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Paula entdeckt Romerika

14.08.2010 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche hat mir der Andreas ganz leid getan. Er saß alleine auf seinem Sofa und hat ein Fotoalbum angeguckt. Dabei hat er ganz traurig ausgesehen.

„He, was ist denn mit dir los? Hat der VfB schon wieder verloren?“, habe ich ihn gefragt. Ich wollte ihn mit einem Witz ein bisschen aufmuntern.

Er hat dann auch ein bisschen gelächelt und gemeint: „Nein, Paula, die Bundesliga spielt ja noch gar nicht. Ich schaue mir das Fotoalbum von meinem letzten Amerika-Urlaub an. Wir waren genau vor einem Jahr dort. Jetzt habe ich Sehnsucht.“

Das hat mich gewundert: „Du warst doch erst vor ein paar Monaten in Florida. Das ist doch auch Amerika.“

Der Andreas hat das zugegeben: „Das stimmt, Paula. Aber das ist im Osten von Amerika. Und am liebsten bin ich drüben im Wilden Westen. Bei den Cowboys, den tiefen Tälern und den hohen Bergen.“

Ich habe ihn verstanden. Denn ich habe ja in Nürtingen auch meine Lieblingsplätze. Ich wollte ihn weiter trösten: „Das ist doch in Ordnung. Aber du kannst ja nicht immer an die gleichen Plätze in den Urlaub gehen. Und in Amerika warst du ja schon so oft. Du kennst bestimmt schon alles. Dann bleibst du in diesem Sommer einfach bei mir zu Hause. Das ist doch auch schön.“

Jetzt musste der Andreas fast schon wieder lachen: „Ja, klar, Paula. Ich bleibe in diesem Sommer zu Hause bei dir. Aber alles habe ich in Amerika noch nicht gesehen. Ich war bisher bloß in den Vereinigten Staaten von Amerika. Das sind die sogenannten USA. Das schreibt man auf Englisch ,United States of America‘. Aussprechen tut man es ,juneitet stäits of Amerika‘. Das ist ein Land in Nordamerika. Das ist die eine Hälfte des Erdteils. Aber dann gibt es ja noch die südliche Hälfte. Dort und zwischendrin gibt es all die lateinamerikanischen Länder. Die habe ich noch nicht besucht.“

Jetzt habe ich gedacht, ich hätte mich verhört. „Lateinamerikanische Länder?“, habe ich geschnattert. „Warum heißen die denn so? Wird dort noch lateinisch gesprochen? Leben da womöglich noch alte Römer?“

Jetzt war der Andreas wieder ganz der Alte. Er musste herzhaft lachen: „Nein, nein, Paula. Die alten Römer gibt’s nicht mehr. Und Latein wird dort auch nicht gesprochen. Aber du liegst gar nicht so falsch mit deiner Vermutung. Dort werden die sogenannten romanischen Sprachen gesprochen.“

„Romanisch? Was hat das denn mit einem Roman zu tun? Das ist doch ein dickes Buch, das eine Geschichte erzählt. Und ich habe gedacht, Romane gibt es in jeder Sprache! Wie klingt denn dann die romanische Sprache?“, habe ich ihn unterbrochen.

Der Andreas hat mir das dann erklärt: „Also, vor rund zweitausend Jahren, ungefähr zu der Zeit, als der Jesus geboren wurde, haben die alten Römer beinahe ganz Europa mit ihren Soldaten beherrscht. Die waren zum Beispiel im heutigen Frankreich, im heutigen Spanien und Portugal, und natürlich im heutigen Italien. Denn ihre Hauptstadt Rom ist ja heute die Hauptstadt von Italien. Einer ihrer größten Chefs war Julius Caesar. Der war ein mächtiger Militärführer. Er war ganz schön fies zu den Gegnern.“

Der Andreas hat mir dann einen Gipskopf von dem Caesar gezeigt. Der sah gar nicht so fies aus. Naja, der Eindruck täuscht eben manchmal. Der Andreas hat mir erzählt, dass der Typ seine ganze Kriegsgeschichten aufgeschrieben hat. Das Buch gibt es heute noch. Deshalb weiß man auch, wie die früher gesprochen haben, die alten Römer.

Ich wollte dann aber wissen, wie das mit den romanischen Sprachen weiterging. „Die Einheimischen haben nach den verlorenen Kriegen viel von den Römern übernommen“, hat der Andreas weiter erklärt. „Ihre Sprache wurde mit denen der Römer vermischt. Und aus dem Lateinischen entwickelten sich die heutigen Sprachen. Also das Französische, das Spanische, das Italienische, das Portugiesische oder auch das Rumänische.“

„Rumänisch? Das ist doch die Sprache aus Rumänien. Liegt das dann auch in Lateinamerika?“, wollte ich wissen.

„Nein, Paula“, hat der Andreas geantwortet. „Das liegt in Osteuropa. Da waren die Römer auch unterwegs. Deshalb heißt das Land in der Landessprache auch Romania.“

„Aber Frankreich, Spanien, Portugal und Italien liegen doch auch in Europa und nicht in Lateinamerika, oder stimmt mein Atlas nicht mehr?“, habe ich ganz hart nachgefragt.

„Das stimmt natürlich, Paula“, hat er mich beruhigt. „Diese Länder liegen schon in Europa. Aber man spricht eben in vielen amerikanischen Länder romanische Sprachen.“

Jetzt musste ich scharf überlegen: „Dann sind die alten Römer mit Schiffen über das Meer nach Amerika gefahren. Und als die Leute dann ihre Sprache gesprochen haben, sind sie wieder abgehauen?“

Der Andreas hat erklärt: „Nein, die alten Römer waren nie in Amerika. So gerne sind die nicht zur See gefahren. Die blieben in ihrem Mittelmeer. Das haben sie auch ,Mare nostrum‘ genannt, das heißt ,unser Meer‘. Aber viele hundert Jahre später haben spanische und portugiesische Entdecker die Länder in Amerika entdeckt. Dann sind Eroberer aus diesen Ländern dorthin gekommen. Sie waren dann dort die Chefs. So wurden in den Ländern in Amerika europäische Sprachen gesprochen, die sich aus dem Latein entwickelt haben.“

Das war spannend. Ich habe überlegt, dass man die Länder dort auch Romerika hätte nennen können. Oder? Eure Paula

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