Paulas Nachrichten

Paula braucht keine Entenbrücke

23.03.2019, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

diese Woche bin ich natürlich wieder einmal zum Andreas in die Redaktion gewatschelt. Ich habe ihn schon von der Straße aus am Schreibtisch sitzen sehen. Er sitzt direkt am Fenster. Ich wollte gerade hochschnattern. Denn das Fenster war offen. Es war ja schön warm diese Woche. Der Frühling hat so richtig begonnen! Aber der Andreas hat mich schon gesehen. Er kam ans Fenster und hat gerufen: „Ah, da ist sie ja, die Ente aus dem Norden!“

„Äh“, habe ich nach oben gerufen, „wer? Woher? Aus dem Norden? Wieso das denn? Äh . . .“

Der Andreas hat etwas geantwortet. Aber es sind ein paar Autos vorbeigefahren. Das war sehr laut. Ich habe wieder „Was?“ nach oben geschnattert.

Der Andreas hat gewunken und etwas gesagt. Dann habe ich ihn plötzlich wieder verstanden: „Komm’ erst mal nach oben! Dann ist es leichter zu sprechen!“

Da hatte er natürlich recht. Also bin ich nach oben gewatschelt.

Wir haben uns begrüßt. Der Andreas hat wieder gesagt: „Die Ente aus dem Norden! Herzlich willkommen!“

„Schon wieder?“, habe ich geschnattert. „Was soll der Quatsch? Bin ich eingeschneit? Oder bin ich eine Ente mit Fell? Was soll denn das mit dem Norden?“

Der Andreas hat gelächelt. Und dann hat er gemeint: „Na, überlege doch mal: Nie ohne Seife waschen!“

Ich habe ihn natürlich angeschaut wie ein riesengroßes Auto. Und natürlich habe ich geschnattert: „He, das weiß ich doch selber! Ich bin eine saubere Ente! Da brauche ich doch nicht dich dazu!“

„Klar“, hat der Andreas wieder lächelnd geantwortet. Und wieder hat er gesagt: „Nie ohne Seife waschen!“

Dazu hat er bei jedem Wort in eine andere Richtung gezeigt. Und er hat die ersten Buchstaben von jedem Wort ganz laut und deutlich ausgesprochen.

Beim „N“ von „nie“ hat er genau gerade zum Fenster heraus nach vorne gezeigt. Beim „O“ von „ohne“ hat er nach rechts geschaut. Beim „S“ von „Seife“ hinter sich. Und beim „W“ von „waschen“ nach links.

Ich habe immer in jede einzelne Richtung geguckt. Aber ich habe es immer noch nicht kapiert. Dann hat der Andreas ganz oft und ganz übertrieben deutlich und laut „Nie“ gesagt und in Richtung Stadt gezeigt.

Irgendwann war es mir zu doof. Dann habe ich gesagt: „Ja, ja, ja. Nie, nie, nie. Dort ist die Stadt. Da komme ich gerade her! Stimmt ja.“

„Genau“, hat der Andreas geschnattert, äh, gesagt, „,N wie ,nie‘. Und ,N‘ wie Norden. Du kommst aus der Stadt. Und die Stadt liegt nördlich von hier.“

„Ah, und was hat das mit der Seife und dem Waschen zu tun?“, wollte ich wissen.

Der Andreas hat geantwortet: „Aber Paula, das ist doch klar: Das ist eine Eselsbrücke!“

Jetzt habe ich aus dem Fenster geguckt. Ganz nah bei der Redaktion fließt nämlich ein kleiner Bach vorbei. Da gibt es auch eine Brücke. Ich habe mal da rüber geschielt und gemeint: „Äh, ich sehe weit und breit keinen Esel! Da bin nur ich vorher drüber gewatschelt! Dann müsste das ja eher eine Entenbrücke sein!“

Der Andreas musste lachen. Dann hat er gesagt: „Ach, Paula. Das sagt man doch nur so! Eine Eselsbrücke ist eine Erinnerungshilfe. Manche Leute haben Schwierigkeiten mit den Himmelsrichtungen. Man kann sich ihre Reihenfolge mit dem Satz ,Nie ohne Seife waschen‘ gut merken. Man muss sich das nur noch in der gleichen Richtung denken, wie die Uhrzeiger laufen: ,N‘ wie ,nie‘ oder ,Norden‘, ,O‘ wie ,ohne‘ und ,Osten‘, ,S‘ wie ,Seife‘ und ,Süden‘, ,W‘ wie ,waschen‘ und ,Westen‘.“

„Ah, dann ist eine Eselsbrücke also ein schlauer Denktrick! Warum heißt das dann so? Weil die Esel so schlau sind?“, habe ich gesagt.

Der Andreas hat gelächelt. „Na ja“, hat er gesagt, „eher das Gegenteil. Das kommt von den alten Römern. Pass’ auf, ich erkläre dir das: Die Esel sind sehr, sehr wasserscheu. Die gehen nicht einmal durch ganz niedrige Bäche. Denn sie sehen ja nicht den Grund des Bachs. Also haben ihnen die alten Römer schon über ganz flache Bachstellen kleine Brücken gebaut. Das waren dann eine ,pons asinorum‘. ,Pons‘ heißt Brücke. ,Asinus‘ heißt ,Esel‘: also Eselsbrücke. Die Esel brauchten so ein bisschen länger über den Bach. Man musste ihnen ja auch zuerst eine Brücke bauen. Aber dann sind sie doch verlässlich und sicher über das Wasser gekommen. Und so kommt man über den Umweg des Spruchs auf die Wahrheit. Das ist die Eselsbrücke.“

„Hm“, habe ich gesagt, „gut, dass wir Enten keine Entenbrücken brauchen. Wenn es keine Brücke gibt, schwimmen wir einfach rüber. Wir sind ja auch schlauer als die Esel.“ Eure Paula

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