnattert: „Hä? Was ist denn das für ein Haus? Fliegen in dem Flugzeuge durch die Gegend? Die sind schon komisch, deine Amerikaner!“

Der Andreas hat mich mit ganz großen Entenäuglein, äh, Menschenaugen natürlich, angeguckt. Dann hat er gemeint: „So ein Quatsch, Paula! Das gibt es nicht einmal in Amerika! Die Flugzeuge hängen da in einer riesigen Halle im Smithsonian National Air And Space Museum in der Hauptstadt Washington von den Vereinten Staaten von Amerika. Da war ich mal. Das ist richtig toll!“

„Gut“, habe ich gemeint, „und wie heißt das Smissizonendingsmuseum auf deutsch, für kleine Zeitungsenten zum Mitschreiben?“

Der Andreas musste lächeln. Dann hat er gesagt: „Das heißt Smithsonian in Erinnerung an den schlauen Wissenschaftler Smithson. Es gibt einige solche Museen. Und das hier ist das nationale Luftfahrt- und Weltraummuseum. Da steht sogar das erste Flugzeug mit Motor im Original. Das ist der Kitty Hawk Flyer, der Kitty Hawk Flieger, von den Gebrüdern Wright. Mit dem haben die den ersten bemannten und motorisierten Flug hinbekommen. Das war 1903. Vor 118 Jahren.“

„Naja“, habe ich gemeint, „das ist schon seltsam. Ein ganzes Museum für die Weltraumfahrt könnte ich ja verstehen. So mit Raketen und so zum Mond und ganz weit ins Dunkle zu fliegen: Das ist ja schon was ganz besonderes. Aber einfach ein ganzes Museum für die Fliegerei? Da müssten wir Enten und Zeitungsenten mit den anderen Vögeln zusammen auch ein Flugmuseum haben. Und da würden wir dann einfach Bilder von uns und Federn und so ausstellen. Wir fliegen ja auch durch die Gegend.“

Jetzt hat mich der Andreas wieder riesengroß angeguckt. Mit seinen immer größer werdenden Menschenäuglein. Dann hat er gemeint: „Äh, naja, aber Paula! Merkst du das nicht? Da ist doch ein ganz klarer Denkfehler bei dir vorgekommen! Das ist es doch gerade: Die Vögel können einfach fliegen. Ja, äh, und wir Menschen können nicht fliegen. Höchstens die Treppe runter. Und dann ist das mit der Landung so ein Problem. Deshalb fasziniert uns das Fliegen so sehr. Ja, und irgendwie wollten wir das den Vögeln immer nachmachen. Da gab es vor über 120 Jahren den Otto Lilienthal in Deutschland. Der hat versucht zu fliegen wie die Vögel. Arg weit ist er nicht damit gekommen. Aber er hat immer an seinen Traum geglaubt. Ja und in Amerika gab es in dem Kaff Kitty Hawk die Brüder Orville und George Wright. Die haben verstanden: Zum richtigen Fliegen braucht der Mensch nicht nur Flügel, sondern auch einen Motor. Aber weit sind die mit dem Kitty Hawk Flieger auch nicht gekommen. Sie schafften aber immerhin in knapp einer Minute 260 Meter. Damit war ein Anfang gemacht. Es hat gezeigt: Man kann auch mit so schwereren Maschinen fliegen.“

„Ah ja“, habe ich gemeint, „dann verstehe ich das. Man findet immer toll, was man eigentlich nicht selber kann.“

„Genau“, hat der Andreas gemeint, „deshalb findest du das mit dem Mondflug und so auch toll. Denn da können Enten auch nicht hinflattern. Da müssten sie sich schon eine Rakete schnappen. Aber das normale Fliegen habt ihr einfach drauf. Fast alle Vögel haben das drauf!“

„Klar“, habe ich gemeint, „das ist so, weil ihr nur Arme habt. Und wir haben Flügel!“

„Ja“, hat der Andreas gemeint, „aber das ist nicht der einzige Vogeltrick. Eure Körper sind auch so für das Fliegen viel besser. Ihr habt einen stromlinienförmigen Körper. Das heißt: Euer Körper leistet der Luft nicht so viel Widerstand. Die Luft zischt schneller an euch vorbei – wie an einem Pfeil. Eure Flügel sind auch so gebaut. Über den Flügel zischt die Luft schneller vorbei als darunter. Dadurch ist über den Flügeln weniger Luft als unten und das saugt die Flügel richtig nach oben. Das machen die Menschen mit ihren Flugzeugflügeln genauso.“

„Ah“, habe ich geschnattert, „ihr macht uns das also nach!“

„Genau“, hat der Andreas gemeint, „die Flugzeugerfinder früher wie der Lilienthal oder die Wrights haben sich die Vögel genau angeguckt.

Aber ich finde noch eine Vogelsache richtig gut: Ihr seid im Verhältnis zu eurer Körpergröße viel leichter als andere Tiere oder die Menschen. Ihr habt nämlich auch hohle Knochen. Die sind oft mit Luft gefüllt. Wir Menschen haben viel schwerere Knochen. Tja, deshalb fliegt ihr einfach los. Und wir brauchen Flugzeuge. Und deshalb bauen wir dafür auch Museen.“

„Na gut“, habe ich gemeint, „aber unsere Kleinen müssen auch erst fliegen lernen. Aber das ist eine andere Geschichte. Die erzählen wir andermal.“ Eure Paula

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