Paulas Nachrichten

Paula ärgert den Donnervogel lieber nicht

03.03.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche war es bitterkalt. Ich dachte mir einmal in der Stadt; Brrrrrrrrrrr, schnell zum Andreas!

Seine Frau hat mir auch gleich aufgemacht und gesagt: „Komm’ schnell hoch, Paula. Und mache die Türe gut zu! Setz’ dich doch an den Tisch. Ich mache dir einen heißen Tee.“

Langsam bin ich wieder aufgetaut. Und der Tee hat bald geduftet. Ich habe mein schönes Zeitungsgefieder ein bisschen geschüttelt. Dabei habe ich mir auch ein bisschen über die Schulter geschaut. Ich konnte nicht glauben, was ich da gesehen habe. Schnell habe ich mich wieder nach vorne gedreht. Und ganz vorsichtig wieder zurück. Puuuuh! Da saß ein riesiger Vogel auf dem Schrank und hat ganz streng geguckt. Mit einem scharfen Schnabel und großen Flügeln. Er war eigentlich weiß wie ich. Aber er hatte keine schwarzen Buchstaben auf seinem Gefieder. Sondern viele verschiedene Farben.

Ich habe mich ganz vorsichtig ein bisschen von ihm weg bewegt. In dem Moment hat die Frau vom Andreas mir den Tee gebracht. Sie schien keine Angst vor dem Vogel zu haben. Sie hat gesagt: „Ah, Paula, du hast unseren Danken schon gesehen. Gefällt er dir?“

Ich habe gesagt: „Danken? Bedankt der sich? Oder warum heißt der so? Kann er sprechen? Der sieht so grätig aus!“

„Nein, der ist nicht grätig, Paula“, hat die Frau vom Andreas gesagt. „Sprechen tut er eigentlich auch nicht. Aber sein großes Vorbild steht in einem Dorf in Kanada. Das heißt Danken. Das schreibt man aber D-u-n-c-a-n. Deshalb habe ich ihn so genannt.“

„Aha“, habe ich gemeint, „ein kanadischer Vogel.“

Dann ist mir etwas eingefallen. Ich habe gleich losgeschnattert: „Hey, ich weiß was! Der Andreas hat mir aus Kanada auch einmal so einen seltsamen Vogel mitgebracht. Der war eben viel kleiner. Das war so ein Mini-Totempfahl. Der Duncan hier ist jetzt viel größer. Der Andreas hat mir da damals erklärt. Totem kommt von einem Indianerwort und heißt so etwas wie ,Familie‘. Die Tiere sind ein Zeichen für eine Familie und so. Gell? Die erzählen auch eine Geschichte von der Familie. Oder sie stehen für die Chef-Eltern von der Familie! Hm, ich habe damals noch mit dem Andreas lachen müssen. Wir haben uns überlegt: ,Wie würde so ein Totempfahl für eure Familie vor eurem Haus aussehen‘?“

„Ja“, hat es plötzlich von der Treppe her geklungen. Denn der Andreas war gekommen. Er hat gesagt: „Und du wolltest für uns einen Totempfahl mit einer Zeitungsente drauf, gell, Paula?“

„Ja“, habe ich gemeint, „dann hätte ich immer auf euch aufpassen können. Und der Totem würde für viele Geschichten von dir und mir stehen. Aber jetzt habt ihr ja den anderen . . .“

„Na“, hat der Andreas gemeint, „jetzt sei mal nicht beleidigt, liebe Paula. Der Duncan passt auch auf dich auf. Denn du gehörst ja auch zur Familie. Du könntest ja schlecht auf dich selbst aufpassen. Oder? Außerdem hat meine Frau den von lieben Freundinnen geschenkt bekommen. Eine von ihnen ist eine Töpfer-Künstlerin. Die hat ein Bild aus Kanada von dem großen Totem mitgebracht. Der echte ist natürlich aus Zedernholz geschnitzt. Die Freundin hat den für meine Frau aus Ton getöpfert und ihr geschenkt. Sie hat sich ganz arg gefreut.“

„Er ist auch echt harmlos“, hat die Frau vom Andreas gesagt.

Der Andreas hat aber dazu gesagt: „Na ja, so harmlos wie ein Donnervogel eben sein kann!“

Da bin ich erschrocken. Donner mag ich gar nicht. Ich habe geschnattert: „Ein Donnervogel? Was soll denn das sein? Donnert der?“

„Ja. Aber das sind halt so uralte Geschichten von den Ureinwohnern dort. Eigentlich sind das Märchen. Manche nennen die Ureinwohner ja Indianer. In ihren Geschichten macht der Donnervogel die Gewitter. Mit dem Flügelschlag donnert er. Und er wirft mit Schlangen um sich. Die sind dann die Blitze. In den Geschichten natürlich nur. Man sollte ihn also nicht ärgern. In der Fantasie der Ureinwohner war er ein sehr mächtiger Vogel. Sehr schlau. Und sehr grätig. Deshalb guckt er so.“

„Hm, und was hat der grätige Schlaumeier für Dinger auf dem Kopf? Ohren, damit er alles hört? Oder sind das Antennen? Oder Blitzableiter?“

„Nein, nein, das sollen Hörner sein. Das zeigt: Der ist ein starker Märchenvogel. Manchmal haben die auch Zähne im Schnabel!“, hat der Andreas erklärt.

„Oh, äh“, habe ich ganz vorsichtig gemeint, „und wie sind die auf so eine Idee mit dem Donnern gekommen?“

„Na ja“, hat der Andreas gemeint, „die Zugvögel kommen ja immer nach dem Winter zurück. Und da kommen dann auch immer die Gewitter wieder. Und die verschwinden wieder mit den Vögeln im Herbst. Vielleicht ist die Geschichte so entstanden. Du brauchst aber keine Angst zu haben. Der Duncan hier ist ein braver, schöner Donnervogel. Der ist ja auch von einer ganz lieben Frau gemacht worden. Guck ihn dir ruhig mal aus der Nähe an. Der passt auf uns auf. Der donnert höchstens, wenn du mir die Schokolade wegisst.“

„Äh“, habe ich ganz kleinlaut gemeint, „das würde ich doch nie, niemals machen!“ Eure Paula

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