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Paula feiert wieder mit den Fans

28.06.2008 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Paula feiert wieder mit den Fans

Hallo liebe Kinder,

letzte Woche habe ich mich ja sehr gewundert. Irgendwie hatte ich mich ja an die schwarz-rot-goldenen Fahnen gewöhnt gehabt. Ich bin ja jetzt auch ein Fußball-Deutschland-Fan. Aber in dieser Woche waren auf den Straßen ganz viele Menschen mit anderen Fahnen unterwegs. Die waren rot. Und sie hatten einen Stern und einen Halbmond darauf.

Also bin ich mal zum Andreas gewatschelt. Ich habe ihn gefragt: He, was sind das denn für Flaggen mit Mond und Stern? Kommen die aus einem Land, in dem nie die Sonne scheint und die Leute deshalb Mond und Sterne so mögen?

Der Andreas musste lachen. Nein, nein, Paula, hat er gesagt, in dem Land scheint sogar sehr viel die Sonne. Die Flagge gehört zur Türkei. Und dort scheint so viel die Sonne, dass viele Menschen dorthin in Urlaub gehen.

Da musste ich kurz überlegen. Wenn viele Deutsche in die Türkei in den Urlaub gehen, weil dort viel die Sonne scheint, kommen dann all die Menschen aus der Türkei hierher zu uns, weil sie es gerne mal ein bisschen kühler haben?, habe ich mir gedacht.

Ich habe den Andreas gefragt: Sind die Türken dann alle bei uns auf Urlaub?

Und der hat wieder gelacht. Im Gegenteil, Paula! Die Menschen sind hier, weil sie hier arbeiten. Pass auf, ich erkläre dir das: Vor vielen Jahren, nach dem großen Krieg, gab es in Deutschland sehr viel Arbeit. Die Menschen haben wieder Firmen aufgebaut. Die konnten viel verkaufen, weil die Menschen wenige Dinge hatte und alle etwas wollten. Autos zum Beispiel. Oder Fernseher. Das war damals etwas ganz Neues. Etwas ganz Besonderes. Da gab es in Deutschland so viel zu tun, dass die Deutschen alleine das gar nicht mehr hinbekommen haben.

Deshalb haben sie in anderen Ländern gefragt, ob die Menschen nicht zu uns kommen wollen zum Arbeiten. Tatsächlich gab es in anderen Ländern wenig Arbeit, und die Menschen waren arm. Also sind viele zu uns gekommen. Viele sind zum Beispiel auch aus der Türkei gekommen. Viele der Menschen sind dann hier geblieben und haben Kinder bekommen. Und die kriegen wieder Kinder. Die sind dann richtig in Deutschland zu Hause. Aber irgendwie hängen sie natürlich auch noch an der Türkei, hat der Andreas erklärt.

Das kann ich verstehen, habe ich gesagt. Das ist ja noch ihre Heimat. Oder die Heimat ihrer Eltern und Großeltern. Die vergisst man ja nie!

Richtig, Paula, hat der Andreas gesagt. Und deshalb freuen sich die Türken, die hier bei uns leben, auch mit ihrer türkischen Mannschaft. Oder sie sind traurig, wenn sie verlieren.

Das war ja dann am Mittwoch so, liebe Kinder. Irgendwie haben mir die Türken leidgetan, obwohl ich mich ja schon für die deutsche Mannschaft gefreut habe.

Es ist schade, dass nicht beide gewinnen können, habe ich zum Andreas gesagt.

Der hat aber gemeint: Weißt du, Paula, dann wäre ein Fußballspiel aber ganz schön langweilig, wenn immer alle gewinnen würden. Das Allerwichtigste ist aber doch, hat der Andreas gesagt, dass die türkischen und die deutschen Menschen auch in Nürtingen friedlich zusammen gefeiert haben. Das ist doch der größte Sieg, wenn sich die Menschen verstehen, hat er gemeint.

Da hat er ja auch recht. Oder, liebe Kinder? Ich habe eine Idee: Am Sonntag machen wir das mit den Spaniern genauso. Der Andreas hat mir nämlich gesagt, dass es auch viele Menschen aus Spanien hier bei uns gibt.

Also, feiern wir wieder zusammen. Auch wenn ich hoffe, dass die deutsche Mannschaft gewinnt! Eure Paula

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