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Paula feiert noch nicht Hochzeit

02.02.2013 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich zum Andreas gekommen. Er hat mich ganz komisch angegrinst. Das macht er manchmal. Vor allem, wenn er mich irgendwie ärgern will. Deshalb habe ich zu ihm gesagt: „Na, was ist los? Du hast doch bestimmt einen komischen Spruch auf Lager, oder? Du guckst doch schon so!“

Er hat ganz empört getan und mit dem Kopf geschüttelt. „Ich? Nein, nein! Ich doch nicht! Ich würde dich doch nie mit einem komischen Spruch ärgern wollen!“, hat er gesagt. Dann war er eine kurze Weile ruhig. Aber nur kurz: „Äh, aber Paula, sag’ mal, stimmt es, dass du heiratest?“

„Ich soll heiraten? Ich bin doch noch eine kleine Zeitungsente!“, habe ich ihn ganz wütend angeschnattert.

„Na, nun reg dich doch nicht so auf“, hat der Andreas geantwortet, „heiraten ist doch nicht schlimm!“

Aber ich habe gleich weitergeschnattert: „Darum geht es doch gar nicht! Aber ich heirate eben nicht! Wie kommst du denn da überhaupt drauf?“

Der Andreas hat gesagt: „Na, dann komm mal. Ich zeige dir was!“

Wir sind zu seinem Schreibtisch gegangen und er hat mir ein Bild auf seinem Computer gezeigt. Da war ein wunderschön gedeckter Tisch zu sehen. Vorne stand eine Serviette. Auf der war wirklich mein Name zu lesen: „Paula“.

Der Andreas hat gesagt: „Das hat ein Kollege fotografiert. Der war letzte Woche bei der Hochzeitsmesse in der Stadthalle. Da werden den Menschen Ideen gezeigt, wie sie ihre Hochzeit feiern können. Na ja, und da hat er eben deinen Namen entdeckt. Aber natürlich ist das nur ein Spaß. Es gibt ja noch andere Paulas! Ärgere dich also nicht. Ich dachte mir schon, dass du nicht heiratest. Obwohl das schade ist. So eine Hochzeit ist immer schön.“

Irgend etwas ist mir komisch vorgekommen. „Heiraten? Hochzeit? Warum gibt es eine Hochzeit, wenn jemand heiratet und keine Heirat?“

Der Andreas hat kurz überlegt. Dann hat er mir erklärt: „Eigentlich ist das nicht schwer. Also, das Wort Hochzeit meint eigentlich das Fest. Früher, noch zur Zeit der Ritter, hat man überhaupt alle möglichen Feste als Hochzeiten bezeichnet. Das waren einfach ,Hohe Zeiten‘. Richtig schöne Feste. Heute sagt man das nur noch zu Heiratsfesten.“

„Ach“, wollte ich wissen, „und was heißt dann heiraten?“

Der Andreas hat gelächelt und gemeint; „Na, heute willst du es aber wieder ganz genau wissen. Also, das Wort ,heiraten‘ kommt von zwei alten Wörtern unserer Vorfahren, den Germanen. ,Hei‘ steht einfach für ,Haus‘ oder für die Menschen, die in einem Haus zusammenleben. Und der Wortteil ,rat‘ steht für die Dinge, die man so zum Leben braucht. Na ja, wenn zwei Typen heiraten, dann leben sie zusammen in einem Haus und sorgen für sich. So kann man sich das Wort erklären.“

„Alles klar! Dann ist das natürlich eine Hochzeit, wenn zwei heiraten. Du hast das ja schon gemacht, gell?“, habe ich den Andreas gefragt.

„Na klar, Paula! Ich bin ja auch schon so richtig erwachsen. Deshalb habe ich mich schon vermählt!“, hat er geantwortet.

Das habe ich nun wieder gar nicht verstanden. Ich habe losgeschnattert: „Vermehlt? Was hat denn das mit Mehl zu tun? Deine Frau backt doch immer alleine. Ich habe dich noch nie helfen sehen!“

Der Andreas musste lachen: „Ach so, das Wort heißt ,vermählen‘, mit ,ä‘. Das hat doch mit Mehl gar nichts zu tun. ,Sich vermählen‘ ist nur ein anderen Wort für ,heiraten‘. Das kommt vom alten deutschen Ritterwort ,mehelen‘ und das bedeutet einfach ,versprechen‘. Man verspricht sich ja bei der Heirat, dass man immer zusammenbleibt und für den anderen sorgt. Deshalb heißt das so. Deshalb sollte man sich aber auch gut überlegen, ob man sich trauen lässt.“

„Sich trauen? Hast du denn Angst vor der Hochzeit gehabt?“, habe ich wieder gefragt.

Und der Andreas hat gemeint: „Nein, ,Trauung‘ ist noch ein Wort für Heirat. Das kommt nicht unbedingt von ,trauen‘, sondern von ,vertrauen‘. Wenn man heiratet, vertraut man sich ja gegenseitig. Man glaubt, dass der andere für einen da ist. Und man verspricht sich das ja auch bei der Trauung.“

„Na, ob ich mir all die Namen merken kann?“, habe ich überlegt.

Aber der Andreas hat dazu gesagt: „Das ist ja gar nicht so wichtig. Hauptsache, du lädst mich zu deiner Hochzeit ein. Auch wenn das noch ein paar Jahre dauert.“

„Das ist kein Problem“, habe ich gesagt. Denn schließlich ist der Andreas ja mein Freund. Eure Paula

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