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Paula braucht keinen Daumen

30.01.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Paulas Thema heute: Wo kommt das komische Zeichen her und                                                                     wofür ist der dicke Finger eigentlich gut?

Hallo, liebe Kinder,

ich gucke immer zum Schluss die Seite mit meinen Nachrichten für euch an. Der Andreas hat dabei die Woche mal zu mir geschaut und gemeint: „Na, Paula, alles gut? Daumen hoch?“

„Äh“, habe ich ganz vorsichtig gesagt, „alles gut, ja. Aber Daumen hoch?“

Dabei habe ich auf meine Watschelpatschelfüße geguckt. Der Andreas musste lachen. Dann hat er gesagt: „Ach so, na klar! Du hast ja gar keinen Daumen. Bei euch Enten ist das ja ganz anders. Aber du müsstest das Zeichen mit dem nach oben gestreckten Daumen doch kennen. Du bist ja als Zeitungsente dauernd mit uns Menschen zusammen.“

„Ach so“, habe ich jetzt gesagt, „klar. Der Daumen bedeutet: Alles gut, gell?“

„Genau“, hat mich der Andreas gelobt. „So ist es. Du bist halt doch meine schlaue Zeitungsente. Also, Daumen hoch für deine Kinderseite?“

„Äh, ja“, habe ich ganz langsam gesagt. Denn ich habe mir schon wieder etwas anderes überlegt. Ich habe den Andreas gefragt: „Duuuu, aber warum ist denn das so? Warum bedeutet der Daumen nach oben bei euch ,Alles gut?‘“

Jetzt hat der Andreas überlegt. Er hat nur „Mhhhhh“ gemeint. Das hat mich gefreut. Sonst antwortet er ja immer gleich ganz schlau. Deshalb habe ich geschnattert: „Ha, das weißt du auch nicht gleich, gell? Da können dir deine ollen alten Römer auch nicht weiterhelfen! Von denen kommen viele von unseren Wörtern, ich weiß. Aber so ein Hand-, äh, Daumenzeichen halt nicht!“

Der Andreas hat seltsam gegrinst. Ein Lächeln war das nicht so richtig. Und auch kein Lachen. Dann hat er gesagt: „Ätsch, Paula! Völlig daneben! Jetzt ist es mir wieder eingefallen: Mit den alten Römern hat das sehr wohl etwas zu tun.“

Ich habe erst einmal mit meinen großen runden Entenäuglein gerollt. Immer die alten Römer! Dann hat der Andreas mir das erklärt: „Also, pass auf! Bei den alten Römern gab es ganz besondere Kämpfer. Die nannte man Gladiatoren. Das kommt vom Wort ,gladius‘. Das heißt auf deutsch Schwert. Die mussten in einem Stadion zur Unterhaltung von Zuschauern gegeneinander kämpfen.“

Da habe ich gleich mal etwas dazwischengeschnattert: „Zur Unterhaltung kämpfen? Was? Dann hatten die bestimmt nur Holzschwerter, gell?“

Der Andreas hat etwas gestottert: „Äh, nee, äh, eben nicht. Die mussten auf Leben und Tod gegeneinander kämpfen. Manchmal lag dann einer besiegt aber lebendig am Boden. Der Kaiser, also der Oberchef-Römer, konnte dann über sein Leben entscheiden. Er konnte den Daumen nach oben strecken. Der Daumen war das Zeichen für das Schwert. Dann hatte der Besiegte Pech und er wurde ...“

Ich habe ganz wild dazwischengeschnattert: „Was? Die spinnen doch, deine alten Römer! So etwas Brutales! Aber das verstehe ich nicht! Wieso bedeutet denn der böse Römerschwertdaumen jetzt heute ,Alles gut?‘ So ein Quatsch!“

„Stimmt, Paula“, hat der Andreas geantwortet, „eigentlich bedeutete der Daumen nach unten oder der Daumen zwischen den anderen Fingern, dass das Schwert weggesteckt wird und er Glück hatte. Aber wahrscheinlich haben das Maler vor 200 Jahren falsch verstanden und das auf ihren riesigen Bildern falsch herum gemalt. So entstand die Bedeutung von unserem Zeichen!“

„Ah ja“, habe ich gemeint, „zum Glück habe ich keine Daumen.“

Der Andreas hat geantwortet: „Na ja, du nicht. Du hast ja deine Entenpaddelbeine mit drei Zehen und den Häuten zum Schwimmen. Und du hast deinen Schnabel. Mit dem kannst du picken und Sachen anpacken. Die Menschen können mit ihrem Daumen und ihrem Zeigefinger vor allem manche Sachen ganz fein anpacken wie mit einer kleinen Zange.“

Dann hat mir der Andreas mit seiner Fingerzange mein Paddelfüßchen gedrückt und weiter erklärt: „Das war für unsere Entwicklung ganz wichtig. Das haben Forscher von der Erwachsenenschule in Tübingen, der Universität, jetzt herausbekommen. Unsere Vorfahren waren ja noch mehr den Affen ähnlich. Aber dann hat sich der eine Finger zum Daumen entwickelt. Damit konnten unsere Vorfahren viel tollere Werkzeuge bauen und nützen. So hat sich dann auch unser Gehirn dafür weiterentwickelt. Man weiß jetzt: Das war schon mindestens vor zwei Millionen Jahre so. Das haben die Forscher jetzt anhand von Knochenüberresten und einem Computerprogramm rausbekommen.“

„Ah ja“, habe ich gemeint. „Dann waren eure Vorfahren auf jeden Fall schlauer und lieber als deine komischen Römer.“ Eure Paula

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