Paulas Nachrichten

Paula entdeckt das Ei der Paula

17.03.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche habe ich den Andreas in der Stadt getroffen. Ich habe zu ihm gesagt: „Freust du dich auch so auf den Frühling? Da bekomme ich richtig Lust auf Ostern! Hihihi, ich freue ich mich aufs Eiersuchen!“

Der Andreas hat gelacht und seine Augenbraue ein bisschen nach oben gezogen. Dann hat er gesagt: „Na, dann achte mal gut aufs Wetter. Nicht dass deine Eier einfrieren. Es soll jetzt nämlich wieder kälter werden.“

Der Andreas hat mir auf die Schulter geklopft und gesagt: „Na, keine Angst, Paula! Wer weiß, was bis Ostern ist.“

„Ja“, habe ich geantwortet, „und außerdem kann ich mir ja am Osternestles-markt in Nürtingen am Wochenende etwas kaufen zum Eierwärmen.“

„Stimmt“, hat der Andreas lachend gesagt, „dann hast du für deine Eier das Ei des Kolumbus gefunden.“

Zuerst habe ich geguckt wie ein Auto. Wie ein großes Auto. Wie ein Lastwagen. Ich habe nämlich gar nichts verstanden. Deshalb habe ich ein bisschen überlegt. Dann ist es mir eingefallen. Ich habe losgeschnattert: „He, jetzt weiß ich es wieder! Das hast du mir schon einmal erklärt! Der Kolumbus hat Amerika entdeckt. Dafür ist er sehr berühmt. Und er hat sich mal mit so Typen von der Kirche gestritten. Die haben gemeint, Amerika zu entdecken war einfach. Dann hat er ihnen ein Ei gegeben. Sie sollten es auf die spitze Seite hinstellen. Das haben sie natürlich nicht geschafft. Das Ei ist immer umgefallen. Dann hat Kolumbus das Ei genommen. Er hat es hart auf den Tisch geklopft. Dadurch ist es ein bisschen kaputt gegangen – wirklich nur ein bisschen. Aber es ist dadurch stehengeblieben. Das ist jetzt das Ei des Kolumbus. Wenn man etwas ganz Schwieriges ganz einfach macht. Der war ganz schön schlau, der Entdecker von Amerika!“

Der Andreas hat ganz lässig gemeint: „Ja, der war schlau. Beinahe so wie du. Aber Amerika hat er doch nicht als erster Europäer entdeckt!“

„Äh“, habe ich gemeint, „aber das heißt es doch immer!“

Der Andreas hat gesagt: „Ich zeige dir mal den wirklichen Entdecker von Amerika!“

Dann hat er seinen Computer eingeschaltet und mir ein Bild von einer Figur von einem komischen Typen gezeigt. Der sah ein bisschen wie ein Ritter aus. Aber er hat auch eine riesengroße Axt in der Hand gehabt.

„Der sieht aber gefährlich aus! Oder ist das ein Holzhacker? Hat der in Amerika Holz gehackt?“, habe ich gefragt.

Der Andreas hat gelacht und gemeint: „Na ja, ich weiß nicht! Aber das kann schon sein. Holz hat er vielleicht schon mal gehackt in Amerika. Aber das war nicht seine eigentliche Aufgabe. Der war nämlich Anführer von Wikingern.“

„Von was? Von Wiewas war der Anführer? War das eine Holzfällerfirma?“

„Nein, nein“, hat der Andreas geschnattert, äh, gesagt, „von den W-i-k-i-n-g-e-r-n. Das waren noch vor der Ritterzeit ganz wilde Krieger und Seefahrer aus Nordeuropa. Das alte Wort ,viking‘ hieß auch eigentlich ,Seereise von Kriegern‘. Der Typ mit der Axt ist Leif Erikson. Der wurde vor über tausend Jahren in Island geboren. Island ist eine Insel im Nordatlantik. Sein Vater war der Erik. Der war nach Island gekommen, weil er als Mörder aus Norwegen fliehen musste. Aber dort hat er auch Ärger bekommen. Er musste nach Grönland. Sein Sohn Leif wurde dann in Island geboren. Er hatte auch oft Ärger und fuhr auch viel mit den Wikingerschiffen herum. Nach Grönland und so. Und dann ist er so ein bisschen zufällig nach Neufundland im heutigen Kanada in Nordamerika gekommen.“

„Ha“, habe ich aufgeregt geschnattert, „der Leif hat das so genannt, weil er das Land neu gefunden hat, gell?“

„Äh“, hat der Andreas gestottert, „na ja, das weiß ich jetzt gar nicht so genau. Irgendwie hat der Name schon etwas mit neuem Land zu tun. Aber der Leif hat das Land Vinland genannt.“

„Wien?“, habe ich gefragt, „hat es da so ausgesehen wie in Wien in Österreich?“

Der Andreas hat geguckt wie ein Auto. Dann hat er gemeint: „Äh, nein, das kommt nicht von Wien. Das klingt nur so. Das kommt eigentlich von Wein. Damals war es dort nämlich wärmer als heute. So konnte viel Wein da wachsen. Das Bild zeigt ein Denkmal von Leif in der isländischen Hauptstadt. Da war ich jetzt im Urlaub. Die Amerikaner haben das Denkmal den Isländern geschenkt: Weil der Isländer Leif eigentlich Amerika entdeckt hat.“

„Und wieso erzählen jetzt viele das mit dem Kolumbus?“, wollte ich wissen.

Der Andreas hat gesagt: „Na ja, weil man den Leif wieder ein bisschen vergessen hat.“

„Klar“, habe ich gemeint. „Wahrscheinlich hat er dort mit seinen Kumpels zu viel Wein getrunken. Und dann haben sie alles vergessen und . . .“

„Nee, nee, Paula“, hat mich der Andreas unterbrochen, „Der Leif hat nicht viele Wikinger dorthin gebracht. Und die Seefahrt dorthin war weit und gefährlich. Deshalb waren bald auch keine Wikinger mehr dort. Aber Leif war trotzdem der Entdecker. Darauf sind die Isländer stolz.“

„Na gut“, habe ich gemeint, „und ich entdecke als Wikinger-Ente an Ostern das Ei der Paula. Dann kannst du mir auch ein Denkmal bauen!“ Eure Paula

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