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Paulas Nachrichten

Paula denkt an die Familien der Opfer

07.05.2011 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche habe ich den Andreas einmal am frühen Morgen besucht.

„Komm, Paula, wir gehen ein Stück zusammen“, hat der Andreas zu mir gesagt. Er will nämlich gerade öfter mal in die Redaktion laufen. Das ist ja auch gesund. Dann hat er gelacht und noch dazu gesagt: „Das heißt: Ich gehe und du watschelst!“

Das findet er lustig. Na ja . . . Dabei hat er sich ein blaues Band aus Gummi an seinem Arm übergestreift. Sonst trägt er da immer einen wunderschönen indianischen Armreif aus Silber. Das kam mir komisch vor.

„He, hast du etwa deinen Armreif verloren, du Schlamper?“, habe ich mit ihm geschimpft.

Er hat mich ganz schief angeguckt und geantwortet: „So ein Quatsch! Den verliere ich doch nicht!“

Dabei hat er schon einmal so einen Armreif verloren! Aber ich sollte ihn lieber nicht daran erinnern. Das macht ihn nämlich immer traurig.

Deshalb habe ich mich bei ihm entschuldigt: „Das tut mir Leid! Ich wollte dich nicht an deinen ersten Armreif erinnern. Ich weiß: Das macht dich traurig!“

Der Andreas hat jetzt ganz lieb gelächelt. Er hat mich in den Arm genommen und zu mir gesagt: „Das ist schon in Ordnung, Paula. Eigentlich sollte man wegen Sachen nicht so traurig sein. Aber manchmal ist man das einfach trotzdem. Man verbindet mit manchen Dingen schöne Erinnerungen. Aber Sachen können kaputtgehen. Und Sachen kann man verlieren. Dann ist man wahrscheinlich eher wegen den Erinnerungen traurig. Aber das muss gar nicht sein. Die Erinnerungen kann man ja behalten. Die verliert man ja nicht. Die gehen auch nicht kaputt!“

Das hat mir gefallen. „Das merke ich mir“, habe ich gesagt. „Vielleicht verliere ich ja auch mal etwas.“

Dann habe ich aber wieder das blaue Band gesehen. Ich wusste ja immer noch nichts über das Ding.

„Und das blaue Band? Erinnert dich das auch an etwas?“, habe ich gefragt.

Der Andreas hat kurz überlegt. Dann hat er gemeint: „Aber natürlich! Das ist sogar ein ganz besonderes Erinnerungsband! Das habe ich aus New York. Das ist doch die riesengroße Stadt in Amerika. Die Stadt mit den hohen Häusern und der Freiheitsstatue!“

Der Andreas hat mir schon von dieser Stadt erzählt. Er war einmal im Urlaub dort. „Ach, dann erinnert dich das Band an deinen Urlaub“, habe ich festgestellt.

„Ja, auch das tut es“, hat der Andreas geantwortet. „Es soll aber die Besucher der Stadt noch an etwas ganz Besonderes erinnern. Vor beinahe elf Jahren haben sehr böse Menschen zwei riesengroße Häuser in New York zerstört. Solche bösen Menschen nennt man Terroristen. Das kommt vom lateinischen Wort ,Terror‘. Das heißt auf deutsch einfach ,Schrecken‘. Sie haben zwei Flugzeuge auf die Häuser gelenkt. Ungefähr 3000 Menschen haben sie so ermordet. An der Stelle der zwei Hochhäuser war noch ein riesiges Loch, als ich dort war. Jetzt baut man dort neue Häuser. Daneben gab es so eine Art kleines Museum. Das erzählt mit Bildern und Filmen die Geschichte von den gestorbenen Menschen. Man soll sehen, dass die Opfer auch eine ganz eigene Lebensgeschichte haben. Familien und die Freunde von den Toten haben das kleine Museum gegründet. Wenn man etwas für das Museum spendet, bekommt man so ein Band.“

Ich habe mir das Band genauer angeguckt. Da waren Buchstaben drauf. Ich habe sie aber nicht verstanden. „Das ist englisch, oder?“, habe ich gesagt. „Was steht denn da drauf?“

Der Andreas hat gesagt: „Das Wort ,Tribute‘ spricht man ,tribjut‘ aus. Das heißt ,Anerkennung‘ oder ,Ehrung‘. Man ehrt also das Andenken an die Opfer. Und ,WTC‘ ist eine Abkürzung für ,World Trade Center‘, das spricht man ,Wörld Trejt Sentr‘ aus. Auf deutsch heißt das so viel wie ,Welthandelszentrum‘. So hießen die beiden großen Türme, die beiden großen Häuser. Die ,9‘ steht für den Monat September, die ,11‘ für den Tag. Am 11. September wurden die Häuser zerstört.“

„An einem 11. September wurden die Häuser zerstört?“, habe ich gefragt. „Warum ziehst du dann ausgerechnet jetzt das Band wieder an?“

„Das ist ganz einfach“, hat der Andreas gemeint“, „vor ein paar Tagen haben amerikanische Soldaten einen Mann namens Osama bin Laden gefunden und getötet. Der war mit schuld an dem Überfall. Der hat die Terroristen eigentlich losgeschickt. Er war ihr Chef. Da wird jetzt viel darüber gesprochen. Die Familien und Freunde denken jetzt wieder an ihre toten Lieben. Und ich denke an sie und das Band.“

„Sind die Familien und Freunde jetzt wieder viel trauriger?“, wollte ich wissen.

„Ich weiß nicht, Paula. Sie müssen ja mit der Trauer weiterleben. Ich glaube: manchmal sind sie trauriger, manchmal nicht so traurig. Viele von ihnen sagen: ,Wir sind froh, dass der böse Chefterrorist nicht mehr für neuen Terror sorgen kann.‘ Und sie sind froh, dass er nicht mehr einfach in Freiheit weiterleben kann – obwohl er am Tod von all den Menschen schuld ist. Vielleicht gibt ihnen das jetzt ein bisschen Ruhe.“

Das hoffe ich natürlich auch ganz arg, liebe Kinder. Eure Paula

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